Im Tourismus- und Wallfahrtsort Gößweinstein mitten im Zentrum der Fränkischen Schweiz herrscht gastronomischer Notstand. Schon lange geschlossen hat das Hotel "Rose" am Marktplatz, das als neues Gößweinsteiner Rathaus im Gespräch ist, und nach dem Faschingsumzug hat nun auch noch das gegenüberliegende renommierte Café Sonne dichtgemaht, weil der Pächter aufgehört hat. Ebenfalls schon länger zu ist der ehemalige Gasthof "Frankenland", der bisher nur als Gästehaus genutzt wird und daneben abgebrannt das ehemalige griechische Restaurant, das zuletzt Flüchtlingsunterkunft war.

Eineinhalb Jahre lang hatte auch das Restaurant des Hotel-Gasthofes "Stern" in der Ortsmitte geschlossen, eines der größten Gastronomiebetriebe in Gößweinstein.


Gelernter Bäcker und Konditor

Nun gibt es aber einen Lichtblick, denn am 15. März öffnet der neue Stern unter dem dann neuen Pächter Bernd Herzing aus dem Forchheimer Stadtteil Burk seine Pforten wieder. Der 43-jährige gelernte Bäcker und Konditor hat das Hotel "Stern" von Inhaber Thomas Hoffmann gepachtet und ist guter Dinge, das der "Stern" wieder zu seiner alten Blüte finden wird. Herzing hat 20 Jahre Erfahrung als Kellner im Gasthaus "Zur guten Einkehr" in Morschreuth gesammelt und wagt es nun, das 34-Betten-Haus mit 17 Fremdenzimmern und 210 Sitzplätzen in der Wirtsstube, dem Saal und dem Biergarten zu übernehmen. Den Tipp bekam er von den Vorbesitzern Ingrid und Lutz Vogl, die noch das Gästehaus Jutta betreiben und zukünftig, was die Übernachtungsgäste betrifft, mit ihm zusammen arbeiten werden.

Mit dem jetzigen Besitzer Thomas Hoffmann wurde er schnell einig. "Wir waren uns sofort sympathisch", sagt Bernd Herzing. Anbieten will er typisch fränkische Küche und selbst gebackene Kuchen und Torten, was sich als gelernter Bäcker- und Konditor von selbst versteht. "Ich trete auch an, um dem Wirtshaussterben in Gößweinstein entgegenzuwirken", betont Herzing, der sich auf seine neue Aufgabe freut. Das Haus wurde bereits von Hoffmann renoviert, von den Vorbesitzern gibt es auch noch die Themenzimmer. So zum Beispiel das Schokoladen-, Rotkäppchen-, Stentaler-, Froschkönig- oder Balthasar-Neumann-Zimmer.

"Das kommt bei den Gästen sehr gut an", so Herzing, der jetzt schon Buchungen von Übernachtungsgästen und Anfragen von Busreisegesellschaften hat. Zusammen mit dem Gästehaus Jutta kann er locker einen Reisebus unterbringen. Anfragen hat er aber auch schon von Wallfahrern, die den "Stern" von früher kennen.


Mehr Gäste im Inland

Gerade für die Wallfahrer war es inzwischen zum Problem geworden, in Gößweinstein genügend Übernachtungsplätze zu finden. "Ich erwarte daher eine gute Resonanz und dass jeden Tag voll ist", so Herzing. Außer im Restaurant am Mittwoch, denn da ist Ruhetag.

Erleichterung auch bei den Gastronomen in Gößweinstein, dass der "Stern" wieder aufmacht. "Ich finde es klasse das es mit dem Stern weitergeht, denn wir brauchen dringend solche Betriebe, vor allem in der Saison", sagt Wirtesprecher Peter Wölfel, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Tourismus und Wirtschaft ist.

"Wenn die Urlaubsgäste und Wallfahrer kommen, müssen genügend einheimische Gastronomen da sein, die vor allem regionale fränkische Küche und Übernachtungsplätze anbieten", so der Chef des Gasthofes "Zur Post". Denn in den Stoßzeiten konnten die Betriebe in Gößweinstein nicht mehr alle aufnehmen. Vor allem dann wenn die Wallfahrer an Pfingsten oder am Dreifaltigkeitssonntag in Scharen kommen. "Da sollten sich aber auch einmal die Wallfahrtsführer untereinander besser absprechen, nicht dass an einem Tag gleich zehn oder mehr Wallfahrergruppen nach Gößweinstein kommen", sagt Wölfel. Denn das könnte man auch über andere Wochenenden verteilen.

Wölfel sieht auch einen Zuwachs der Gästezahlen gerade in Gößweinstein. Denn aufgrund der unsicheren Lage in manchen Ländern machen immer mehr Deutsche nun Urlaub im Inland. "Daher steigen die Gästezahlen auch bei uns deutlich an", meint Wölfel und betont: "Deshalb brauchen wir jeden Wirt und jedes Gasthaus in Gößweinstein."