Sie hätten "keine Chance", aber aufgeben wollen sie nicht. "Uns wird viel Respekt gezollt, dass wir uns so für die Waschbecken einsetzen und kämpfen", sagt Sonja Sawinsky, die Vorsitzende des Elternbeirates der Grundschule Hallerndorf. Die Elternvertreterin hofft, dass der Gemeinderat noch einlenkt. Eine Mehrheit der Rätinnen und Räte hatte entschieden, dass im Zuge der Schulsanierung keine Waschbecken in den Klassenzimmern eingebaut werden. Eltern und Lehrer in Hallerndorf wehren sich und wollen die Politiker zum Umdenken bewegen.

In der Oktobersitzung hatten elf Gemeinderäte gegen den Vorschlag der Verwaltung gestimmt, die zu renovierenden Klassenräume der Grund- und Mittelschule Hallerndorf künftig mit Handwaschbecken auszustatten. Der Einbau würde die Gemeinde 80 000 Euro kosten. Ein Argument: Da die Kreidetafeln durch moderne Whiteboards ersetzt werden, seien Becken und fließendes Wasser in den einzelnen Klassenzimmern nicht mehr nötig. In neuen Klassenräumen sind Waschbecken vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben. Fünf Ratsmitglieder plädierten vergebens für den Einbau.

Der Sohn von Sylvia Krauß geht in die zweite Klasse der Grundschule. Die Mutter aus Hallerndorf erinnert sich, als sie im Fränkischen Tag von der Entscheidung las: "Ich habe meinen Kleinen gefragt: Braucht ihr eigentlich euer Waschbecken? Da hat er mich ganz entsetzt angeschaut und gemeint: Natürlich brauchen wir sie!" Lehrer und Schüler müssen Händewaschen, Tische abwischen, Blumen gießen oder Besteck säubern, nennt Krauß. Sie hatte die Idee, Befürworter für die Schul-Waschbecken in Hallerndorf zu mobilisieren. Weil eine Unterschriftensammlung "von Haus zu Haus" wegen der Corona-Pandemie aktuell nicht in Frage komme, hat der Elternbeirat eine Online-Petition ins Leben gerufen. Bis Mittwoch haben 411 Internetnutzer unterzeichnet.

Auf FT-Nachfrage zur Waschbecken-Diskussion in Hallerndorf, die hohe Wellen geschlagen hat, verweist Bürgermeister Gerhard Bauer (Wählergemeinschaft Hallerndorf) auf die geltende Beschlusslage. Solange sich "keine neuen Tatsachen ergeben" würden, habe die Entscheidung Bestand. "Den aktuellen Beschluss muss man erst einmal so akzeptieren. Eine Unterschriftenliste dagegen reicht nicht", erklärt Bauer.

Nicht nur für Kreidetafeln

Aus der Lehrerschaft kommt Unterstützung für die Eltern-Initiative. Die Konrektorin der Grundschule, Anja Fürbringer, betont: "Wir brauchen die Waschbecken unbedingt! Wir müssen häufig Händewaschen. Ich kann nicht ständig rausgehen und die Kinder alleine lassen." Der Lehrerin fallen viele Beispiele aus dem Schulalltag ein, bei denen Lehrer und Schüler fließendes Wasser brauchen. Nicht nur, um die Kreidetafeln abzuwischen. Im Klassenzimmer wird gebastelt, Obst geschnitten, gekocht und saubergemacht. "Fast täglich fällt eine Flasche um und es muss aufgewischt werden", verdeutlicht Fürbringer.

Sie hatte zudem mit Waschbecken in den renovierten Klassenräumen gerechnet. Vor zwei Jahren war Fürbringer bei einer Bauausschuss-Sitzung dabei, als bereits von einem Verzicht auf die Waschmöglichkeiten die Rede war. Die Lehrerin verfasste sogar einen Appell-Brief mit den Argumenten des Kollegiums an den damaligen Bürgermeister Torsten Gunselmann (FWG). Damals sei sogar durchgesetzt worden, dass Waschbecken in den neuen Klassenzimmern geplant werden, erinnert sich Fürbringer: "Als ich jetzt gehört habe, dass die Waschbecken doch nicht kommen, bin ich aus allen Wolken gefallen."

Sie kennt eine befreundete Lehrerkollegin aus Knetzgau, die bereits in Klassenzimmern ohne fließendem Wasser unterrichtet. Dort müssten sich hunderte Schülerinnen und Schüler insgesamt drei Waschbecken teilen. "Gerade jetzt, wenn sich die Kinder regelmäßig die Hände waschen sollen, ist das furchtbar", bekräftigt Fürbringer.

Noch nicht erneut auf der Tagesordnung

Eltern und Lehrern sei bewusst, dass sie "von außen" den Beschluss nicht kippen können. "Unser Ziel ist es, die Gemeinderäte wachzurütteln", sagt Elternbeirat Krauß. Sie und Sonja Sawinsky hoffen, dass ein Mitglied aus dem Gemeinderat die Waschbecken-Entscheidung noch einmal auf die Tagesordnung bringt. Am Dienstag, 10. November, findet die nächste Gemeinderatssitzung in Hallerndorf statt. Bisher liegen keine Anträge dazu vor, sagt Bürgermeister Bauer. "Es kann natürlich auch ins Nichts laufen, das wissen wir", so Krauß. "Bis die Zimmer umgebaut sind, ist mein Kind wahrscheinlich auch gar nicht mehr auf der Schule. Aber es geht uns grundsätzlich um die Zukunft der Schule."