Der Volkstrauertag als mahnender Tag für Frieden und der Trauer von gefallenen Kameraden ist für die Mitglieder des Krieger- und Militärvereins Schlaifhausen (KVM) immer ein besonderer Moment im Jahr. Die Gründung des Vereins geht zurück auf den 31. Januar 1919. Mit den Schrecken des zu Ende gegangenen Ersten Weltkriegs in Erinnerung, fanden sich damals 14 Personen im Gasthaus "Nagengast", noch heute Vereinslokal, zusammen, um den Verein zu gründen.

Erster Vorstand war Johann Pieger. Die Aufzeichnungen sind aus der ersten Zeit sehr spärlich und dennoch interessant. Durch die Folgen des Naziregimes und des Zweiten Weltkrieges sowie der einhergehenden zwangsweisen Auflösung des Vereins, wurden viele Unterlagen vernichtet. Zu den grundsätzlichen Aufgaben machte es sich der Verein von Anfang an, jährlich einen Gottesdienst am Gründungstag zum Gedenken an die gefallenen und vermissten Kameraden zu stiften. Dafür hat sich im Laufe der Zeit der Sonntag nach "Maria Lichtmess" eingebürgert und wird bis heute durchgehalten.

Ein Waggon Kraut als Preis

1923 schaffte sich der Verein eine Vereinsfahne an, angefertigt im Kloster Michelfeld. Wie die Chronik berichtet, fiel das Ereignis in die Zeit der großen Inflation. Deshalb musste neben einem Geldbetrag ein Waggon Kraut nach Michelfeld geschafft werden. Unter den Klängen der Musikkapelle Leutenbach wurde die Fahne am Pfingstmontag 1923 geweiht. Wegen Geldmangels des Vereins und der harten Inflationszeit streckte Gründungsmitglied Johann Seiler, der in der Schweiz arbeitete und so besser bemittelt war, das Geld im gleichen Jahr für eine Salutkanone vor. Sie wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges zerlegt und vor den anrückenden Amerikanern versteckt. Zu kirchlichen Anlässen wie Fronleichnam wurde sie noch zum Ehrensalut bis Anfang der 70er-Jahre eingesetzt. Sie erhielt 1993 einen neuen Anstrich und wird bei Festumzügen mitgeführt, ist jedoch leider aktuell funktionsuntüchtig. Zum Salutschießen werden inzwischen Böller verwendet, wo Hans Schütz seinen zuverlässigen Dienst verrichtet. Bei der Ehrung der Gefallenen steht sie aber immer noch am Ehrenmal.
Erst 1954 wurde der Verein nach der erwähnten Zwangsauflösung wieder ins Leben gerufen. Hans Schütz und Hans Nagengast sind die einzigen noch lebenden Gründungsmitglieder. Beide mussten noch den Krieg in Uniform erleben. Namen wie Reinhold Blank prägten über Jahrzehnte den KMV.

Freundschaft mit Leutenbach

Die Vereinsfahne wurde 1962 und 1994 restauriert. Das modern anmutende, schlichte Ehrenmal vor der Kirche in Schlaifhausen weihte Pfarrer Müller am 29.10.1972 ein. 1992 trat der Verein dem "Bayerischen Soldaten- und Kameradenvereinigung" (BKV) bei. Seit der Übernahme der Patenschaft 1998 wird eine enge Freundschaft mit der Soldatenkameradschaft Leutenbach gepflegt. Siegfried Sauer, längstes Mitglied in der Vorstandschaft, erzählt von Zeiten wie 1981, als gleichzeitig 21 Personen zum Verein stießen. Das freilich ist längst Vergangenheit. Seit 2011 wurde die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt. So gibt es nur noch sehr wenige, die "dienen", mit der Folge, dass sich dies auch auf die Zahlen des Krieger- und Militärvereins auswirken. Mittlerweile werden auch Interessenten aufgenommen, die nicht bei der Bundeswehr waren. Christine Messingschlager gehört zu ihnen und ist eine von sechs weiblichen Mitgliedern im Verein. Sie gehört zu den Sportschützen. Die Gründung dieser Schießsportgruppe, 2012 ins Leben gerufen, bedeutet ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte.

Kein gewöhnlicher Schützenverein

Geschossen wird vorwiegend auf der Schießsportanlage in Drügendorf. Man will kein gewöhnlicher Schützenverein sein. Geschossen wird mit Großkaliber, Langwaffen und Pistolen. Markus Schirmer, der die Abteilung mit betreut, sieht hier einen spannenden Spagat, den Frieden zu predigen und gleichzeitig den aktiven Schießsport mit Großkaliber zu schießen. Er erklärt dies auch mit der Historie des Vereins. Man möchte damit junge Leute gewinnen, dabei aber den Charakter des Vereins nicht aus den Augen verlieren. Bei der erstmals durchgeführten Vereinsschießmeisterschaft mit beachtlichen 19 Teilnehmern errang Martin Kroder die erste Vereinsschießmeisterschaft.
Den Namen ihres Vereins als "Krieger- und Soldatenverein" wollen die Schlaifhausener, im Gegensatz zu manchem Nachbarverein, nicht ändern oder dem Zeitgeist anpassen. "Der Verein wurde in schlimmen Zeiten gegründet zur Vergangenheitsbewältigung", sagt Vorstand Theobald Messingschlager. Es standen nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg keine Psychologen zur Verfügung, um traumatisierte Kameraden zu betreuen, ihnen in ihren schrecklichen Erlebnissen zu helfen. Man stand sich untereinander bei und tauschte sich aus. Nach dem schrecklichen Krieg, deshalb gehört der Name dazu. Frieden wahren und Kriege verhindern heißt die klare Zielsetzung des KVM Schlaifhausen.