Der CSU-Stadtrat Gerhard Käding ist im dritten Jahr der Senioren-Beauftragte der Stadt Forchheim. Jetzt bekleidet der 66-Jährige ein weiteres Amt in der Seniorenpolitik: Er hat den Vorsitz in der Senioren-Union übernommen. Das ist eine Arbeitsgemeinschaft der CSU, vergleichbar mit der Frauen-Union oder der Jungen-Union. Wer beitreten will, muss 60 Jahre alt sein, aber er muss kein Mitglied der CSU sein. Gerhard Käding wirbt ausdrücklich um Mitglieder, die von außerhalb der CSU kommen. Die konstituierende Sitzung ist am 28. Oktober.

Sie haben den Ruf, sich viel aufzuhalsen. Warum jetzt auch noch Vorsitzender der Senioren-Union?
Gerhard Käding Vor sieben Jahren hat der CSU-Ortsverband schon einmal darüber nachgedacht: Analog zur Kreis-Senioren-Union sollte eine Arbeitsgemeinschaft für Senioren auf städtischer Ebene gegründet werden.
Damals hab ich gesagt, das brauchen wir nicht. Vielleicht auch deshalb, weil ich mich noch nicht als Senior gesehen habe.

Obwohl Sie da aber auch schon 59 Jahre alt waren...
Ja, aber durch den demografischen Wandel hat sich auch das Thema gewandelt und an Bedeutung gewonnen. Mir fällt auf, dass es viele Senioren gibt, die sich nicht mehr so beteiligen.

An welche Senioren denken Sie?
Ich bemerke es sehr an ehemaligen Kommunalpolitikern. Viele bleiben, nur weil sie alt sind, zu Hause, besuchen keine Veranstaltungen oder Sitzungen mehr.

Sie wollen sozusagen Senioren hinterm Ofen hervorlocken?
Dem Alter Zukunft geben, dieses Schlagwort hat mich bewegt. Und wer kann für die Interessen der älteren Generation besser reden, als die Senioren selber. Ich habe mir neulich die Mitgliederkartei der CSU Forchheim Mitte durchgesehen. Von den 250 Mitgliedern sind 49,5 Prozent älter als 60 Jahre. Der Altersdurchschnitt ist ja nichts Verwerfliches, aber die Beteiligung am öffentlichen Leben muss stimmen.

Was mag der Grund für die Zurückhaltung sein?
Da ist die weit verbreitete Vorstellung, das Leben den jüngeren überlassen zu müssen. Das kann aber nicht sein. Daher bin ich froh, dass auf Anhieb 22 Frauen und Männer der neu gegründeten Senioren-Union beigetreten sind.

Worin besteht die Arbeit in dieser Arbeitsgemeinschaft?
Das ganz große Thema ist die Generationen-Gerechtigkeit. Wenn es beispielsweise um seniorengerechtes Wohnen geht, da tut sich fast noch gar nichts in Forchheim. Die Genossenschaften fangen langsam damit an, bei ihren Sanierungen darauf zu achten. Aber sämtliche Häuser aus den 50er Jahren sind durch stufenreiches Bauen geprägt. Und auch die mobilen Hilfsdienste müssen ausgebaut werden, denn immer mehr Menschen wollen so lange wie möglich selbstständig leben.

Welches Ziel haben Sie?
Ein Ziel ist es, die Seniorenarbeit zu vernetzen und zentral im Rathaus anzusiedeln. Aber das Engagement für Senioren kann künftig nicht nur über bezahlte Verwaltungen laufen. Es gibt in Baden-Württemberg bereits großartige Vorbilder dafür, wie sich Senioren über Genossenschaften ehrenamtlich organisieren. So etwas schwebt mir für Forchheim vor. Solche Genossenschaften benötigen nur eine einzige bezahlte Kraft, um mit den Krankenkassen abrechnen zu können. Ehrenamtliche Modelle sind auch deshalb wichtig, weil es viele Senioren gibt, die zu keinen amtlichen Institutionen gehen.

Erwarten sie mehr Einsatz der Senioren auch in der Politik? Jüngst war zu hören, dass die CSU über eine Senioren-Liste für den Wahlkampf 2014 nachdenkt.
Für den Wahlkampf 2014 ist das keine Option mehr. Aber ich bin mir sicher, dass es diese Senioren-Liste in sechs Jahren geben wird. Ich habe künftig den Anspruch, dass die Vertreter der Senioren-Union mindestens einen Sitz unter den ersten zehn Kandidaten der Stadtratsliste haben müssen.

Gemessen daran, sind die Senioren auf der aktuellen CSU-Liste ja sogar überrepräsentiert.
Ja, mit Franz Stumpf, dem Spitzenkandidaten, und mit Franz Streit auf Platz zehn, haben wir zwei Senioren unter den ersten zehn.

Und Sie stehen auf Platz 12 und werden sicher auch wieder im neuen Stadtrat sitzen.
Momentan funktioniert die Seniorenpolitik. Aber die Zukunft in der CSU soll natürlich der Jugend gehören. Und wenn es immer mehr alte Menschen gibt, dann ist das Fassungsvermögen der CSU da auch begrenzt. Künftig kann eine Senioren-Liste also eine Notwendigkeit sein.

Und Sie fürchten dann nicht den Vorwurf, dass das nur eine Tarnliste der CSU wäre?
Senioren sind keine Tarnung. Wenn es eine Senioren-Liste geben wird, dann wird sie lediglich zeigen, wie vielfältig die CSU gegliedert ist.