Seit Januar ist das Medical Valley Center (MVC) offiziell eröffnet. Und obwohl sich die Stadt glücklich schätzen kann, weil das Gebäude (Bausumme elf Millionen Euro) auf Anhieb zum gefragten Standort für junge Unternehmen wurde, rumort es hinter den Kulissen.

Denn bautechnisch liegt im Medical Valley Center einiges im Argen. Das Treppenhaus am Haupteingang ist seit der Eröffnung gesperrt. Außerdem wird seit Wochen darum gestritten, wer für das Desaster rund um das verpfuschte Heizsystem verantwortlich ist. "170 Heizkörper müssen ausgewechselt werden, das ist eine Heidenarbeit", bestätigt Alt-Oberbürgermeister Franz Stumpf, Geschäftsführer der MVC Forchheim GmbH.

Die Heidenarbeit wird natürlich auch ein Heidengeld kosten. Wie hoch die sechsstellig Summe genau ausfallen wird, darüber kann Sigrun Wagner (Sachgebiet Neubau- und Sonderprojekte bei der Stadt Forchheim) noch keine Angaben machen.


Nähte per Ultraschall geprüft

Die Architektin erwartet für diese Woche erstmal eine Entscheidung, was die Treppe betrifft - das "Statement des Prüfstatikers" werde erwartet. Der Statiker hat vor zehn Tagen an der Treppe per Ultraschall die Schweißnähte an den Wangenstößen untersucht. Noch habe der Prüfingenieur die Treppe nicht freigegeben, betont Sigrun Wagner. Aber MVC-Geschäftsführer Franz Stumpf machte am Freitag eine Anspielung, dass es sich bei der Treppen-Sperrung um einen "blinden Alarm" gehandelt haben könnte.

Der Streit um die Heizkörper dagegen ist bitter ernst. Es gab schon mehr als eine Sitzung mit Rechtsanwälten. Mittlerweile laufe ein "Beweissicherungsverfahren", sagt Franz Stumpf. Es müsse die Ursache geklärt werden, warum die Zuleitungen zu den Heizkörpern durchgerostet sind. Theoretisch könnten der Teppichleger, der Heizungsbauer oder der Estrichleger für den Schaden verantwortlich sein. "40 Stellen wurden untersucht", sagt Stumpf, "38 Stellen waren marode."

Solange die 170 Heizkörper nicht ausgewechselt sind, müssen sich die Bewohner des Geschäftshauses mit elektrischen Heizstrahlern behelfen.

Während die Sachverständigen Ursachenforschung betreiben, bleibt auch Sigrun Wagner nichts anderes übrig, als abzuwarten: "Ich hab so etwas in meiner 32-jährigen Karriere noch nicht gehabt."

Fest steht bislang, dass jemand die Schutz-Ummantelung am Vor- und am Rücklauf der Heizkörper voreilig abgeschnitten hat. Korrekterweise wird erst der Hohlraum-Boden eingebaut, erläutert Sigrun Wagner, dann kommt die Estrich-Lage, dann die Spachtelmasse vom Fußboden, dann der Teppich. Irgendjemand hat diese Reihenfolge missachtet. Besagte Schutz-Ummantelungen an den Heizkörpern wurden abgeschnitten, ehe die Spachtelmasse aufgebracht worden war. War es der Teppichleger, der Heizungsbauer oder der Estrichleger? In jedem Fall sei auch die Bauleitung verantwortlich, sagt Sigrun Wagner. Also einer der Architekten der Firma AGN aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren, die mit der Generalplanung des MVC in Forchheim beauftragt war.

Sigrun Wagner betont, dass die Stadt "sofort reagiert" habe, als im Januar Wasserschäden entdeckt worden waren. Der Boden war geöffnet - und jene Masse war entdeckt worden, die offenbar die chemische Reaktion an den Heizungsrohren verursacht hatte. Teil des Beweissicherungsverfahrens ist es, diese Masse zu prüfen. In drei bis vier Wochen erwartet die Stadt die Laborergebnisse.