Annika Leopold hat die Digitalwerkstatt in Forchheim gegründet und ist Beraterin für neue Arbeitsformen im digitalen Zeitalter. Gegenüber dem Fränkischen Tag erklärt die Digital-Expertin, wie sich die Bürowelt verändert.

New Work in aller Munde: Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff?

Annika Leopold: New Work, Arbeit 4.0, Zukunft der Arbeit - egal, wie man es nennt, unsere Arbeitswelt befindet sich in einem radikalen Wandel. Der fortschreitende Wandel von einer Industrie- zur Wissensgesellschaft erfordert neue Arbeitsmodelle. Dabei geht es um die kluge Verknüpfung zwischen Arbeit- und Lebenswelten. Um es kurz zu sagen: New Work macht die Arbeit wieder menschlicher, Ellenbogen-Mentalität und Konkurrenzdenken weichen einer gemeinsamen Arbeitsweise mit Respekt und Wertschätzung füreinander. Erstmals wurde das Konzept New Work von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann entwickelt. Im Kern beschäftigt es sich mit der neuen Arbeitsweise heutiger Gesellschaften im digitalen und globalen Zeitalter in Verbindung mit den zentralen Werten Selbstständigkeit, Freiheit und Gemeinschaft.

New Work im Büro: Wie sollten moderne Arbeitsräume gestaltet sein?

Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche, dementsprechend auch das Arbeitsumfeld. Eine moderne Arbeitsumgebung muss Teamarbeit neu organisieren, Netzwerke und Kreativität fördern und - so blöd es klingt - glückliche Zufallsbegegnungen fördern. Es ist also nicht nur damit getan, Räume umzugestalten und neue Technologien bereitzustellen. Vielmehr müssen die Bedingungen auf Menschen, Arbeitsinhalte und Organisationen zugeschnitten sein. Unternehmen brauchen zufriedene Mitarbeiter, um erfolgreich zu sein. Für eine Arbeitszufriedenheit reicht es jedoch nicht, ein tolles, modernes, vorzeigbares Bürokonzept im "Open Space"-Stil zu haben. Vielmehr muss der Mitarbeiter - der eigentliche Kunde - als Mensch mit all seinen Bedürfnissen, Emotionen und kognitiven Fähigkeiten einbezogen werden. Dazu gehört auch wieder der Aspekt, Leben und Arbeiten miteinander zu verbinden. Corona zeigt uns, dass "die moderne Arbeitsumgebung" viel mehr umfasst als eine klassische Büroumgebung und eben ein intelligentes Zusammenspiel aus Mensch, Technologien und Flächenplanung erfordert.

Werden Büros in der Arbeitswelt 4.0 womöglich überflüssig werden?

Aus meiner Sich nicht. "Working from home" hat bei aller Freiheit und Lässigkeit so seine Tücken. Ich sehe Büros weiterhin als die moderne Variante des Lagerfeuers. Jeder, der zuhause arbeitet, wird auch mal ins Unternehmen kommen, die direkte Kommunikation suchen und das qualitative Zusammenkommen mit den Kollegen schätzen. Wir brauchen sicher nicht mehr die riesigen Büroflächen wie damals, wo klassisch Personenzahl auf Quadratmeterbedarf gerechnet wurde. Viel mehr geht es um ein kulturstiftendes Zusammensein, zu dem man bewusst erscheint - so wie man sich um ein Lagerfeuer versammelt. Das ist, Gott sei Dank, vorerst durch keine Technologie ersetzbar. Und da die Tücken sowieso meist in der Kommunikation miteinander liegen, sollte das eine Chance sein für ein vollständiges Umdenken von Betriebsabläufen in Verbindung mit möglichen Einsparpotenzialen. Jetzt können wir von den tatsächlich gemachten Erfahrungen profitieren und uns mehr denn je mit den aktuellen Begebenheiten, individuellen Arbeitssituationen und Mitarbeiterbedürfnissen auseinandersetzen. Flexibilität wird auch zukünftig das Zauberwort bleiben und wer entsprechend agieren kann, ist klar im Vorteil.

Die Fragen stellte Ronald Heck