In Bayern beginnt am Dienstag, 8. September 2020, der Schulunterricht - allerorts mit Mund-Nasen-Schutz und Abstand halten. Auf dem Schulweg kann es für den ein oder anderen Schüler im Landkreis Forchheim ungewollt eng werden. Denn mehr Schulbusse wird es vorerst nicht geben. Das teilte Landrat Hermann Ulm (CSU) auf eine Anfrage von Elisabeth Krause mit, die für Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag sitzt. "In der Tatsache allein, dass im Schülerverkehr die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können, kann keine generelle Notwendigkeit zum Einsatz alternativer oder zusätzlicher Verkehrsmittel gesehen werden", geht aus dem Antwortschreiben hervor.

Schulverkehr im Kreis Forchheim: Es könnte nachgebessert werden

Um einen Überblick über die Besetzung der Busse zum Schuljahresbeginn zu erhalten, seien alle Unternehmen aufgefordert worden, täglich den Besetzungsgrad zu melden. Sollte festgestellt werden, dass Schülerbusse aus Sicht des Infektionsgeschehens überfüllt sind, soll auf den einschlägigen Busverbindungen im Rahmen der Förderung des Freistaates Bayern nachgebessert werden.

"Alle in unserem Auftrag eingesetzten Verkehrsunternehmen waren bereits vor Beginn der Pandemie dazu verpflichtet, die Fahrzeuge regelmäßig und sehr gründlich zu reinigen", heißt es weiter. "Um die Mitarbeiter im Fahrdienst und in den Werkstätten zu schützen, wurden die Verkehrsunternehmen seit Beginn der Coronakrise gebeten, noch zusätzliche Reinigungen an den sehr häufig berührten Flächen in den Fahrerständen sowie der Haltestangen und -schlaufen und Öffnungstaster bei allen eingesetzten Fahrzeugen durchzuführen."

Vorsitzende des Elternbeirates am Ehrenbürg-Gymnasium: Busse ohnehin oft sehr voll

Das trifft auf Unverständnis. Carmen Henneberg aus Heroldsbach ist Vorsitzende des Elternbeirates des Ehrenbürg-Gymnasiums. Von ihrem Sohn, der die sechste Klasse besucht, weiß sie, dass die Schulbusse vor Beginn der Pandemie oft sehr voll waren. "An manchen Tagen musste er sich reinquetschen, um reinzukommen. Meines Erachtens müsste aufgestockt werden", sagt sie. Zumal sie befürchtet, dass sich mehr Eltern bei überfüllten Bussen dafür entscheiden, ihr Kind mit dem Auto zur Schule zu fahren - das könnte zu mehr gefährlichen Situationen am Morgen in der engen Ruhalmstraße führen.

Grünen-Kreisrätin Elisabeth Krause: "Im schlimmsten Fall schon zu spät"

"Die Ankündigung nachzubessern, ist ein zweischneidiges Schwert: Wenn in einer Pandemie nachgebessert werden muss, kann es im schlimmsten Fall schon zu spät sein und das Virus hat sich weiter verbreitet", kritisiert auch die Grünen-Kreisrätin Elisabeth Krause aus Ebermannstadt.

"Es kommt auf das Maß an, in dem die Abstände womöglich nicht eingehalten werden können. So dicht an Fremden im ÖPNV zu stehen, dass man gezwungen ist sich zu berühren, ist schon ohne Corona eine Zumutung. In Corona-Zeiten darf uns das in der Beförderung von Schülerinnen und -schülern aber wirklich nicht passieren", meint Krause. Sie hält es deshalb für sinnvoll und wünschenswert, den ÖPNV zu den wichtigsten Zeiten, in denen es bereits vor Corona eng wurde, mit zusätzlichen Bussen zu ergänzen.

Landkreis Erlangen-Höchstadt setzt zunächst zwölf Verstärkerbusse ein

Im benachbarten Landkreis Erlangen-Höchstadt wird aufgestockt: Dort werden zunächst zwölf Verstärkerbusse eingesetzt, teilt das Landratsamt mit. "Direkt nach der Ankündigung des Förderprogramms durch die Bayerische Staatsregierung hat das zuständige Sachgebiet ÖPNV im Landratsamt zusammen mit den Verkehrsunternehmen und in Abstimmung mit den Nachbarlandkreisen mögliche Linien identifiziert, welche sich aus der Erfahrung des vergangenen Schuljahres für Verstärkerfahrten eignen und die Fördervoraussetzungen erfüllen." In den ersten Wochen werde die Auslastung überprüft und gegebenenfalls nachgesteuert.