Als Heimat- und Verkehrsverein wurde er 1955 gegründet - heute nennt er sich Heimatverein. Und vielleicht wird er künftig Heimat- und Geschichtsverein heißen. Damit "liebäugelt" Dieter George, der promovierte Germanist und Historiker, beruflich Kulturbeauftragter der Stadt Forchheim. Er ist seit 20 Jahren Vorsitzender des Vereins - Zeit für eine Bilanz.

Vor 20 Jahren übernahmen Sie den Vorsitz im Heimatverein. Mit welchen Zielen sind sie damals angetreten?
Dieter George: Das damalige Aufgabenprofil des Vereins war stark durch die Zeit meines Vorgängers Otto Werner geprägt, der Rechtsrat der Stadt war. Etwa hat der Annafestzug eine entscheidende Rolle gespielt - auch als Einnahmequelle. Die Zielsetzungen wurden ab 1994 dann etwas verändert. Ich habe die Denkmal- und Geschichtspflege in den Vordergrund gerückt.
Dazu gehörte die Gründung der heimatgeschichtlichen Zeitschrift "An Regnitz, Aisch und Wiesent". Nachdem uns Oberbürgermeister Franz Stumpf als Protektor des Heimatvereins die Adventskalender-Lotterie übertragen hat, gab es nochmal eine Akzentverschiebung: Die Einnahmen haben wir im öffentlichen Interesse für die Denkmalpflege verwendet oder auch für die Erinnerungskultur, zum Beispiel zugunsten der hiesigen NS-Opfer.

Wer "Heimatverein" hört, denkt nicht unbedingt an die Förderung des Fremdenverkehrs. Hat dieses Vereinsziel noch eine Bedeutung?
Früher haben die Vereinsmitglieder Gäste durch die Stadt geführt. Das ist nicht mehr nötig, denn es gehört auch zu den großen Verdiensten meines Vorgängers, dass es ihm gelungen ist, den Tourismus zu kommunalisieren. Doch wenn der Verein heute auf Missstände im Stadtbild hinweist, wenn er den Prozess der Denkmalpflege vorantreibt, dann fördert das auch den Fremdenverkehr. Wir tragen dazu bei, die Attraktivität der Stadt zu steigern. Es gehört bei uns dazu, stolz auf die Heimat zu sein. Und dieser Stolz wird bestätigt durch Fremde und Touristen, die das Stadtbild loben.

Woher kommen die Mittel, was steht dem Verein zur Verfügung?
Die Zeiten, als der große Annafestzug die wichtigste Finanzierungsquelle war, sind vorbei. Das hat sich sogar ins Gegenteil verkehrt, wir schreiben rote Zahlen beim Annafestzug. Das hängt damit zusammen, dass heute jede der 20 Kapellen mindestens 300 Euro erhält, früher haben sie für Freibier gespielt. Und auch die Biermarken, die von den Brauereien gespendet wurden, kaufen wir mittlerweile größtenteils an. Nun, der Heimatverein war der erste in Forchheim, der vom Sponsoring getragen wurde. Aber diese Unterstützung durch die Wirtschaft verteilt sich heute auf viele Vereine. Unsere wichtigste Finanzierungsquelle ist die Einnahme bei der Adventskalender-Lotterie geworden. Und natürlich gibt es private Spenden und die Beiträge der gut 200 Mitglieder. Insgesamt bewegen wir jährlich zwischen 30 000 und 40 000 Euro.

Ihr Vorgänger Otto Werner war 34 Jahre an der Spitze des Vereins. Wollen Sie ihm nacheifern und weitere 14 Jahre im Amt bleiben?
Biologisch wäre ich gerne ein zweiter Otto Werner, er war ein Mann von beneidenswerter Vitalität - bis ins hohe Alter. Aber man soll zurücktreten, wenn man einen Nachfolger hat. Auf diesen Moment arbeite ich hin. Bei der nächsten Wahl im Herbst 2015 stehe ich aber nochmal zur Verfügung. Der Vorsitzende wird für drei Jahre gewählt. Ich könnte mir vorstellen, bis 2018 weiterzumachen. Bis dahin halte ich unaufdringlich nach einem Nachfolger Ausschau.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?
Mir liegt sehr das Schrifttum am Herzen. Da gibt es eine Fülle an Themen. Als nächstes wird ein Sonderheft über die Forchheimer Alltagsgeschichte der 40er bis 70er Jahre erscheinen. Beiträge zur regionalen Geschichte - das bleibt ein Kernanliegen. Daher wollen wir auch das Mammut-Projekt von Reinhold Glas fördern. Seine Forchheimer Häuser-Geschichte soll zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt kommen.

Das klingt, als wäre der Heimatverein sehr wissenschaftlich ausgerichtet.
Eine nachhaltige Kulturarbeit steht im Vordergrund. Aber wir sind nicht brottrocken oder theoretisch grau. Wir sind ein Verein, der es schafft, historische Information und Geselligkeit zusammenzubringen.

Welches Projekt des Heimatvereins hat Sie in den vergangenen 20 Jahren besonders beeindruckt?
Der Bronzelöwe auf dem Gefallenen-Denkmal, das an der Ecke Kloster-/Eisenbahnstraße steht. Der Löwe ist die letzte Arbeit von Harro Frey, ein sehr innovatives Werk. Der Löwe ist wie das Original aus Bronze gearbeitet. Aber er wirkt weniger majestätisch und ist mit einer Mahnung verbunden, dass der Krieg etwas Schreckliches ist. Ich fahre fast jeden Tag mit dem Stadtbus an diesem Ehrenmal vorbei - ein sehr gelungenes Werk.