Ob er zu einer Kreuzfahrt aufbricht oder eine Versammlung im Dorf besucht - "die Kamera habe ich immer dabei", sagt Rolf Pätschinsky. Er wiegt den Apparat in der Hand, das schwarze Gehäuse erinnert ihn an etwas. Ende der 90er Jahre, als sich die Zeit der analogen Fotografie ihrem Ende zuneigte, dachte Rolf Pätschinsky ans Aufhören. "Diese Umstellung wollte ich nicht auch noch mitmachen."

Dann machte er sie doch mit. Er kaufte sich eine Digitalkamera und hängte fast noch mal 20 Jahre als Berichterstatter dran. "Doch jetzt ist höchste Zeit für eine Zäsur", sagt der 74-Jährige. "Im Mai werde ich 75, zugleich ist Schluss der Periode im Gemeinderat. Da bietet es sich an, es gibt noch andere Sachen".
Im Juni 1979 hatte es begonnen. Karl Schuhmann, der Schützenmeister, hatte ihn angesprochen. "Könntest du nicht mal..."

Rolf Pätschinsky konnte. Er schrieb seinen ersten Bericht.
Über das Jubiläum des Schützenvereins. Aus dem "könntest du nicht mal" wurde im Laufe der Jahre ein "der Rolf, der macht das schon". Immer mehr Vereine meldeten sich bei dem Mann, der fortan für beide Forchheimer Tageszeitungen schrieb und seine Artikel für den FT mit "pä" kürzelte.

"Man sollte nichts emotional niederschreiben, sondern den Bürger informieren wollen", das war eine Grundregel, die dem 74-Jährigen in 35 Jahren Berichterstattung in Fleisch und Blut übergegangen ist.
In seinen ersten Texten sei "gewaltig rumgestrichen" worden, erinnert sich Rolf Pätschinsky. "Es braucht eine Weile, bis man den Stil einer Zeitung verstanden hat."

Erwartungen!

Auf der einen Seite standen die Bürger, Vereinsvertreter und Kommunalpolitiker mit ihren Erwartungen - auf der anderen Seite die Zeitungsredakteure mit den ihrigen. "Der Reiz des Schreibens" wurde immer wieder abgeschwächt durch Diskussionen und durch Beschwerden: Manchmal waren es die Leser, die sich bei Pätschinsky beklagten: "Was hast du denn da geschrieben?" Manchmal war er es, der sich in der Redaktion beschwerte: "Was hast du aus meinem Artikel gemacht?"

1968 war das Ehepaar Pätschinsky von Braunschweig nach Unterleinleiter gekommen. Er leitete das Heim der DAK und später das Kurzentrum; seine Frau Gisela übernahm im Zentrum die Leitung der Hauswirtschaft.
Rolf Pätschinsky begann sich immer intensiver zu engagieren. In der Kirche, im Sportverein, im VdK. Er war zwölf Jahre Vorsitzender im Fränkische Schweiz Verein. Er war 18 Jahre Gemeinderat. Er ist bis heute (und will es weiter bleiben) der Kulturreferent des Schlossparks.

Er kannte also das, worüber er schrieb, auch aus der Innenansicht. Anfangs sei mehr die "Chronistenpflicht" im Vordergrund gestanden, erzählt Pätschinsky. Später habe er sich beim Schreiben dann mehr an dieser Frage orientiert: Was liest du denn selbst am Liebsten in der Zeitung? Und er legte Wert auf das Bild.

Rolf Pätschinsky besuchte Feiern, Jubiläen oder Einweihungen immer auch, um das Geschehen für die Gemeinde zu dokumentieren. Heute liegen alleine aus der "Zeit der Dias" weit über 1000 seiner Aufnahmen im Gemeindearchiv.

Für die Zeitung wird "pä" nur noch wenige Male zum Fotoapparat greifen. Das letzte Mal wohl Ende April, um über die Verabschiedung des alten Gemeinderates zu berichten. Anschließend wird er die Kamera einpacken. In eine Reisetasche. Denn im Mai will Rolf Pätschinsky das Meer fotografieren. Seinen 75. Geburtstag wird er auf einer Kreuzfahrt feiern.