Viel wurde in Forchheim und weit über die Landkreisgrenzen hinaus über das neue Kunstwerk am Kersbacher Kreisverkehr diskutiert: Verschwendung von Steuergeldern, eine Gefahr für die Straßensicherheit, Umweltfrevel. Seit einer Woche ist das Kunstwerk nun offiziell eröffnet.

Gestaltet hat das Modell der Forchheimer Kulturpreisträger von 2011, Harald Winter. "Das Umland von Forchheim ist mehr, als die Summe seiner Sehenswürdigkeiten", sagte Winter bei der ersten Präsentation des Modells im Januar. Das Kunstwerk auf dem Kreisel soll ein Denkmal sein "mit der Aufforderung, zu denken."

Denn für Verkehrsteilnehmer ist zunächst immer nur ein Teil des Zitats lesbar. "Dieser Teil ist während der Anfahrt in wenigen Sekunden zu erfassen", sagte Winter. Das eröffne Passanten zugleich die Möglichkeit, über eine Vervollständigung des Satzes nachzudenken.

Auf der Facebookseite des Fränkischen Tags Forchheim wird hitzig über das Kunstwerk debattiert. Hans B. schreibt beispielsweise: "Größter Käse! Können ohnehin nur wenige den Kreisverkehr richtig bedienen. Lenkt auch bestimmt kaum ab. Hätte so viele andere sinnvolle Möglichkeiten gegeben Geld los zu werden. Kinderspielplatz, etc."

Monika L. denkt an die Umwelt: "Schaut furchtbar aus. Grünzeug und Blumen wären tausendmal schöner."

Soenke M. sagt: "Sinnloser Unfallmagnet. Wie kann man in einem Kreisverkehr einen Text aufstellen, der jeden vom Straßenverkehr ablenkt."

Forchheimer Kunstwerke, die provozieren

Das Kunstwerk auf dem Kreisverkehr ist nicht das erste, das in Forchheim heiße Debatten entfacht hat. Wohl jedem Forchheimer bekannt ist die 7,5 Meter hohe, bunte Skulptur "Talking to the sky" des belgischen Künstlers Arne Quinze, die in der Klosterstraße vor der Sparkasse steht.

Im Jahr 2016 war diese Plastik ein Geschenk der Sparkasse anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens an die Stadt Forchheim. Die Stadträte durften bei der Auswahl des Künstlers sogar mitreden: Der Stadtrat stimmte mit großer Mehrheit für den belgischen Künstler.

Ebenso umstritten ist der Zeitbrunnen von Harald Winter auf dem Forchheimer Bahnhofsvorplatz, der im Jahr 2003 eingeweiht wurde. Grund so mancher hämischer Kommentare ist weniger das Kunstwerk an sich, sondern vielmehr die Technik des Brunnens, die immer wieder versagt.

Der Zeitbrunnen war ein Geschenk des Heimatvereins, der dafür von vielen Sponsoren unterstützt wurde. Die Kosten für den Zeitbrunnen wurden mit 110 000 Euro beziffert. Investieren musste die Stadt Forchheim nun aber in die Reparatur des Brunnens.

Kreiselkunst: Die Fakten

Kunst Ein Zitat des Schriftstellers Ludwig Tieck rankt sich um den Kreisel. Er wirkte zur Zeit der deutschen Romantik - und die ist eng verbunden mit der Fränkischen Schweiz.

Kosten Rund 78 000 Euro kostet die Installation des Kunstwerkes. 50 Prozent Förderung kommen vom "Leader"-Förderprogramm der EU, die restlichen 40 000 Euro zahlt der Landkreis.

Sicherheit Die Verkehrssicherheit wurde von mehreren Behörden geprüft, etwa vom Staatlichen Bauamt.