Sie machten mit Rasseln Lärm. Auf bunten Plakaten übten sie Kritik. Dem anhaltenden Nieselregen trotzten sie locker. Am Mittwoch fanden sich ab 9 Uhr rund 300 Teilnehmer zum bayernweiten Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf dem Paradeplatz Forchheim ein. Unter den Streikenden befanden sich vor allem Sparkassenbeschäftigte verschiedener Filialen, aber auch Mitarbeiter der Stadt Forchheim, des Landratsamts Forchheim und verschiedener Forchheimer Kindergärten. Sie alle forderten eine Anhebung ihrer Einkommen um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro pro Monat und eine angemessene Wertschätzung ihrer Arbeit. Nach einer zentralen Kundgebung auf dem Paradeplatz zogen die Demonstranten vor die Hauptstelle der Sparkasse Forchheim.

Streiken in Corona-Zeiten möglich

Vor Ort wurden unter den Anwesenden wegen der Corona-Auflagen statt Trillerpfeifen Rasseln verteilt. Auch auf das Einhalten der notwendigen Abstandsregeln wurde wiederholt hingewiesen. Nicht zuletzt durch die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen war die Stimmung unter den Streikenden aber recht positiv. "Auch in Corona-Zeiten kann man auf alle Fälle sicher streiken, wir haben hier ja auch alle Masken auf", kommentierte eine Sparkassen-Mitarbeiterin. Diese positive Grundstimmung während der Streik-Aktion änderte jedoch nichts an der deutlichen Forderungen der Streikenden. Im Rahmen der Tarifrunde öffentlicher Dienst 2020 forderte die Gewerkschaft Verdi eine Gehaltserhöhung von 4,8 Prozent sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro. Vonseiten der Arbeitgeber wurden diese Forderungen jedoch als unangebracht zurückgewiesen. Die Arbeitgebervertreter der Sparkassen forderten darüber hinaus Einschnitte in die sogenannte Sparkassensonderzahlung.

Sonderzahlung nicht nehmen lassen

Unter der Sonderzahlung werden seit Jahren Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Überstundenvergütung der Mitarbeiter zusammengefasst. Die jährliche Zahlung dient dazu, das im Vergleich zu anderen Banken niedrigere Gehalt der Sparkassen-Mitarbeiter auszugleichen und macht damit einen nicht unerheblichen Teil des Gesamtgehalts aus. Daher wolle man sich die Sonderzahlung "nicht nehmen und auch nicht kürzen" lassen, so Alexandra Lobe-Dachauer von der Sparkasse Allgäu.

In ihrer Rede argumentierte sie besonders mit der Historizität der Sparkassen-Sonderzahlung. Die Sonderzahlung sei keine Zusatzleistung, die es in guten Zeiten gebe. Selbst wenn es manchen Filialen aktuell vielleicht schlecht gehe, gebe es statt einer generellen Kürzung immer noch andere Notlösungen. Auch Manfred Böhm von der katholischen Betriebsseelsorge zeigte sich solidarisch. Die geforderte Gehaltserhöhung sei keine übertriebene Forderung, sondern lediglich der gerechte Anteil der Mitarbeiter. Beim Thema Lohn gehe es immer auch um Wertschätzung. "Beifall zu klatschen reicht da nicht aus", mahnte er. Die mangelnde finanzielle Wertschätzung für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst beklagte auch Jessica Braun von der Stadtverwaltung Forchheim. Gerade während der Pandemie hätten Kindergärtnerinnen, Reinigungskräfte und Straßenreiniger mehr leisten müssen als sonst. "Das muss sich jetzt auch auszahlen, dafür sind wir hier", stellte Braun fest und forderte "einen ordentlichen Tarifvertrag, über den wir dann auch verhandeln können".

Auch höhere Ausbildungsvergütung nötig

Ein angemessenes Gehalt sei laut Braun schließlich auch für die Gewinnung neuer Mitarbeiter nötig. Dies sah René Schulz von der Sparkasse Coburg-Lichtenfels ähnlich. Als Jugend- und Auszubildendenvertreter forderte er nachdrücklich die Erhöhung der Ausbildungsvergütung, aber auch die Eingruppierung Auszubildender in eine angemessene Entgeltstufe, um die entsprechenden Berufe für die Jugend attraktiver machen.

Im Anschluss an die Reden auf dem Paradeplatz zogen die Streikenden mit Rufen wie "Wir sind es wert" vor die Hauptstelle der Sparkasse Forchheim, um "die Forderungen dorthin zu tragen, wo sie hingehören", so Gewerkschaftssekretär und Organisator Michael Brönner. Zurück auf dem Paradeplatz zeigte sich Brönner bei seiner Abschlusskundgebung zufrieden. Nach ersten Zählungen seien nicht nur die erwarteten 150 Streikenden gekommen, sondern doppelt so viele. "Ich glaube, wir haben damit heute ein starkes Zeichen für den öffentlichen Dienst gesetzt."