Auf ihrer Facebook-Seite postet Emmy Karnót regelmäßig neue Bilder von ihrem Buddy. Fotos zeigen eine junge, lachende Frau am Strand mit ihren Hund sitzen. Doch der glückliche Schein trügt. Seit mehreren Monaten wartet Emmy Karnót in Manila auf ihre Ausreise, da ihrem Hund Buddy die Ausreise nach Deutschland vorerst verweigert wird.
Nach ihrer Kündigung bei einer Bank wollte sich die gebürtige Chemnitzerin erst einmal eine Auszeit nehmen, um sich über ihren weiteren beruflichen Werdegang klar zu werden. "Ich habe dann meinen alten Tauchinstruktor von den Malediven angeschrieben, ob er nicht einen Tauchjob für mich hätte. Er war gerade auf Boracay, Philippinen", erzählt die 35-Jährige. Nach kurzen Hin- und Her habe sie sich entschlossen, für ein paar Monate auf die Philippinen zu fliegen, um ihre Ausbildung zur Tauchlehrerin bei ihm fortzuführen.
"Das ganze habe ich mit der Abfindung finanziert, die ich von der Bank bekommen habe."


Hund als Geburtstagsgeschenk

Dass sie überhaupt auf Buddy traf, hat mit ihrer Geburtstagsfeier am Puka-Beach zu tun: "Ich wollte mich nur bei der Polizeiwache in Japak wegen der Möglichkeit eines Lagerfeuers am Strand erkundigen. Den Polizisten kannte ich zufällig noch von einer Weihnachtsfeier. Wir haben uns dann unterhalten und er zeigte mir zwei Hundewelpen, die unter einem ausrangiertem Polizeiauto lebten. "
Der Polizist hatte die Welpen mit Reis gefüttert, weil die Mutter zu wenig Milch hatte. "Ich spielte dann mit den beiden und als ich gehen wollte, drückte er mir Buddy in die Hand und sagte: Happy Birthday", erzählt Emmy Karnót.
Anfangs wollte sie dem Welpen ein neues Zuhause in Boracay suchen. Dann habe sie aber festgestellt, dass viele Leute hier sehr arm seien und sogar Hunde essen würden. Schließlich entschied sie sich, Buddy mit nach Deutschland zu nehmen.
Hunde seien auf den Philippinen "absolut nichts wert". Sie würden gequält, an viel zu kurzen Ketten oder in zu kleinen Käfigen gehalten oder auch gegessen. "Das hat mein Buddy nicht verdient!"
Doch die geplante Ausreise gestaltete sich schwieriger als gedacht: Da Buddy nicht aus der EU stammt, braucht der Hund vor der Ausreise nach Deutschland einen negativen Titer-Test, um Mittelmeer-Krankheiten sowie Tollwut ausschließen zu können. "Ich bin dafür extra mit seinem Blutserum ins 80 Kilometer entfernte Kalibo gefahren." Doch weder der DHL-Express, noch die philippinische Post hatten das Serum akzeptiert. "So konnte ich es nicht nach Deutschland ins Labor schicken", erklärt Emmy Karnót.


Umgehung des Bluttestes

Die 35-Jährige plante dann, mit ihrem Hund nach Deutschland zu reisen und ihn die vorgeschriebene Quarantänezeit von drei Monaten am Frankfurter Flughafen verbringen zu lassen. Doch von dem Veterinäramt Frankfurt bekam sie eine eindeutige Ansage: Wenn sie mit ihrem Hund einreise, werde er entweder am Flughafen direkt eingeschläfert oder auf ihre Kosten direkt wieder nach Manila geschickt; eine Quarantäne sei in Deutschland nicht möglich.

Aus Verzweiflung habe sie mehrere Aufrufe auf Tierschutzseiten verbreitet. "Da hat sich auch ein Deutscher mit einem Gnadenhof in Ungarn gemeldet, der mir versicherte, dass in Ungarn zwar die gleichen EU-Richtlinien gelten wie in Deutschland, aber noch nach den alten Vorschriften agiert wird." Er habe selbst erst wieder zwei Hunde von den Philippinen bekommen. "Also habe ich meinen Hausstand in Boracay aufgelöst und alles, was ich nicht dringend benötige verschenkt."

Am Flughafen angekommen, gab es jedoch Probleme mit dem einen Tag zuvor abgelaufenen Visum, so dass Emmy Karnót nicht nach Ungarn fliegen konnte. "Einen Tag später erfuhr ich über Facebook, dass der Typ in Ungarn ein Betrüger sein soll, angeblich Spendengelder veruntreute und die Hunde verwahrlosen ließ, so dass die Tiere durch Tierschützer und Polizei befreit werden mussten."

Nun blieb nur der offizielle Weg über Deutschland. Ihre Mutter und Freunde sagten finanzielle Hilfe zu. Um beim Titer-Test sicher zu gehen, ließ sie Buddy ein zweites Mal impfen. Danach musste sie 30 Tage bis zur Blutabnahme warten, bis sich die Antikörper bilden.
Da es aber auf den ganzen Philippinen kein EU-zertifiziertes Labor gibt, musste das Blutserum per Kurierdienst nach Kansas in die USA geliefert werden. Zusätzlich zu den gesundheitlichen Reiseauflagen, musste auch die dreimonatige Quarantänezeit auf den Philippinen eingehalten werden.
Mittlerweile hat die Hausenerin es schwarz auf weiß: Der Hund hat den Titer-Test bestanden. Allerdings musste Frauchen dafür 25 000 Peso (rund 500 Euro) investieren.

Freunde und Familie liehen ihr Geld, um den längeren Aufenthalt auf den Philippinen zu finanzieren. Um zu sparen, lebte die junge Frau zusammen mit ihren Hund sogar für sechs Wochen in den Slums von Manila. Weil ihrer Familie und ihren Freunden das zu gefährlich schien, vermittelten und bezahlten sie ihr eine sichere Unterkunft.
Eigentlich wollte Emmy Karnót bereits Ende März nach Deutschland zurückreisen, doch ihrem Hund zuliebe wird es Dezember werden, bis sie in Hausen ankommt.

Dabei sind Hund und Frauchen auf Spenden angewiesen. Insgesamt fehlen noch knapp 1000 Euro, damit die Kosten für den Flug und den Titer-Test gedeckt sind. "Klar, die Kosten sind echt immens, es sind mittlerweile einige Tausend Euro, aber ich konnte auf dem halben Weg doch auch nicht aufgeben, dann wäre alles umsonst gewesen", sagt die Hundebesitzerin: "So eine freundliche und treue Seele wie Buddy ist es absolut wert, gerettet zu werden."


Deutsche Tierheime sind voll

Patrick Maier vom Tierschutzverein "Aktion Tier - Menschen für Tiere" plädiert dafür, keine Tiere aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen. In deutschen Tierheimen gäbe es genug Tiere, die auf ein Zuhause warteten, so Maier. Es sei viel wichtiger, im Ausland zum Beispiel Kastrationsprojekte zu unterstützen.
Heidi Kraus vom Tierheim Forchheim rät: Wer sich ein Tier aus dem Ausland holt, sollte dies über eine seriöse Organisation tun. Ferner sollte man darauf achten, dass der Hund bereits geimpft ist. Eine Impfung gegen Tollwut sei besonders wichtig, da diese auf den Menschen übertragen werden kann.