In vier Wochen geht Anton Eckert, der Kulturreferent des Landkreises Forchheim, in den Ruhestand. Eckert hat das Leader-Projekt für die Sanierung und Nutzung des Bahnhofareals in Behringersmühle maßgeblich geplant und mit einem Vorentwurf auch schon auf den Weg gebracht. Um das Großprojekt, für das einmal 11 Millionen Euro im Gespräch waren, auch nach Eckerts Pensionierung weiter voranzubringen, war bei der jüngsten Marktgemeinderatssitzung auch seine künftige Nachfolgerin Marion Rossa-Schuster dabei.

Bei der Sitzung ging es vor allem darum, dass sich der Markt Gößweinstein mit der Sanierung der Außenanlagen durch eine hohe Bezuschussung über das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) daran beteiligt. Dem stimmten die Räte nach der Projektvorstellung durch Eckert nach dem sogenannten Multifondsansatz einstimmig zu. Es soll jedenfalls ein Projekt werden, das nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann und noch Jahre dauert, bis daraus etwas Konkretes wird.

Aufwertung des Areals: Großprojekt Behringersmühle auf gutem Weg

Die drei Projektträger müssen zwingend die Gemeinde Gößweinstein, der Landkreis Forchheim und der Verein Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) sein, dem inzwischen nahezu die komplette Liegenschaft gehört. Springe einer dieser Träger ab, sieht Eckert keine Chance, das Projekt zu verwirklichen. "Wenn das bröckelt, dann ist das gesamte Projekt massiv gefährdet", betonte er.

Geplant ist, dass die Dampfbahn jene Liegenschaften dann an die Gemeinde und den Landkreis für deren Zuständigkeiten abgibt, eventuell durch einen Erbpachtvertrag. Der Dampfbahnverein sollte dann für das alte Bahnhofsgebäude und die darin erforderliche Gastronomie zuständig sein.

Der Part des Landkreises wäre die Übernahme des ehemaligen BayWa-Lagerhauses, in das die ständig besetzte Tourismuszentrale der Fränkischen Schweiz einziehen soll. Sie würde dann von Ebermannstadt nach Behringersmühle verlagert. Dafür sieht Eckert gute Fördermöglichkeiten. Der historische Baubestand soll gesichert und das ganze Areal aufgewertet werden, um dem Kultur- und Wandertourismus in der inneren Fränkischen Schweiz weiter Auftrieb zu verleihen.

Für die mindestens 30 000 Bahnreisenden, die jährlich in Behringersmühle ankommen, soll es ein zielgerichtetes Angebot für ihre Freizeitgestaltung über den Ort hinaus geben. Eckert schwebt vor, dass auch der Landkreis Bayreuth über die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA), Zweigstelle Bayreuth, mit einbezogen wird. Denn so könne man an weitere Fördermittel kommen, damit auch die Gemeinden Pottenstein, Waischenfeld oder Ahorntal mit ihren Freizeiteinrichtungen oder der Gastronomie davon profitieren. Er betonte jedoch, das er mit der LGA Bayreuth noch keine Gespräche geführt habe.

Mehr Gründe zum Verweilen vor Ort: Fahrräder zum Leihen und Busshuttle im Gespräch

Jedenfalls soll der Bahnhof Behringersmühle künftig nicht mehr Endstation sein, an der die Bahnreisenden kurz aussteigen und wieder einsteigen, um nach Ebermannstadt zurückzufahren. Sie sollen länger verweilen, nicht nur am Bahnhof selbst, sondern sich zum Beispiel ein E-Bike ausleihen können oder mit einem Busshuttle nach Gößweinstein, Waischenfeld oder Pottenstein gebracht werden.

Noch immer im Gespräch ist eine Seilbahn hoch nach Gößweinstein. Laut ehemaligem Bürgermeister Georg Lang (CSU) gab es in den 1990er Jahren schon einmal einen Plan für eine Schrägbahn nach Gößweinstein. "Vielleicht findet sich der ja noch im Rathaus", so Lang. Er könne sich zudem gut etwas mit Bier im Lagerhaus vorstellen. Denn einst wurde hochwertige Gerste aus der Fränkischen Schweiz zum Bierbrauen nach Bamberg mit dem Güterzug geliefert. "Unter dem Strich hat dieses Projekt ein enormes Potenzial, das sich auf die ganze zentrale Fränkische Schweiz auswirken wird", betonte Lang.

Kulturreferent Eckert könnte sich im Keller des Lagerhauses auch eine große Modelleisenbahn vorstellen, die von einem Verein betrieben wird. Oder eine Präsentation der Burgenlandschaft sowie der Geschichte der Fliegenfischerei.

Behringersmühle: "Wir wollen einen sanften Tourismus"

Die Sanierung des 1930 erbauten Bahnhofsgebäudes zur Umnutzung eines Cafés wurde auf rund 1,7 Millionen Euro geschätzt. Dies könnte laut Eckert aus Mitteln des Denkmalschutzes, des Entschädigungsfonds, der Bayerischen Landesstiftung und der Obefrankenstiftung für den Bereich des denkmalpflegerischen Mehraufwands gefördert werden.

Hinzu kommen 375 000 Euro an Kosten für die Sanierung des separat stehenden WC-Häuschens, wobei allerdings Eigenleistungen der DFS erbracht werden können. Die Gemeinde Gößweinstein könne für die Sanierung der Außenanlagen über 50 Prozent Förderung über das ALE bekommen.

Grundvoraussetzung, damit das Ganze zum Ziel führt, sei die Installierung eine Projektmanagements - einem "Kümmerer", der alles steuert und vernetzt, das Konzept verfeinert, Kostenberechnungen initiiert und die Gespräche mit allen Beteiligten und den Behörden führt. Diese Stelle könnte laut Eckert über Leader gefördert werden. "Wir wollen einen sanften Tourismus", betonte er.

Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) betonte, dass dies ein außerordentlich wichtiges Projekt sei. Daniela Drummer (FW) freute sich, dass in Behringersmühle endlich etwas vorangeht, und für Konrad Schrüfer (FW) wäre es sehr wichtig, den Landkreis Bayreuth mit einzubeziehen. "Damit nicht wieder jeder sein eigenes Süppla kocht", so Schrüfer. Denn man könne in Sachen Tourismus nur gemeinsam etwas erreichen. Bernhard Vogel (SPD) erhofft sich durch das Projekt einen gewissen Leidensdruck bei den Straßenbaubehörden, damit die Radwege von Behringersmühle aus nach Waischenfeld, Ahorntal und Pottenstein rascher verwirklicht werden.