Die meisten Gemeinden im Landkreis geben Geld, wenn Durchreisende kommen und sie darum bitten. Nun haben Durchreisende aber wenig mit Touristen zu tun, auch wenn der Name diese Assoziation vielleicht anklingen lässt. Mit Durchreisende werden in den meisten Gemeinden zwei Personengruppen bezeichnet: durch Deutschland ziehende Wohnungslose und Handwerker, die auf Walz gehen.

"Die Walz ist ein Kulturgut", sagt in diesem Zusammenhang Gräfenbergs Kämmerer Ernst Steinlein. Die Stadt hat das Geld für die durchreisenden Handwerker deshalb von fünf Euro auf 20 Euro erhöht. 2,50 Euro dagegen erhalten die durchreisenden Wohnungslosen.


So etwas wie Stammgäste

Neun Handwerker waren im vergangenen Jahr in der Stadt und haben sich das Geld geholt, von den durchreisenden Wohnungslosen sind es keine zehn im Jahr.

Die meist im Sommer nach Gräfenberg kommenden Durchreisenden sind so etwas wie Stammgäste. Man kennt sie dort schon. Ein Pärchen kommt meist einmal im Jahr, ansonsten sind es überwiegend ältere Männer. Das Geld holen sie sich an der Kasse der Stadtverwaltung ab. Es ist eine freiwillige Sache, Geld für Durchreisende zu geben. Die meisten Kommunen im Landkreis geben einen kleinen Betrag für die Wohnungslosen, die keinen festen Sitz in der Gemeinde haben.

In der Stadt Forchheim war bislang kein Durchreisender gekommen, der das Geld, einen Zuschuss fürs Essen oder für eine Busfahrt zu den Obdachlosenunterkünften, haben wollte.


Ein Stempel für das Buch

Die durchreisenden Handwerker erhalten das Durchreisegeld vom Oberbürgermeister selbst. "Sie kommen mit ihrem Zunftbuch und erhalten zehn Euro", sagt Edelgard Striegel, die Sekretärin des Oberbürgermeisters.
"Die Handwerker auf der Walz zeigen ihr Buch, denn sie wollen einen Stempel", informiert Hermann Seebauer, der geschäftsführende Beamte in Hallerndorf.

Den Handwerkern werden dann in Hallerndorf einfach einige Euro gegeben. Ein Betrag zwischen fünf und zehn Euro sei das. Auch den Durchreisenden werden ein paar Euro in die Hand gedrückt. Die meisten wollen in die großen Städte weiter, wo sie eine Unterkunft finden. Ein Handwerker kam vergangenes Jahr nach Hallern-dorf, Obdachlose waren schon mehrere Jahre nicht mehr in der Gemeinde.

20 Euro für Handwerker zahlt beispielsweise auch die Gemeinde Eggolsheim. Einem durchreisenden Wohnungslosen haben sie in Eggolsheim eine Übernachtung mit Frühstück bezahlt. Geld für Durchreisende zahlt auch das Landratsamt. "Wir zahlen an Durchreisende bei persönlicher Vorsprache für den laufenden Tag. Bei Vorsprache am Freitag zahlen wir von Freitag bis Sonntag. Ausbezahlt wird ein Tagessatz von 13,63 Euro. Dieser ergibt sich aus dem monatlichen Grundsicherungsregelsatz geteilt durch 30", informiert Pressesprecher Maximilian Sebald.

Nicht zu vergleichen sind die durchreisenden Obdachlosen mit den bei den Gemeinden gemeldeten Obdachlosen oder auch mit Menschen, die von der Obdachlosigkeit bedroht sind. Für diese nämlich sind die Kommunen zuständig.
"Wenn man keine Notunterkünfte hat, muss man sie in einem Leihquartier unterbringen", sagt Seebauer. Der Stadt Gräfenberg geht es ebenso. Auch sie musste schon Unterkünfte anmieten, um von der Obdachlosigkeit bedrohte Bürger unterzubringen. Dabei muss es nichts Großartiges sein. Ein Zimmer, ein Bauwagen, ein Wohngebäude, einfach ein Dach über dem Kopf.

"Man kann sich nicht darauf vorbereiten", sagt Ernst Steinlein von der Stadt Gräfenberg. Zwei Mal kam das schon vor. Doch auch in anderen Gemeinde sind solche Fälle schon eingetreten. Der Markt Eggolsheim hat zwei Wohnungen für von der Obdachlosigkeit bedrohte Bürger, die dann dort tageweise oder auch wochenweise untergebracht werden könnten, bis sie etwas anderes gefunden haben.
Mit den Wohnungen der GWS, der städtischen Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft, trägt die Stadt Forchheim Sorge für ihre Obdachlosen. Für die Verpflegung der bei Kommunen gemeldeten Obdachlosen kommt das Landratsamt auf.