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Gößweinstein
Kinderbetreuung

Kreis Forchheim: 18 Kinder sind zu viel angemeldet - wohin mit den Kleinen?

In der Marktgemeinde Gößweinstein stehen 128 Kindergartenplätze zur Verfügung. Doch diese sind alle schon belegt. Die Träger der drei Kindergärten buhlen um die zusätzlichen Kleinen und wollen ihre Einrichtungen erweitern.
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Letztes Jahr segnete der ehemalige Gößweinsteiner Pfarrer Pater Flavian Michali eine neue Mikado-Kletterwand im Garten des Kindergartens St. Franziskus. Hier sind für das kommende Kindergartenjahr nun 18 Kinder zu viel angemeldet. Foto: Thomas Weichert/Archiv
Letztes Jahr segnete der ehemalige Gößweinsteiner Pfarrer Pater Flavian Michali eine neue Mikado-Kletterwand im Garten des Kindergartens St. Franziskus. Hier sind für das kommende Kindergartenjahr nun 18 Kinder zu viel angemeldet. Foto: Thomas Weichert/Archiv

In den drei Kindertagesstätten St. Franziskus und Stempferhof in Gößweinstein und St. Erhard in Wichsenstein stehen im Markt Gößweinstein insgesamt 128 Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren zur Verfügung. Alle drei Einrichtungen sind voll belegt und für das kommende Kindergartenjahr schon überbelegt. Denn im katholischen Kindergarten St. Franziskus wurden 18 Kinder mehr angemeldet als der Hort eigentlich aufnehmen kann.

Wäre nicht Corona, wäre dies kein großes Problem. Denn dann hätte man im Turnraum eine Notgruppe als Übergangslösung einrichten können. Das geht aber nicht, weil Abstandsregeln eingehalten werden müssen, Gruppen geteilt werden sollen. Dazu ist der Turnraum zu klein. Da die Gemeinde Gößweinstein gesetzlich verpflichtet ist, ausreichend Kindergartenplätze bereitzustellen, musste sich nun der Marktgemeinderat mit dem Thema beschäftigen.

Von der Situation überrascht

Wie Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) erklärte, sei er von der Situation überrascht worden. Rechtlich habe man aber momentan keinen Druck, nur moralisch. Denn für die Unterbringung der 18 Kinder gibt es Alternativen für eine Übergangslösung. Notfalls müssen eben Kinder aus Gößweinstein nach Wichsenstein gefahren oder im anderen Kindergarten aufgenommen werden. Eine finale Entscheidung müsse der Gemeinderat bis Ende des Jahres für die Zukunft treffen.

Im Vorfeld der Sitzung im katholischen Pfarrheim hat der Kampf um die Kinder zwischen den drei Trägern - der katholischen Kirchenstiftung, dem Johannischen Sozialwerk und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) - aber schon begonnen. Denn alle drei Einrichtungen haben einen Antrag beim Landratsamt Forchheim auf Erweiterung gestellt.

Dem ASB-Kindergarten in Wichsenstein wurde diese Aufstockung genehmigt. Dort könnte auf die Schnelle der große Mehrzweckraum als Kindergartengruppe genutzt werden. Die Kosten für das Mobiliar würden etwa 15.000 betragen. Der Nachteil: Weil die Wichsensteiner kein Wirtshaus mehr haben, hätten sie dann auch keinen Gemeinschaftsraum mehr. Bliebe nur noch das Sportheim des FC Wichsenstein als Treffpunkt für die Bürger.

Dem Kindergarten Stempferhof stellte das Landratsamt eine Erweiterung in Aussicht. Im ersten Obergeschoss des Horts könnte eine weitere Gruppe einziehen. Kosten auch hier für neue Möbel rund 15.000 Euro. Dazu hat das Johannische Sozialwerk schon einen Antrag auf Nutzungsänderung für die dort bestehende Wohnung gestellt, der bei der Bauausschusssitzung am 6. August behandelt wird.

Container zu teuer

In den Garten des Kindergartens St. Franziskus könnte als Übergangslösung ein Container gestellt werden. Die Miete würde aber jährlich 120.000 Euro kosten. Dies scheidet aber aus, weil zu teuer. Eine weitere Möglichkeit, die während der Sitzung bekannt wurde, wäre der Umbau des Jugendraums im benachbarten Pfarrzentrum. Ein entsprechender Antrag auf Nutzungsänderung dafür ist laut Marktrat Georg Lang (CSU), der auch Kirchenpfleger ist, bereits fertig, nur noch nicht unterschrieben.

Alle drei Träger haben inzwischen auch einen Antrag auf Bedarfsanerkennung von befristeten 18 Kindergartenplätzen gestellt. "Wir sind in einer Wettbewerbssituation", stellte Bürgermeister Zimmermann dazu fest.

Außerdem will das Johannische Sozialwerk ein komplett neues und größeres Kindergartengebäude in der Badangerstraße bauen. Ein erster Entwurf für den Förderantrag und Baupläne liegen dem Bauamt bereits vor.

"Hildesheimer Bevölkerungsmodell"

Weil man davon ausgeht, dass im kommenden Jahr zu wenig Kindergartenplätze zur Verfügung stehen werden, wurde Zimmermann schon aktiv. Der Markt Gößweinstein wurde Pilotkommune für die Erstellung eines Prognosemodells nach dem "Hildesheimer Bevölkerungsmodell". Während einer weiteren Besprechung der Kindergartenleiterinnen am 29. Januar wurde bekannt, dass für 20 Kinder eine Anmeldung im Franziskus-Kindergarten vorliegt, obwohl keine Plätze dafür vorhanden sind. Von den Leiterinnen der beiden anderen Horte wurde diese Vorgehensweise kritisiert, weil sie bewusst keine Anmeldewoche im Januar vorgenommen hatten, da auch in diesen Einrichtungen schon alle Plätze zum 1. September 2020 belegt waren.

Während der Ratssitzung war nun guter Rat teuer. Hans Heckel (CSU) stellte den Antrag, Irmgard Redel, die Leiterin von St. Franziskus, zu hören, die als Zuhörerin anwesend war. Dies sah Marktgeschäftsleiter Peter Thiem kritisch, da man drei Einrichtungen habe. Sein Chef Zimmermann gab ihm recht: "Es müssen alle die gleiche Chance bekommen."

CSU/JUF-Fraktionschef Maximilian Sebald schlug dann vor, dass Vertreter aller drei Kindergärten bei der nächsten Sitzung Rederecht bekommen sollen. Damit konnten sich sowohl Zimmermann als auch Heckel anfreunden.

Carola Keller (FW) könnte sich auch einen Waldkindergarten für Gößweinstein vorstellen. Dann müsste man nirgendwo erweitern. Im Gespräch ist außerdem ein kompletter Neubau des katholischen Kindergartens.