Engelstrompeten sind wunderschöne Kübelpflanzen. Sie haben nur den Nachteil, giftig zu sein und gefährliche berauschende Zustände hervorrufen zu können. Ein Absud aus ihren Blättern war der Gegenstand eines Strafverfahrens. Genauer: Vater und Sohn aus dem südlichen Landkreis wurde vorgeworfen, einem Dritten einen Engelstrompetentee verabreicht zu haben.

Das Verfahren wurde gegen beide eingestellt, weil die Angaben des Opfers recht eigenartig waren und deutlich von den Schilderungen der anderen anwesenden Familienmitglieder und Bekannten abwichen. Am wenigsten nachvollziehbar erschien selbst dem Staatsanwalt, dass das Opfer in einem Gespräch nach der Anzeige wegen Giftbeibringung gegenüber der Ehefrau des älteren Angeklagten als Grund für die Anzeige eine mögliche Belastung mit den Kosten des Krankenhausaufenthalts ins Feld geführt hatte.


Eine Nacht auf Intensivstation

Dass das Opfer per Sanitätswagen ins Krankenhaus gebracht werden musste und wegen der Giftwirkungen eine Nacht intensivmedizinisch behandelt wurde, war so ziemlich das einzig absolut Klare am Geschehen.
Begonnen hatte alles am Nachmittag vor einem interessanten Fußballspiel. In der Nordostbahn trafen der nun angeklagte Sohn, sein Freund und das Opfer zusammen und gingen vom Bahnhof durch den Ort zum Wohnhaus. Auf diesem Weg soll der jüngere Angeklagte, so die Version des Opfers, oder das Opfer selber "die Engelstrompeten gepflückt" haben, als wüchsen die einfach so am Wegrand.

Im Anwesen des Angeklagten wollte dann - in der Version des Opfers - der Sohn ihm eine Tasse aufdrängen, in der des Angeklagten verlangte das Opfer danach. Jedenfalls bekam die Hausfrau davon etwas mit und schüttete die schon am Tisch stehende Tasse des Absuds weg. "Der Sohnemann hat irgendwas aus einem Grundstück gepflückt, dann was zusammengebraut, gemixt, was auch immer", beschrieb es das Opfer. Erst im Krankenhaus will er von einem Pfleger über die Wirkung der Pflanze erfahren haben. Die Mutter hingegen hat ihren Angaben zufolge reagiert, weil eben über die halluzinatorische Wirkung geredet worden war.

Nach Spielende wurde nochmals eine Tasse gebraut und auf den Tisch gestellt. Aufgedrängt oder auf Wunsch, da gingen die Aussagen wieder auseinander. Jedenfalls sagte das Opfer über sich: "Ich sehe mich als Geschädigter."


Vater bekam nichts mit

Da kam gerade der mitangeklagte Vater nach Hause, begrüßte kurz die Anwesenden und ging zu Bett, weil er beim Fußballschauen in der Kneipe einiges gebechert hatte. Von dem Tee oder einem Reden über Engelstrompeten hatte er überhaupt nichts mitbekommen.