Dass Namen doch nicht nur Schall und Rauch sind, beweist die hitzige Debatte um ein mögliches Mauerscheißer-Fest. Ob "Fäkalienfest" oder "Hingucker": Die Forchheimer kommen nicht zur Ruhe, die Meinungen gehen auseinander.

Was die Diskussion bei manchen befeuert: Stadtlockal-Inhaber Christoph Kauer, der im Organisationskomitee die Forchheimer Gastronomie vertritt, besitzt die Rechte am Namen "Mauerscheißer". Der Vorwurf: Damit könnte er Werbung für den Geschenkeladen "Mauerscheißer" machen.

"Das war ein ganz normaler Prozess, als das Geschäft eröffnet wurde", erklärt Kauer. Der Name sollte einen Bezug zu Forchheim haben und diese Idee sollte ihm keiner wegnehmen - ein ganz normaler Vorgang, der mit dem Fest nichts zutun habe. Für ein mögliches "Mauerscheißer-Fest" stelle er den Namen der Stadt ohne Bedingungen zur Verfügung.

Die Organisatoren des neuen Festes, darunter das Citymanagement, das Ordnungsamt und eine Gruppe von Gastronomen, stören sich in der hitzigen Debatte vor allem an einem: Das neue Konzept sollte im Vordergrund stehen und nicht dessen Name.

Ist die Diskussion zielführend?

Dass die Diskussion um den Namen solche hohen Wellen schlägt, das hätte keiner gedacht, berichtet Kathrin Grüner, Inhaberin des Lübbis. Viel wichtiger sei der neue Inhalt des Festes. "Die Diskussion um den Namen ist so ermüdend. Man versucht, etwas Neues zu schaffen und wird nur auf den Namen reduziert", findet auch Michael Bierfelder von den "Innenstädtern". Vielmehr sei es eine Chance für Forchheim, das Fest neu zu formieren.

Dass das Altstadtfest eine Neukonzeption dringend nötig hat, ist nichts Neues. Diese Tatsache gipfelte im vergangenen Jahr fast im Ausfall des Festes - bis die Citymanagerin das Fest rettete.

Bereits als 2017 das Tourismuskonzept für Forchheim erarbeitet wurde, sei man auf den geschichtlichen Bezug des "Mauerscheißers" aufmerksam geworden. Die Idee eines Mauerscheißer-Festes mit historischem Bezug keimte auf. "Wenn es schon so ein Fest in Forchheim gibt, sollte man sich auch mit der Historie beschäftigen", findet Kauer.

Das Festkomitee möchte nun an mehreren Stellschrauben drehen, um das Konzept zu überarbeiten. Sieben kleine Bühnen mit Musik sollen für eine gelockerte Atmosphäre sorgen. Schulgruppen sollen eingebunden werden. Eine Bühne soll kulturell bespielt werden. Mit dem Jungen Theater und Megaphon wolle man Kontakt aufnehmen, so Kauer.

Zusätzlich wurde der Handel in Form der "Innenstädter" Händlergemeinschaft mit ins Boot geholt. Ein verkaufsoffener Sonntag soll zusätzlich Publikum zum neuen Fest locken. "Die Gastronomie und der Handel wurden bisher beim Altstadtfest nicht mitgenommen", erklärt Bierfelder.

Wie bereits beim Anstattfest wolle man weiterhin daran festhalten, dass die Stadt die Flächen für die Stände kostenlos zur Verfügung stellt, berichtet Citymanagerin Elena Büttner. Die Betreiber der Stände sollen sich dafür um Musik oder andere Unterhaltungsangebote kümmern. Die Kosten für den Sicherheitsdienst werden aufgeteilt.

Ob die Figur am Magistratsbau des Rathauses als Namensträger für das neue Altstadtfest taugt, darüber sind sich auch die Stadträte uneinig. Letztlich entschied man sich in der Sitzung vor Weihnachten dazu, dass die Bürger in einem Namenswettbewerb entscheiden sollen. Selbst über den Wettbewerb war man sich uneinig. "Es wäre schön gewesen, wenn man ein Zeichen gesetzt hätte und es mit dem Namen probiert hätte, meint etwa CSU-Stadtrat Josua Flierl.

Die Junge Union Forchheim startete sogar eine nicht repräsentative Umfrage über ihre Facebook-Seite. Eine Woche lang konnten die Nutzer abstimmen, ob sie den Namen gut finden oder nicht. Das Ergebnis: 24 Prozent von 88 Teilnehmern finden den Namen "Mauerscheißer" gut, während über drei Viertel mit dem Namen offenbar unzufrieden sind.

Dabei gibt Florian Dietz, JU-Ortsvorsitzender, zu bedenken: "Der Name des Festes sollte nicht so sehr im Mittelpunkt stehen, sondern das Konzept, das dahinter steckt." Warum sich Gastronom Kauer überhaupt die Namensrechte gesichert hat und sie dann für das Fest wieder hergibt, das bleibe jedoch fraglich.

Link für die Online-Umfrage

Ob die Umfrage der JU ein Omen für die Bürgerbefragung ist, wird sich in Kürze zeigen. Im nächsten Amtsblatt, das am 18. Januar erscheint, wird der Link zu der Umfrage bekanntgegeben, so Citymanagerin Büttner. Ende Januar wird die Umfrage freigeschaltet. Falls die Mehrheit der Bürger gegen das Mauerscheißer-Fest stimmt, habe man Alternativen in der Hinterhand. Welche das sind, will die Citymanagerin noch nicht verraten. Dafür muss Forchheim erst einmal zur Ruhe kommen.