Bislang hatten die Stadt- und Kreisräte die Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt als konkurrierende Häuser wahrgenommen. Diese Sichtweise gehört seit Montag endgültig der Vergangenheit an. Mit einem einstimmigen Beschluss beendete der Kreistag das jahrelange Gerangel um die Frage, ob die Kliniken zusammenarbeiten müssten und ob sie es überhaupt könnten.

Mit Hilfe der Beratungsfirma Oberender und einer politisch besetzten Steuerungsgruppe war die Fusion der Klinik Fränkische Schweiz und des Klinikums Forchheim vorbereitet worden. Jan Hacker (von der Firma Oberender) rief den Kreisräten nochmal den Sinn der Fusion in Erinnerung: Die beiden Häuser könnten sich fortan "die Bälle zuspielen und das Leistungsspektrum erweitern".


Landrat Ulm "heilfroh"

Landrat Hermann Ulm (CSU) zeigte sich "heilfroh, dass die Leitplanken gesetzt sind". Entlang dieser Leitplanken müssen nun die weiteren Fusionsgespräche geführt werden. Erleichtert werden diese Gespräche seit Montag dadurch, "dass es jetzt nicht mehr notwendig ist, irgendetwas offen zu halten", wie Edwin Dippacher (CSU) sagte. Ein "vernünftiges Ergebnis auf Augenhöhe" nannte Wolfgang Fees (SPD) die Fusion auch deshalb, weil mit dem "Abschied von der Zeitarbeit" ein "wichtiges Element erfüllt" sei.

Zwar gab es keine Gegenstimmen, doch blieben einige kritische Anmerkungen nicht aus. Matthias Striebich (Grüne) sah die Fusion "auch mit einem weinenden Auge". Man dürfe nicht vergessen, dass die Fusion einer auf Wettbewerb ausgelegten Gesundheitspolitik auf Bundesebene geschuldet sei. Im Rahmen dieses Wettbewerbs sei die Fusion unumgänglich. Aber, so warnte der Grüne-Kreisrat: "Die Fusion ist auch Zeichen des Rückzugs aus der Fläche." Die flächendeckende medizinische Versorgung sei eine große Errungenschaft des 20. Jahrhunderts gewesen. "Ein Stück weit wird diese Errungenschaft jetzt zunichte gemacht", sagte Striebich.

Einen kritischen Blick auf die Fusion wagte auch nochmal Karl Waldmann. Wobei der Fraktionsvorsitzende der Grünen seine Kritik in drei Wünsche verpackte. Erstens wünschte er sich, dass der Stand der Verhandlungen "nicht immer wieder hinter bereits beschlossene Eckpunkte zurückfallen" sollte. So sei beispielsweise die Zahl der Mitglieder im neuen Aufsichtsrat der beiden Kliniken bereits festgelegt worden (auf sechs Aufsichtsräte pro Haus) - nun werde die Zahl der Aufsichtsräte wieder in Frage gestellt.

Zweitens: Der Landkreis sollte weiterhin mit der Firma Oberender zusammenarbeiten und die gemachten guten Erfahrungen nutzen. Waldmann bedauerte, dass der Name "Oberender" bei den weitern Planungen nicht vermerkt sei. Und drittens wünschte sich der Grüne Kreisrat "konkretere Aussagen" über die künftigen Arbeitsverträge. "Ich erwarte ein klares Bekenntnis zur gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit."


Gesprächszeiten unbegrenzt

Zum Thema gerechte Bezahlung sagte Landrat Ulm: Mit der beschlossenen Auflösung der Zeitarbeit-GmbH sei die Rückkehr zur tariflich bezahlten Arbeit für alle zwingend verbunden. Und zum Thema "Oberender" erklärte gestern Holger Strehl (Pressesprecher im Landratsamt): Die Leistungen für die unterschiedlichsten Aufgaben auf den Gebieten des Gesellschaftsrechts, des Steuer- und des Krankenhaus-Rechts müssten nun neu ausgeschrieben werden. Natürlich sei eine künftige weitere Zusammenarbeit mit der Firma Oberender möglich.

Offen blieben am Montag nicht nur "wesentliche wirtschaftliche Aspekte der Fusion", die laut Beschluss noch aufgearbeitet werden müssten; offen blieb auch, in welchem Zeitraum die Fusionsgespräche geführt werden müssen. Sie sollten "schnell vorangetrieben werden", so der Beschluss-Text. "Aber was heißt das", fragte Franz Noffke (REP). Die konkreteste Antwort hatte ihm bereits Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) im Stadtrat gegeben: "Ich lasse mich da auf keinen Zeitrahmen festlegen. Die Gespräche dauern, solange sie dauern."