Freude bei der Bürgerinitiative (BI) "Standortalternative Funkturm Gößweinstein": Der Standort des Telekom-Funkturms unmittelbar neben dem Höhenschwimmbad ist vom Tisch. Der Bürgerprotest war somit erfolgreich, könnte aber den Markt Gößweinstein teuer zu stehen kommen. Der Bau eines Zufahrtswegs zum Alternativstandort auf dem Grundstück mit der Flurnummer 1014 der Gemarkung Gößweinstein würde mit rund 70 000 Euro teuer werden. Es sei denn, die bestehende Mobilfunkanlage auf dem Turm der Burg Gößweinstein darf um den Sender der Telekom erweitert werden, was bisher abgelehnt wurde. Von der BI waren etliche Zuhörer zur Marktgemeinderatssitzung ins Pfarrzentrum gekommen, in der es gleich um fünf neue Mobilfunkstandorte im gesamten Gemeindegebiet ging. "Mir ist heute mehr als unwohl", räumte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) ein, der in den hinteren Reihen wegen seiner FFP-2 Maske etwas schwer verständlich rüberkam. Benno Beck (BMG) bat ihn, zum Sprechen die Maske abzunehmen. Wie Zimmermann erklärte, sei dies nicht möglich, da ein Mitarbeiter des Rathauses Kontakt mit einem Infizierten der Kategorie 1 hatte und er sich auch deshalb extra eine FFP-2 Maske besorgt habe. Mit dieser Maske könne er sicherstellen, das er seine Amtsgeschäfte weiterführen könne. Jedenfalls räumte Zimmermann seinerseits ein nicht "ganz korrektes Verhalten" bezüglich des Funkmaststandorts in Gößweinstein ein. Die Deutsche Telekom hat der Gemeinde inzwischen mitgeteilt, dass auf ihren Wunsch und den "diverser politischer Vertreter", die bei ihr vorstellig geworden seien, ihr Bauvorhaben am Freibad vorerst ruhen lässtNeben der CSU-Bundestagsabgeordneten Silke Launert (Bayreuth/Forchheim) und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat sich inzwischen auf Initiative der BI auch der Forchheimer CSU-Landtagsabgeordnete Michael Hofmann für einen anderen Standort eingesetzt.

Hofmanns Bemühungen

Hofmann unterrichtete die BI von den jüngsten Entwicklungen. "Nachdem der von der Gemeinde vorgesehene Standort in unmittelbarer Nähe zum neuen Kurpark und dem Höhenschwimmbad auf großen Widerstand in der Bevölkerung stößt, ist nun das gesamte Vorhaben ernsthaft gefährdet. Das wäre für alle Beteiligten schlecht", so Hofmann. Eine Lösung mit dem breitestmöglichen Konsens hält er für nicht ausgeschlossen. "Ich befinde mich im intensiven Austausch mit Vertretern der Telekom, sie sind tragfähigen Alternativen gegenüber aufgeschlossen", teilte Hofmann der BI mit. Er führte aus: "Mehrere Möglichkeiten müssen unter die Lupe genommen werden. Mein Rat ist, sowohl den Standort der Burg als auch das von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Grundstück im direkt angrenzenden Außenbereich näher zu untersuchen. Den Vorzug sollte man der Variante geben, die möglichst viele Telefonanbieter am gleichen Standort berücksichtigen kann. Beim Erhalt des Standortes an der Burg muss sichergestellt sein, dass es gestalterisch in die Landschaft passt und der Denkmalschutz beachtet wird. Da kommt es vor allem auf die konkrete Detailplanung an. Besonderen Charme hätte eine Lösung, die nicht nur für einen Mobilfunkbetreiber passt, sondern möglichst viele Anbieter unter einen Hut bekommt, und mit der das Ortsbild nicht zerstört wird." Der Abgeordnete bot der Bürgerinitiative an, mit der Denkmalschutzbehörde und den weiteren Mobilfunkbetreibern in Kontakt zu bleiben. Den Funkmast in den direkt angrenzenden Außenbereich zu verlegen, sei ein Kompromiss, mit dem alle leben könnten. "Damit wäre auch die überwältigende Mehrheit der Bürger einverstanden", so die Vertreter der Bürgerinitiative, Martin Redel und Ferdinand Haselmeier.

Bedingungen

Die Telekom hält die von der BI und der Gemeinde nun vorgeschlagene Grundstücksalternative aber nur dann für umsetzbar, wenn mit den 23 verschiedenen Grundstückseigentümern eine Einigung über die Errichtung einer dauerhaften Zufahrt durch die Gemeinde erreicht werden kann und wenn die Gemeinde die erheblichen Mehrkosten dafür übernimmt. Denn es muss auf über 800 Quadratmetern Fläche ein befahrbarer Weg für einen Schwerlasttransporter geschaffen werden. Die Mehrkosten für die erneute Planung würde allerdings die Telekom übernehmen. Weitere Voraussetzung für die Telekom ist ein neuer Pachtvertrag zu gleichen Konditionen wie mit der Gemeinde bereits abgeschlossen.

Die Alternative Burg

Die Erweiterung der Anlage auf der Burg Gößweinstein wäre eine weitere Alternative, die der Telekom aber seit Jahren aus denkmalschutzrechtlichen Gründen abgelehnt wurde. Vorteil dieser Variante: Man bräuchte überhaupt keinen neuen Funkmast zu bauen. "Wir sind uns alle einig, dass wir einen Funkmast bekommen müssen. Deshalb wird die CSU/JUF-Fraktion auch dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zustimmen," erklärte deren Sprecher Maximilian Sebald (JUF). "Das Grundstücksangebot kommt nun, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", monierte Bernhard Vogel (SPD). Er erinnerte an die Worte von Zimmermann zum "sozialen Frieden". Vogel sprach von einer "schlechten Performance bei der Willensbildung", durch die nun erhebliche Mehrkosten für die Gemeinde entstehen könnten, wenn die Burg als Alternative ausscheide. "Der Weg dahin gefällt mir überhaupt nicht", betonte Vogel. "Mir wäre es am liebsten, wenn die Mobilfunkanlage auf der Burg ausreichen würde", sagte Konrad Schrüfer (FW), "wenn gar nichts geht, müssen wir aber in den sauren Apfel beißen." Bernhard Vogel und Bruno Beck stimmten gegen die Beschlussempfehlung, dass sich der Markt für eine Erweiterung der Mobilfunkanlage auf der Burg einsetzt, und, falls dies scheitert, die Gemeinde selbst in Eigenregie den Zufahrtsweg zum Alternativstandort baut.