Nach dem Besuch im Forchheimer Kulturausschuss sei er "geschockt" gewesen durch "so wenig visionäres Mitdenken", sagt Jan Burdinski. "Man spürte die Ängste und den fehlenden kulturellen Mut. Das hat mich enttäuscht."
Wie berichtet, waren die Stadträte dem Intendanten des Fränkischen Theatersommers vergangene Woche nicht gerade mit offenen Armen begegnet. Der Traum der oberfränkischen Landesbühne, von Hollfeld nach Forchheim umzusiedeln, scheint an der mangelnden Bereitschaft zu scheitern, die erhofften Finanzmittel bereit zu stellen.
CSU-Fraktionssprecher Udo Schönfelder meinte am Anfang der Woche, die Situation zwischen der Hollfelder Bühne und der Stadt sei "sehr irritierend". Er habe den Eindruck, dass sich der Fränkische Theatersommer nun andernorts umsehe. Das Thema Bau einer Theaterscheune in Forchheim sei wohl "vom Tisch".


Existenzieller Schritt

Doch Jan Burdinski hat die Hoffnung, künftig in Forchheim aufzutreten, trotz der Enttäuschung vom Donnerstag nicht begraben. "Lieber streite ich am Anfang", sagt der Intendant. Er persönlich könne aber über "diesen existenziellen Schritt der Umsiedlung" nicht entscheiden; das werde der Vorstand tun. Neben internen Beratungen hat Jan Burdinski Gespräche mit dem Jungen Theater Forchheim (JTF) angekündigt. Er ist weiterhin von der Möglichkeit "wunderbarer Synergien" überzeugt - und räumt auch einen Fehler ein: "Wir haben in einer Einbahnstraße kommuniziert. Wir hätten im Vorfeld einen breiteren Diskurs mit dem Jungen Theater führen müssen."
Würde es bei einer "schreienden Ablehnung" des JTF bleiben, wäre das verwunderlich, meint Jan Burdinski: "Denn die Stadt verträgt ein zweites Theater."
Dieser Aussage will Lorenz Deutsch, der Künstlerische Leiter des JTF gar nicht grundsätzlich widersprechen: "Das Problem ist nicht, dass wir uns gegenseitig das Publikum wegnehmen, sondern dass der Fortbestand des Jungen Theaters nachhaltig gesichert sein muss." Unter den aktuellen Umständen sehe er keine Voraussetzungen für ein zweites Theater. "Davon abgesehen, dass sich Synergien ergeben müssen, die kann man nicht einfach so einplanen." Lorenz Deutsch betont, dass sich das JTF nicht "scheuklappenartig" einer neuen Entwicklung verweigere. "Aber die Ansiedlung des Fränkischen Theatersommers mit einem eigenen Haus, das wäre Bestandteil des viel zitierten Kulturentwicklungsplanes. Ob Forchheim ein zweites Theater braucht, das müssen freie Träger und Politiker unter Beteiligung der Bürger entscheiden."
Dass sich die Theaterleute aus Hollfeld solange gedulden werden, ist wenig wahrscheinlich. Der Intendant braucht "bis September Klarheit", um die Förderrichtlinien für den Theaterscheunen-Bau zu erfüllen. "Wenn wir spüren, dass wir da zu dicke Bretter bohren müssen, dann müssen wir umdenken", sagt Jan Burdinski.
"Das wird spannend", sagte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) gestern: "In dieser Geschichte ist noch viel Konjunktiv dabei." Beispielsweise könne der Finanzausschuss in seiner Mai-Sitzung noch gar nichts entscheiden, weil der Kulturausschuss am Donnerstag keinen Beschluss zur Finanzierung des Fränkischen Theatersommers gefasst habe.


Von Heftigkeit überrascht

Von "der Heftigkeit" im Kulturausschuss sei er überrascht gewesen, sagt Uwe Kirschstein (SPD): "Ich dachte, das Thema sei vorgeklärt." CSU-Rat Schönfelder dagegen sagt: "Die Sichtweisen der Fraktionen wurden den Theaterleuten im Vorfeld nicht angedeutet. Das Thema wurde falsch aufs Gleis gesetzt."
Kirschstein wünscht sich jetzt, "das wir im Dialog bleiben, weil ich den Fränkischen Theatersommer für eine gute Ergänzung der Kulturlandschaft in Forchheim halte." Eine Konkurrenz zum JTF sehe er nicht: "Der Fränkische Theatersommer hat ein ganz anders gelagertes Angebot." Entscheidend sei die Frage der Finanzierung:"Ob etwa aus der Bürgschaft für die Theaterscheune ein Zuschuss werden kann - da stehen die Signale nicht auf Grün."