Authentisch war Hans Klaffl schon immer. Lebte er als Lehrer am "Lukas-Podolski-Gymnasium" eher den stummen Protest gegen Rundschreiben des Kultusministeriums, nimmt er sich im Ruhestand kein Blatt mehr vor den Mund, rechnet in seinem Programm "Schul-Aufgabe - Ein schöner Abgang ziert die Übung" gnadenlos ab mit der Ministerialbürokratie. Und mit viel Augenzwinkern gibt er Kollegen Tipps, wie sie ihren Ruhestand in de Griff bekommen.

"Im Vergleich mit dem, was bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums passierte, läuft der Bau des Berliner Flughafens planmäßig", kritisiert Klaffl. Der einzige Vorteil aus Sicht des Kultusministeriums: Acht Jahre schlechtes Gymnasiums sind besser als neun Jahre schlechte Schule. Aber: "Dann ist der Lehrplan nicht mehr zu schaffen. Er wurde entrümpelt", zitiert Klaffl.


Nur Gerümpel beigebracht?

"Hätt' uns ja jemand sagen können, dass wir den Kindern Gerümpel beigebracht haben", empört sich der Pädagoge. Und er erklärt das Flexi-Jahr: "Das ist das G8, das neun Jahre dauert; ein G8 plus. Ein Neunjähriges G8 also, etwas, das es nur in Bayern gibt." Laut Klaffl hervorgebracht von Menschen mit ADHS: "Das sind die, die immer etwas Neues ausprobieren, nie Ruhe geben."

Bei Kindern sei das normal, aber seit einigen Jahren habe diese Krankheit auch auf das Kultusministerium übergegriffen. Angesichts dieser Entwicklung denkt Klaffl zurück an seine Abschiedsfeier und an die 40-jährige Lehrer-Laufbahn. Mit vielen Veränderungen.

Brachte er anfangs den Kindern die kleine Terz anhand des Liedes "Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald" bei, musste er nach rund zehn Jahren umdisponieren auf Pumuckl, den Kobold mit dem roten Haar. Doch auch der war nach einer Schülergeneration out. Da griff Klaffl bei der Erläuterung der kleinen Terz auf Tom Jones zurück. "Sex Bomb, Sex Bomb, ruft's aus dem Wald."

Eine besondere Herausforderung für die Lehrer stelle der Unterricht von Schülern in der Pubertät dar. Mathe-Lehrer hätten daher auf die Berechnung gleichschenkeliger Dreiecke und Potenzrechnungen gestrichen. Das Musikbuch "Unser Lied" sei regelmäßig mit einem großen G versehen und an ein Klassenvorspiel sei nicht zu denken. Beim Instrumentalunterricht werde auf Blasinstrumente verzichtet.

Aber es wird besser, verspricht Klaffl. Denn in der Oberstufe geht die Pubertät nahtlos in Lethargie über. Und die Hochbegabung weicht der Demenz. "Da haben sich die Schüler schon entschieden zwischen Abi und Obi", meint Klaffl.

Er weiß: Es gibt ein Leben nach dem Gong, auch wenn das nicht leicht ist. Lehrern in dieser Situation rät er, eine To-do-Liste anzufertigen. Wichtig: Täglich die Mails checken, beispielsweise den Newsletter von Aldi. Der sei zu empfehlen, denn unter dem Motto "So machte der Urlaub Spaß" gab es Herren-Unterhosen und Imprägnierspray.


Schon mit Diagnose zum Arzt

Der nächste Vorschlag: Korrigieren Sie die Rechtschreibfehler bei den Angeboten im Schaufenster mit Permanent-Marker und schreiben Sie ihre Bemerkungen dazu. Unter die Rubrik Fortbildung fielen regelmäßige Arztbesuche mit vorgefertigter Diagnose und Behandlungsvorschlag ebenso wie Besuche im Baumarkt, wo der Ruhestands pädagoge Laubbläser und andere nützliche Utensilien wie Unterbauleuchten mit 24 000 Stunden Brenndauer erwerben könne. Die reichen dann grad so für 14 Tag. "Dann flackert's, de Leucht'n", bedauerte Klaffl. Der muss sowieso wieder in den Baumarkt, weil er Achter-Dübel braucht, Die sind aber gerade ausverkauft. Deshalb rät der Fachverkäufer: "Nehmen's zwei Vierer, das kommt aufs Gleiche raus."

Bei so viel Abwechslung zieht der Ruhstandspädagoge nur eine Schlussfolgerung: "Mir geht's gut." Auch wenn seine Interpretation dieses Songs ein wenig deprimiert klang.