Eine fünfeinhalbstündige Marathonsitzung absolvierte der Marktgemeinderat. Und auch diesmal wurde am längsten über die Themen Rathausbau und Nachnutzung Hallenbadgelände diskutiert. Zu einer Abstimmung kam es wieder nicht - es wird wohl noch eine Sondersitzung erforderlich sein.

Ob das Rathaus nun in den Gasthof "Rose" umsiedeln oder neu gebaut werden soll und ob das Hallenbad abgerissen oder nach dem Konzept von Thomas Siebenhaar daraus eine Wohnanlage gemacht werden soll - das ist noch unklar. Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) betonte, dass man noch in der Anfangsphase sei. "Es wäre das erste Hallenbad, das eine Wiederbelebung in anderer Form feiert", sagte Jürgen Kränzlein.

"Ich glaube, dass das ,Konzept Siebenhaar‘ durchaus unser Favorit ist", sagte Peter Helldörfer (CSU). Für ihn ist allerdings klar, dass es für die "Rose"R keine 80 Prozent Zuschuss gibt, wenn dort das Rathaus hineinkommt. Wird im Rathaus ein Ort der Begegnung geschaffen, läge der Gesamtzuschusssatz laut Helldörfer unter 50 Prozent.

Kommt das "Siebenhaar-Konzept" stellt sich für Zimmermann die Frage, was aus dem restlichen Grundstück rund um das Hallenbad wird. Kränzlein erinnerte noch einmal daran, dass alle, außer Lang, für den "Gasthof Rose" als neues Rathaus gestimmt hatten.


Rechenexempel

Kränzlein rechnete vor, dass der Abriss des Hallenbads 200 000 Euro kostet. Auf der Fläche könnten drei Häuser gebaut werden. Den Zuschuss für den Abriss müsse der Markt dann aber wieder zurückzahlen. "Dann reden wir nur noch über denkbare 30 000 Euro", sagte Kränzlein. Über den Betrag, den die Gemeinde unterm Strich durch den Verkauf der Baugrundstücke bei einem Quadratmeterpreis von 70 Euro für 3500 Quadratmeter bebaubare Fläche noch übrig hätte.

Mehr Einwohner bringt der Gemeinde aber das "Siebenhaar-Konzept" und somit auch mehr Einnahmen. Dietmar Winkler (CSU) meinte, dass man nicht einen Anbieter bevorzugen könne. "Ich bezweifle, dass es die Gemeindeordnung zulässt, dieses Grundstück für einen Euro an einen Investor zu verkaufen", so der Metzgermeister.

Kopfschütteln bei Kränzlein. "Es war ein glücklicher Umstand, dass ich an Siebenhaar herangekommen bin", konterte er. Georg Rodler (CSU) forderte von der Verwaltung konkrete Zahlen, wie viele Bauplätze man aus dem 14 000 Quadratmeter großen Hallenbadgelände ausweisen könnte.

Mit Dr. Gabriele Brütting würde man erstmals Fachärzte nach Gößweinstein bringen, wenn diese ihre Praxis im umgebauten Hallenbad eröffnen würde. Vom Hallenbad kam Helldörfer nun wieder zur "Rose" und dem Ort der Begegnung. "Ist das nachhaltig ausgerichtet oder ist das bloß ein Luftschloss", wollte er dazu wissen. "Bis jetzt hat sich noch keiner dazu geäußert, dass das eine Aufwertung des Marktplatzes und der Basilika wäre", sagte Rainer Polster (FWG).


"Zu groß für das Rathaus"

"Die Rose ist für das Rathaus viel zu groß", stellte Jürgen Kränzlein fest. "Was passiert mit dem übrigen Teil, aus dem wir ja irgend was machen müssen", fragte Kränzlein. Er hielt alleine wegen des Unterhalts des Rathauses einen Neubau auf dem Hallenbadgelände für interessant, weil dieses durch die Hackschnitzelheizanlage von Siebenhaars Wohnanlage im Hallenbad mitversorgt werden könnte.

Nun drehte sich wieder alles im Kreis, bis Bürgermeister Zimmermann meinte, dass es wohl noch einmal eine Sondersitzung geben müsste. "Oder wir könnten auch im wöchentlichen Rhythmus der Sitzungen bleiben und müssen es erst erarbeiten und dann bearbeiten", so Zimmermann, der nun keine Wortmeldung mehr zuließ. Wieder einmal endete diese Debatte um Rathaus und Hallenbad ohne Ergebnis.

Einen kleinen Lichtblick gibt es aber doch: Der Aktualisierung und somit Ausweitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts aus dem Jahr 2010 auf das Hallenbadgelände stimmte der Rat zu. Dafür sind im Haushalt 50 000 Euro eingeplant, zu denen 40 000 Euro als Zuschuss erwartet werden. Die Verwaltung soll nun Angebote dazu einholen und dann den Zuschussantrag bei der Regierung von Oberfranken stellen.