Es nieselt, als Marek mit dem Abreißgerät zum Hopfenacker fährt. Jetzt kommt der Regen, der im Juni oder Juli so bitter nötig gewesen wäre. So aber gibt es auch in der Hopfenernte im Kreis Forchheim Ausfälle in Höhe von 40 Prozent. Die Alphasäure, die für den Geschmack zuständig ist, konnte nicht richtig reifen. Während Franzi Merkel, die Tochter der Biolandwirte Franz und Sonja Friedrich das erzählt, nimmt sie eine Dolde vom Stock und zerpflückt sie. Diese hat genug Alphasäure, kann also weiterverkauft werden. Die Saisonarbeitskräfte, Marek und seine Familie, brauchen die Friedrichs trotz der Ernteeinbußen. "Es sind dennoch dieselben Arbeiten zu erledigen", sagt Sonja Friedrich. Inzwischen schert Marek in den Hopfenacker ein. Wojciech springt auf den Anhängerwagen und schlichtet die Reben in Reih und Glied, damit sich Goska und Irena beim Einhängen der Reben in die Hopfenmaschine auf dem Biohof der Familie Friedrich nicht so plagen müssen. Ala läuft hinter dem Wagen her, bückt sich immer wieder, um heruntergefallene Dolden einzusammeln.

Aus Luban in Polen

Vor einer Woche sind die Saisonarbeitskräfte aus Luban in Polen wieder angereist. Schon im Frühjahr waren sie in Lilling, um bei den ersten Arbeiten für den Hopfenanbau zu helfen. Da mussten die Drähte aufgehängt und der Hopfen angeleitet werden. Und ein neues Hopfenstück musste aufgestellt werden, was im März arbeits- und kraftaufwendig war. Normalerweise werden die Löcher für die Betonmasten mit einem Erdbohrer gebohrt. Der Boden jedoch war in 80 Zentimeter Tiefe noch gefroren. "Wenn der Boden gefroren ist, hilft entweder warten oder aber mit dem Bagger und einem stärkeren Bohrer nachbohren", erklärt Sonja Friedrich. Für die zweite Variante haben sich die Biolandwirte entschieden und es so geschafft, auch auf sehr steinigen Standorten die Löcher in den Boden zu bekommen. Auch diese Arbeiten sind ohne die Saisonarbeitskräfte nicht möglich. Seit 28 Jahren kommen Friedrichs Helfer nach Lilling, leben dort in Containern, die Friedrichs komplett eingerichtet gemietet haben. "Unsere Erntehelfer sind alle aus einer Familie. Sie sind Cousinen, die Tante oder die Großtante", erzählt Franzi Merkel. Geworben oder gezielt gesucht haben Friedrichs nicht. Bis 1990 halfen sich die Landwirte gegenseitig oder hatten andere Helfer aus den Orten. Dann wurden feste Nebenbeschäftigungen attraktiv, die Bauern vergrößerten oder änderten die Anbauweise, so dass es nicht mehr so einfach war, die Maschinen eine Zeitlang entbehren zu können. Zu der Zeit waren die polnischen Kräfte unterwegs, klingelten an den Türen und fragten nach Arbeit. Wie viele Saisonarbeitskräfte im Landkreis Forchheim beschäftigt sind, kann der Bayerische Bauernverband (BBV) nicht sagen. "Nicht jeder Betrieb hat Saisonarbeitskräfte", sagt BBV-Geschäftsführer Werner Nützel. Der Bauernverband bietet den Mitgliedern Unterstützung, indem er Merkblätter über das Sozial- und Steuerrecht ausgibt oder über Tarifverträge und über die Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns informiert. Vermittelt werden vom Bauernverband keine Kräfte.

Mundpropaganda

"Am besten ist es, wenn sich der Arbeitsplatz herumspricht", erklärt Franzi. Damit ist gute Arbeit, gute Bezahlung und die Unterkunft gemeint. Bei den Friedrichs gehören die fleißigen Helfer schon längst zur Familie und leben hier "all inclusive". "Sie bekommen fünf Mahlzeiten. Frühstück, eine Vesper, Mittagessen, Kaffee und Kuchen und das Abendessen", erzählt Sonja Friedrich, die ihre Saisonhelfern bekocht und versorgt. Deutsch sprechen sie kaum, die Verständigung aber klappt. Vor allem wissen die Erntehelfer, wie im Betrieb gearbeitet wird, sie kennen die Maschinen und die Felder. Doch es gibt Konkurrenz, was vor allem den Landwirten Sorge bereitet. Die Saisonarbeiter in anderen Ländern wie in Spanien. Leute aus Nigeria, die zu Niedrigstlöhnen unter schlechten Bedingungen arbeiten, machen die deutsche Ware am Markt teurer. Und die Friedrichs sehen es in der Zukunft problematisch, gute arbeitswillige Saisonkräfte zu finden, wenn die jetzige Generation nicht mehr arbeitet. "Viele von den Jüngeren studieren und versuchen auch vor Ort in ihren Heimatländern besser bezahlte Jobs zu bekommen", erklärt Franzi Merkel. Aber es gebe auch die Konkurrenz mit anderen Berufen, weiß BBV-Mann Nützel. "Auch in der Gastronomie und im Baubereich sind tüchtige Helfer gesucht. Die Helfer suchen sich die Arbeiten aus", erklärt Nützel.