Egal, ob der Wasserhahn tropft, ob die Schuldenlast drückt oder ob ein zertrümmertes Fenster repariert werden muss - in jedem Fall ist Antje Kahnt gefragt. Die Sozialpädagogin leitet den Fachdienst Wohnungsnot der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Eggolsheimer Weg. "Jeder, der aus der Psychiatrie kommt oder aus anderen Gründen keine Wohnung hat, landet bei mir", erzählte sie den Stadträten im Finanzausschuss am Mittwoch.

Die Räte mussten entscheiden, ob die Stadt auch in den nächsten beiden Jahren mit der Fachstelle Wohnungsnot zusammenarbeiten und diese Arbeit mit 13 740 Euro unterstützen will. Der Ausschuss sagte einstimmig zu. "Dieses Geld ist gut angelegt", meinte Heinz Endres (FBF), der Antje Kahnt als "Allrounderin" lobte.


Scheidung, Schulden, Sucht

Tatsächlich muss die Sozialpädagogin eine erstaunliche Vielzahl von "Problemlagen" bewältigen. Ihrem Bericht war zu entnehmen, dass die Frauen und Männer, die am Eggolsheimer Weg auftauchen, nicht nur den Verlust ihrer Wohnungen zu beklagen haben. Die meisten schlagen sich noch mit anderen Themen wie Scheidung, Arbeitslosigkeit und Verschuldung herum oder mit fehlenden Sprachkenntnissen, psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen.

Der Fachdienst berät diese Menschen; verhandelt mit Behörden; schlichtet Streitigkeiten unter Bewohnern - und versucht zudem einem erzieherischen Auftrag nachzukommen. Wie Antje Kahnt berichtete, müssten die Bewohner bei ihr auch lernen, eine gewisse "Verantwortung für das Wohnumfeld" zu übernehmen.

"Kein leichter Job - Respekt", lobte Reiner Büttner (SPD) und sagte Antje Kahnt Unterstützung zu, bei der Obdachlosigkeit in Forchheim künftig stärker präventiv zu agieren.

Die Leiterin des Fachdienstes hatte an die Lokalpolitiker appelliert, mehr dafür zu tun, "um Obdachlosigkeit zu vermeiden". Im Klartext: Die Awo benötigt größere Ressourcen, um jene Menschen zu beraten und zu unterstützen, denen Wohnungslosigkeit droht. Durch diese präventive Arbeit könnte sich die Stadt große Summen sparen, die beispielsweise für Zwangsräumungen ausgegeben würden, sagte Antje Kahnt.


Forchheim mit 125 Obdachlosen überfordert

Grundsätzlich arbeitet die Politik daran, die Ausgaben für Wohnungsnotfälle zu reduzieren. Thomas Jungbauer (Leiter des Liegenschaftsamtes) hatte angedeutet, dass Forchheim mit 125 Obdachlosen überfordert sei. Die Unterkunft am Eggolsheimer Weg sei mit 56 Bewohnern komplett ausgelastet. "Wenn morgen eine obdachlose Familie mit Kindern vor der Tür steht, dann haben wir ein Problem", sagte Jungbauer.

Ein Problem hat die Stadt bereits jetzt: In etlichen Landkreis-Gemeinden ist es gängige Praxis, dass sich die Bürgermeister nicht um die Obdachlosen kümmern, sondern sie weiterschicken - nach Forchheim. In der Stadt entstehen so "stabile Fallzahlen, die die Anzahl der Kümmerer erhöht", kritisierte Udo Schönfelder (CSU). Ziel der Politik müsse es sein, dass sich die Unterkunft am Eggolsheimer Weg zunehmend leere, sagte Schönfelder. Ludwig Preusch (FW) war der Auffassung, dass die Lösung darin bestehe, mehrere Unterkünfte auf den Landkreis zu verteilen: "Die Zentralität ist das Problem."

Fakt ist, bekräftigte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), dass andere Städte von der Größe Forchheims viel niedrigere Zahlen aufweisen. Thomas Jungbauer hatte das Beispiel Lichtenfels angeführt - eine Stadt mit gerade mal acht Obdachlosen. Und Uwe Kirschstein nannte die Kommune Friedberg bei Augsburg: Dort gebe es ein Haus für Wohnungsnotfälle: Von den 35 Plätzen seien lediglich zwölf belegt.