Auch heute noch, 30 Jahre nach dem ersten Folkloretreffen, an dem Elke Lauer mit dem Spielmannszug Jahn Forchheim im finnischen Teuva teilgenommen hat, erinnert sich die heute 42-Jährige an jede Einzelheit. "Ich spielte damals Querflöte und war begeistert, dass meine Eltern mich zum ersten Mal alleine wegfahren ließen."

Das Treffen fand vom 28. Juli bis 6. August statt. Selbst an den Preis kann sich die Kauernhofenerin noch genau erinnern. 500 Mark kostete die Teilnahme. "Viel Geld für meine Eltern", zeigt sich Elke Lauer dankbar. Noch heute hat sie ein Foto, das sie und ihre Cousine mit den beiden Mädchen der damaligen Gastgeber in Finnland zeigt.


Nur noch die alte Garde

Dieses Folklore-Treffen mit Gruppen aus Finnland, Schweden, Deutschland und Sardinien richtete der Verein "Kiepsu" (der Name eines Volkstanzes) alle zehn Jahre aus. Doch heuer musste es ausfallen.
"Mangels Masse", erklärt Franz Mainusch, der 1985 ebenfalls dabei war und keines der bisherigen Treffen verpasst hat. "Die haben die gleichen Probleme wie wir. Die Jugendlichen haben irgendwann andere Interessen und es gibt nicht genügend Nachwuchs. Beim letzten Treffen in Forchheim mit den Gästen aus Finnland kam nur noch die alte Garde."

1985 war das noch anders. "Da strömten die Zuschauer in Massen zu den zahlreichen Auftritten der Gruppen in der westfinnischen Kleinstadt", erinnert sich Elke Lauer, die wie alle anderen bei finnischen Gasteltern untergebracht war. "Bei der Familie, bei der ich wohnte, gab es zwei Mädchen, Zwillinge", erinnert sich Elke. Die Mädels waren damals zwölf. Sie gehörten nicht zur Brauchtums-Szene, nahmen aber bereitwillig Gäste auf.

"Die haben uns alle Sehenswürdigkeiten gezeigt, die es in dem 5500 Einwohner zählenden Städtchen gab. Das begann mit den finnischen Rauchsaunen, in denen die Besucher mit Badeanzügen sitzen, über den Parra-Berg mit seinen Steinfeldern bis zum Sondermuseum fürs Radeln - genannt "Pyörätalli", zu deutsch Fahrradstall.


Elche mitten in der Nacht

Und weil die Region sehr von der Landwirtschaft geprägt ist, fuhren die Finnen mit ihren Gästen auf einen Bauernhof. "Da hab' ich versucht, eine Kuh zu melken", lacht Franz Mainusch. "Meine Gasteltern haben mich ins Auto gepackt und sind mitten in der Nacht - es war gegen 2 Uhr morgens - in den Wald gefahren, um mir die Elche zu zeigen", weiß Elke Lauer. Tatsächlich habe es nicht lange gedauert und die Mega-Hirsche mit den riesigen Geweihen spazierten vor dem Auto herum.


Kontakte nie abgerissen

Bleibende Eindrücke für Elke und natürlich für viele andere Musiker aus dem Spielmannszug. Seither ist der Kontakt nie abgerissen. "Wir haben uns immer wieder geschrieben und gegenseitig eingeladen. Anfangs waren das Briefe, denn das Internet gab es ja noch nicht", erzählt Elke Lauer. "Dann haben wir gemailt und jetzt sind Maria, mit der ich den engsten Kontakt habe, und ich in einer Whatsapp-Gruppe."

Abgesehen von den Treffen auf Vereinsebene haben sich die Musiker des Spielmannszuges Jahn und der Volkstanzgruppe Kiepsu immer wieder gegenseitig eingeladen. "Einmal haben wir mit unseren Familien sogar den Urlaub zusammen verbracht", berichtet Elke Lauer. 2009 hat sie mit ihrem Ehemann und den beiden Söhnen ihre Freundin, die gut deutsch spricht, in Finnland besucht. "Die wohnt jetzt in Naantali, 15 Kilometer von Turku entfernt am Schärenmeer der Ostsee. Als Lehrerin fand sie keine Anstellung im 270 Kilometer weiter nördlich gelegenen Teuva."

Auch Franz Mainusch hat die Kontakte zu den finnischen Gastgebern über Jahrzehnte hinweg gepflegt. "Noch heute schicken wir ihnen an Weihnachten ein Päckchen und alle paar Jahre besuchen wir uns." Die Unterhaltung findet auf englisch statt. Aber ein Wort hätten die finnischen Freunde, als sie hier waren, ganz schnell gelernt: "Jägermeister!"