Geht der Windkraft in der Fränkischen Schweiz allmählich die Luft aus? Nun hat sich auch der Gemeinderat Eggolsheim mit 11: 9 dagegen ausgesprochen, dass einer Anfrage aus Heiligenstadt entsprochen wird, sich mit einem Teilbereich in der Gemarkung Tiefenstürmig an einem Windpark im Bereich von Kalteneggolsfeld bzw. Oberngrub zu beteiligen.

Die Anfrage war von Helmut Krämer, dem Bürgermeister von Heiligenstadt, gekommen. Eggolsheims Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) war auf diesen Zug aufgesprungen und hatte in Tiefenstürmig eine themenbezogene Bürgerversammlung abgehalten. Dabei sprach sich keiner der Anwesenden gegen ein derartiges Projekt aus - unter der Voraussetzung, dass ein Windrad von Tiefenstürmig aus weder zu sehen noch zu hören sei.
Vor einer Woche hatte die Eggolsheimer CSU eine eigene Versammlung in Tiefenstürmig ausgerichtet, um nach ihrem eigenen Bekunden zu "verhindern", dass die Bürger sich nur einseitig über die Windanlagen informieren könnten. Hatten noch in der offiziellen Bürgerversammlung sechs Grundstückseigentümer Interesse an einem Bürgerwindrad geäußert, waren die anwesenden Tiefenstürmiger bei der CSU-Veranstaltung gegen Windräder am Ort.

Im Gemeinderat Eggolsheim prallten diese kaum vereinbaren Sichtweisen aufeinander. Dabei befanden sich die Befürworter seit wenigen Tagen in einer nicht unbedingt aussichtsreichen Lage, denn mittlerweile hatte der Gemeinderat Heiligenstadt den Windpark von Kalteneggolsfeld mit 8:5 Stimmen abgelehnt. Damit war die Idee Makulatur, einen großen Windpark unter Einbeziehung von Tiefenstürmig zu schaffen.

Klimaziele in Gefahr


Monika Dittmann (BB) zog sich auf eine schriftliche Stellungnahme zurück. Da die Bereitschaft zu Windanlagen immer weiter sinke, bestehe die Gefahr, dass "die Klimaziele" nicht erreicht würden, also müsse Eggolsheim für weitere Vorrangflächen plädieren und die Fläche bei Tiefenstürmig einbeziehen. "Eine ganzheitliche Lösung nach dem Sankt-Florians-Prinzip kann nicht angehen."

Irmgard Heckmann formulierte für eine Zustimmung der Freien Wähler zwei Bedingungen: Windräder sollten nicht losgelöst von der Regionalplanung gebaut werden können, "aufgrund der Privilegierung Einzelner mit privaten Investoren." Und weiter: "Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes müssen die drei Gemeinden (Unterleinleiter, Heiligenstadt, Eggolsheim) eng zusammenarbeiten und die Räre aller drei Gemeinden die Entscheidung mittragen." Ferner sei ein Kilometer Luftlinie zum ersten bebauten Gebäude einzuhalten. Auch das erwies sich als Quadratur des Kreises, das selbst Bürgermeister Schwarzmann als möglicher Befürworter ablehnte.
Allerdings sagte der Rathauschef: "Das Landschaftsschutzgebiet ist eigentlich ein Ausschlusskriterium." Die weitere Prozedur werde sich wohl über mindestens ein Jahr hinziehen, denn so lange brauche der Planungsverband Oberfranken-West, "alle gestellten Anträge juristisch zu würdigen", umso mehr, da die Gemeinde als Anlagenbetreiberin in Erscheinung treten müsse.

Hans-Jürgen Dittmann (CSU) betonte: "Mit der Aufweichung von Landschaftsschutzgebieten öffnet man der Zerstörung der Landschaft Tür und Tor." "Die CSU im Landkreis ist gegen Windkraft in der Fränkischen Schweiz", soufflierte sein Fraktionssprecher Peter Eismann. Dabei sei auffällig, dass Windanlagen nur für Oberfranken forciert würden: "Auch in den Alpen gibt es Wind - aber hier will man offenbar den Tourismus schützen."
In Bayern setze man mehr auf Sonnenkollektoren, Biomasse oder Wasserkraft. "Wäre es anders, könnten wir Landschaftsschutzgebiete ja gleich ganz abschaffen." "Wir brauchen dieses Gebiet nicht unbedingt", fuhr Eismann fort. "Aber wir müssen gegen die Goldgräberstimmung ankämpfen, in der sich jeder ein Stück vom Kuchen sichern will. Aber Windräder sollten dorthin, wo es Windradgebiete gibt."

21,5 Hektar Vorrangfläche


Der Beschlussvorschlag lautete dahingehend, dass sich Eggolsheim auf der Gemarkung Tiefenstürmig mit 21,5 Hektar in die Vorrangflächen einbringt. Die Forderung der Freien Wähler auf größere Abstandsflächen wollte Schwarzmann nicht zulassen: "Ich nehme keine Ergänzungen an - das ist alles schon festgeschrieben".
So gab es eine Mehrheit gegen einen Windpark, der sich nach Wegfall von Kalteneggolsfeld wohl ohnehin in Richtung Dürrbrunn verlagern dürfte, wo der Gemeinderat Unterleinleiter einen Antrag zur Aufnahme von 15 Hektar in den Regionalplan gestellt hat.