Eine Hohenpölzerin forscht gegen den Hunger in der Welt. Für ihre bisherigen Forschungsprojekte erhielt Michaela Dippold im April den Nachwuchswissenschaftlerpreis der "Biogeowissenschaften der Europäischen Geowissenschaftlichen Union" (EGU) in Wien. Außerdem wurde sie im März für ihre Nachhaltigkeitsforschung mit der Rober- Bosch-Juniorprofessur ausgezeichnet, die mit einer Million Euro dotiert ist, der Förderung von Projekten zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen dient und zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen soll. Im Mai trat die 34-jährige Oberfränkin ihre Juniorprofessur an, die sie für ihr Projekt zur Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Nutzpflanzen im subsaharen Afrika erhalten hat.
Michaela Dippold ist in einer Landwirtschaft in Hohenpölz, einem Ortsteil der Marktgemeinde Heiligenstadt, aufgewachsen. "Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich gerne draußen forsche und mir das Thema Nachhaltigkeit so wichtig ist", meint die Wissenschaftlerin.

Sie fand Chemie schon immer interessant, aber auch Ökologie. Deshalb studierte Michaela Dippold nach ihrem Abitur, das sie mit dem Notendurchschnitt von 1,0 ablegte, Geoökologie und Biochemie an der Universität in Bayreuth. Im Januar 2014 bestand sie ihre Dissertation mit einem "summa cum laude", der höchsten Auszeichnung also. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department für Nutzpflanzenwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen.


"Die Trockenheit wird zunehmen"

Bereits während des Studiums nahm sie an einer Exkursion nach Äthiopien teil. "Mich hat Afrika einfach fasziniert. Es ist unglaublich, welche positive Lebensphilosophie die Menschen dort haben, obwohl sie ja nichts haben", erzählt Michaela Dippold begeistert. Auch seien die Menschen sehr dankbar, wenn sie merken, dass man an ihren Problemen arbeitet.

Deshalb will die Juniorprofessorin in den kommenden Jahren erforschen, wie sich die Wasser- und Nährstoffaufnahme von Nutzpflanzen verbessern lässt, sodass die Landwirtschaft auch auf nährstoffarmen Böden stabile Erträge erzielen kann. "Die Trockenheit wird zunehmen, auch bei uns. Nur wird es hier nicht so gravierende Folgen geben wie in Afrika", erklärt die Wissenschaftlerin. Wegen der zunehmenden Trockenheit und des starken Bevölkerungswachstums werde sich in den kommenden Jahrzehnten die Nahrungsmittelknappheit auf dem afrikanischen Kontinent verstärken, da die Ernteerträge bei Nutzpflanzen stagnieren. Bisher gelingt es nicht, Hochertragssorten anzupflanzen, die bei uns für eine ertragreiche Ernte sorgen.

Dippold untersucht nun, wie sich alte Pflanzensorten an die Wasser- und Nährstoffknappheit des afrikanischen Bodens angepasst haben. Dabei sind für sie die unterirdischen Merkmale sehr interessant. Die Forschungsergebnisse können dann Nutzpflanzenzüchter als Basis für eine neue Generation von Hochertragssorten verwenden.


Alte Sorten gesucht

"Bisher hat man immer auf den Ertrag geschaut und die Wurzeleigenschaften außer Acht gelassen. Das hat sich in den letzten zehn bis 20 Jahren allerdings geändert", erklärt Michaela Dippold. Ihr Projekt ist in drei Hauptphasen gegliedert: Erst werden in einem ersten Selektionsprozess besonders widerstandsfähige, alte Pflanzensorten identifiziert.

Anhand der vielversprechendsten dieser Sorten sollen dann die bedeutendsten Anpassungsstrategien in der zweiten Projektphase ermittelt werden. In einer dritten Phase soll sich zeigen, ob die identifizierten Eigenschaften nicht nur unter Labor-, sondern auch unter Feldbedingungen ertragsstabilisierend wirken.
Deshalb fliegt Michaela Dippold im Herbst in den Sudan, nach Äthiopien und Kenia, um sich mit den Kooperationspartnern zu treffen, die Felder für die dritte Phase anzuschauen und die Experimente zu besprechen. "Da komme ich dann mit einer Tonne Boden heim, um damit Laborexperimente durchführen zu können", erzählt die Juniorprofessorin.