In der Pfarrei Weißenohe-Gräfenberg muss künftig nicht immer ein Pfarrer nach der Überführung eines Verstorbenen ins Leichenhaus die Gebete sprechen. Aber ein Muss war das ja ohnehin nie. Eher ein Brauch, der in Weißenohe früher allerdings zu 100 Prozent umgesetzt worden ist.
Doch damals zählten zur katholischen Pfarrei auch nur etwa 20 Ortschaften. Heute, nach der Zusammenlegung mit der Pfarrei Stöckach-Forth und Eckenhaid, wollen Gläubige aus 50 Orten seelsorgerisch betreut werden. Anlässe dazu gibt es mehr als genug. Krisen. Geburten. Und eben Todesfälle.
"Es muss nicht alles der Pfarrer machen", sagt der Weißenoher Pfarrer Andreas Hornung. In seinem überfüllten Terminkalender ist oft nicht mal Platz für das 15-minütige Gebet.
Die Seelsorgegemeinde ist einfach zu groß.

Laien als Begleiter

Auch in anderen Gemeinden des Landkreises und der Erzdiözese Bamberg kommt es - teilweise auf Grund der Zusammenlegung mehrerer Pfarreien - dazu, dass Bestattungsinstitute oder auch Laien die Toten ins Leichenschauhaus begleiten. Diese Entwicklung kann Lothar Haller vom gleichnamigen Bestattungsinstitut in Weißenohe bestätigen.
Seit vielen Jahren schon betet er mit den hinterbliebenen Angehörigen für die Verstorbenen. "Wir beten dann das 'Vater unser', lesen eine Bibelstelle vor, beten anschließend das Glaubensbekenntnis und das 'Gegrüßet seist du Maria'. Bei den Katholiken haben wir noch das Weihwasser dabei", erzählt Lothar Haller von diesen Momenten in der Leichenhalle. Die Bestattungsinstitute haben sich auf diesen Trend längst eingestellt. Bei dem Transport des Sarges im Auto ist ohnehin kein Pfarrer dabei und auch noch nie dabei gewesen. Es geht hier nur um die Gebete und Abschiedsworte am Sarg im Leichenhaus.
Diese Gebete muss künftig nicht mehr ausschließlich der Pfarrer sprechen. In anderen Gemeinden war das schon länger üblich, wie der Bestatter Haller bestätigt, der selbst schon diese Gebete in der Leichenhalle gesprochen hat.

"Wenn wir zu einer Hausabholung gerufen werden, betten wir den Toten in den Sarg, lassen die Angehörigen in Ruhe Abschied nehmen, beten dann am Sarg ein Gebet, bevor er verschlossen und nach außen ins Leichenauto gebracht wird", sagt Bestatter Haller.
Manchmal erzählen die Angehörigen noch etwas über den Verstorbenen, was er dann später in seine Rede passend einbaut. Dennoch ist es Haller grundsätzlich lieber, wenn ein Pfarrer bei der Überführung dabei ist. "Gerade wenn Kinder sterben, muss man noch sensibler mit der Situation umgehen", sagt Lothar Haller. Dann sei es besonders schwer, die richtigen Worte zu finden.
Für die ländlichen Ortschaften in der Fränkischen Schweiz reklamiert die evangelische Pfarrerin Susanne Parche, dass diese Entwicklung nicht festzustellen ist. "Die Begleitung der Angehörigen bei der Überführung und Bestattung hat für uns oberste Priorität", sagt die Seelsorgerin in Muggendorf. Bis zu drei Mal sei sie bei einem Todesfall vor Ort bei den Angehörigen. "Wenn wir in solchen Fällen gerufen werden, geht das vor allem", betont ihre Kollegin Elisabeth Düfel von St. Johannis in Forchheim.

Kein kompletter Rückzug

In Weißenohe möchte Pfarrer Hornung die Begleitung der Toten im Leichenhaus an Laien übertragen und sie auch anleiten, Gebete oder Lesungen auszuwählen. Das heißt jedoch nicht, dass sich der Pfarrer komplett zurückzieht und künftig ohne Seelsorger gestorben werden muss. Dem widerspricht Hornung heftig. "Es gibt einen Kreis von Leuten, die um Begleitung in der Sterbesituation bitten", sagt er.
In der Regel begleiten die engsten Angehörigen die Sterbenden auf deren letzten Weg und zünden beispielsweise eine Kerze an, was viele Sterbende als beruhigend empfinden. "Wichtiger ist es den Angehörigen, dass sie nach dem Tod ihres Familienmitglieds mit jemanden sprechen können", glaubt Hornung.

Immer erreichbar

Wer mit Hornung reden möchte, kann ihn immer auf seinem Handy erreichen. Und im Zweifelsfall eine Nachricht auf seiner Mailbox hinterlassen. Hornung ruft dann zurück.
Selbst die Trauerfeier wird in manchen Pfarreien durch Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten gehalten. Hier in Weißenohe sei die Trauerfeier meist eine Eucharistiefeier, sagt Hornung. Und die bleibt nach wie vor den Pfarrern vorbehalten.