Johann Paul Friedrich Richter, der den meisten Literaturfreunden eher unter seinem späteren Namen Jean Paul bekannt sein dürfte, war, wen wundert es, auch in der Fränkischen Schweiz. Dort haben viele Schriftsteller vor und nach ihm ein intellektuell belebendes Fludium gefunden.
Das Besondere bei Jean Pauls Reisen in der Fränkischen Schweiz war aber etwas anderes: Ihm ging es nur um die Liebe. "Vergiss vor Streitberg unseren Rosenhof und die Rosensonne nicht; sie blühen vielleicht dieses Jahr und Du kommst wohl morgen Abend hin", sagte Hermine, seine Geliebte mit leiser, wankender Stimme im Buch "Palingenesien" zum Abschied. Sie erinnerte damit an den gemeinsamen Besuch Streitbergs ein Jahr vorher. Auf einer Anhöhe dort betrachteten beide einen glutroten Sonnenuntergang.
Zur Erinnerung daran steckte Jean Paul Rosensamen im Kreis um ihren Standort: innen weiße und am Rand rote Rosen, die zusammen die untergehende Sonne symbolisieren sollten.
Am Ostersonntag 1798, es war ein 3. April, ging Jean Paul mit seinem Diener Florian Stuß auf Wanderschaft, vermutlich weil er sich mit Hermine gestritten hatte. Sie war eifersüchtig auf seine Verehrerinnen, weshalb er ihr einige Briefe zu lesen gab, die sie aber noch mehr erzürnten. Über Berneck und Bayreuth kam er auf alten Postkutschenwegen in das Muggendorfer Gebürg und näherte sich seinem Tagesziel. Er schreibt darüber: "Es war gegen Abend, der Tag mit seinen Quellen des Scheines in Wassern und auf den Auen versiegte allmählich - das Sonnenlicht rückte von den Gipfeln auf die Bergspitzen und ergoss sich schon halb in den blosen durchsichtigen Himmel hinein. Wir gingen den dunklen Berg eiliger hinauf, um die tiefe Sonne noch auf der Küste des Streitberger Thales liegend anzutreffen."

"Mit zitterndem Herzen"


Als sie endlich die Aussicht erreichten und die himmlische Ebene mit Hügeln und Bäumen wie flatternde Zauberschlösser eines Feuerwerkes sahen, und als Jean Paul "endlich mit zitterndem Herzen" vor seine unzerstörte Rosenpflanzung kam und sie voll harter Knospen und weicher Dornen fand, "so kam mir das Leben, hell und leicht und wie eine dämmernde erfrischende, blumige Sommer-Nachmitternacht vor, und alle Thüren des zweiten lichten Morgen standen schon offen".
Sein Diener holte ihn aus den Träumen zurück und übergab ihm einen Brief von Hermine. In diesem bat seine Geliebte um Vergebung: "Jetzt da ich nichts mehr für deine Reise, mein Lieber, zu bestellen habe, mach' ich noch ganz zuletzt diesen Brief für dich zurecht, den du aber erst am Montagabend neben unsern Rosen überkömmst. Es ist mir, als wärest du jetzt schon ferner, bloß weil ich schreibe, und es fället mir auch schmerzlich, daß ich die Feder nehme, da ich ja reden könnte. Aber nein, am schönen Rosenbeet unserer ewig blühenden Stunde und nach drei Tagen ist dir wohl das Blatt aus der fernen Hand willkommen. - Wie sag' ich dirs?"
Der Brief machte Jean Paul froh und glücklich und sogleich schrieb er zurück an Hermine, aber bat sie zugleich auch: "Meine Streitberger Antwort schlag' ich dem Leser ab, weil ich darin vor der edlen Hermina als ein Beichtsohn, als ein büßender Bruder und feuriger Busch zugleich stand." Am nächsten Morgen in aller Früh brach Jean Paul frohgemut auf: "Mit welcher seligen Heiligkeit - als wär's eine heilige Stätte - reise ich nun über die bambergischen Wiesen, aus denen in Herminens Traum geflügelte Blumen aufgestiegen waren" - weiter nach Erlangen, Baiersdorf und Nürnberg, dem Ziel seiner Wanderung.

Den Hecken zum Opfer gefallen


In Streitberg befand sich seit vielen Jahren gegenüber der Pilgerstube ein kleiner Brunnen. Er war von der Witterung der Jahreszeiten schon sehr zerzaust, weshalb sich der Besitzer der Kurhausbrennerei Hans Hertlein eines Tages bereit erklärte, einen neuen Brunnen zu bauen. Er wurde 1929 eingeweiht und seiner Tochter Liselotte gewidmet. Von Jean Paul wusste Hertlein, dass jener hier in Streitberg gewesen ist.
Er kannte auch die Geschichte mit der Rosensonne und deshalb ließ er zwölf rote und weiße Rosen um den Brunnen herum pflanzen und nannte die Anlage "Rosenhof". Den Liselottenbrunnen gibt es noch heute an alter Stelle zwischen Alten Kurhaus und Pilgerstube. Die Rosen allerdings sind Kopfsteinpflaster und Hecken zum Opfer gefallen.