Am Montagmorgen wurden im Sitzungssaal 1 des Amtsgerichts zusätzliche Tische und Stühle benötigt. Denn wo in der Regel eine oder zwei Personen sitzen, nahmen diesmal gleich sieben junge Männer auf der Anklagebank Platz - sechs davon mit Verteidiger.

Der Vorwurf, sie hätten sich während des Annafestes im Juli 2015 an Randalen auf dem Neder-Keller beteiligt, konnte ihnen jedoch nicht nachgewiesen werden. Sechs Verfahren wurden eingestellt, ein Angeklagter aus Österreich aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Einer der beiden Security-Männer, die am Tat-Sonntag im randvollen Keller Dienst hatten und dabei gegen 20.30 Uhr zu Opfern wurden, erinnerte sich: "Als der erste anfing eine Bierbank zu schmeißen, wollten wir eingreifen. Daraufhin standen 20 bis 25 Personen auf und gingen auf uns los."

In der Folge flogen Bierbänke und Krüge in Richtung der Sicherheitskräfte, die zudem beschimpft und bedroht wurden. "Drei bis vier haben sich durch die Masse zu uns durch gekämpft und uns angegriffen", schildert der zweite der beiden Männer, die gerade noch Verstärkung anfordern konnten.


Security verliert Zahn

Der negative Höhepunkt: Während einer der beiden seinen Kollegen vor einem Fußangriff warnte, bekam er selbst einen Faustschlag ab und verlor dabei einen Backenzahn. Kurz darauf trafen weitere Security-Mitarbeiter und Polizisten ein und die Randalierer flohen in den Wald.

Die Polizei nahm sieben Männer, die heute zwischen 20 und 24 Jahre alt sind, fest. Einen Ebermannstadter, einen Bamberger, einen Mann aus dem mittelfränkischen Schwanstetten, zwei Nürnberger sowie je einen Gelsenkirchener und Wiener. Sie sollen sich an der Aktion beteiligt haben und waren deshalb wegen Landfriedensbruchs angeklagt. Der Haupt-Tatverdächtige, der den Sicherheits-Mann verletzte, konnte indes nicht ermittelt werden.


Beratung im Nebenzimmer

Ehe die Verhandlung am Amtsgericht jedoch richtig los ging, verließen Richter Philipp Förtsch, die Staatsanwältin und die sechs Verteidiger den Saal. Das Ergebnis der Beratung: Auf Antrag der Staatsanwaltschaft und unter Zustimmung der Verteidiger wurde das Verfahren gegen die sechs deutschen Angeklagten eingestellt. In drei Fällen wegen Geringfügigkeit (§153 StPO) und dreimal, da eine Strafe gegenüber anderen Vorstrafen nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen wäre (§154 StPO).

Lediglich der Österreicher stimmte dem nicht zu und strebte einen vollumfänglichen Freispruch an. "Ich war zu der Zeit auf einem anderen Keller", sagte der 23-jährige Fan des Fußballvereins Rapid Wien, der eine Fan-Freundschaft mit den Anhängern des 1. FC Nürnberg hat. "Als ich zurückkam, wurde ich einfach so festgenommen."

Zum Namen des Kellers, an dem er gewesen sein will, konnte er aber ebenso keine Angaben machen wie zu der Frage, wie er und sein vorher in Ebermannstadt bei einem der Mitangeklagten geparktes Auto an diesem Abend noch nach Nürnberg kamen. Von dort aus bestieg er am nächsten Tag einen Bus zum Club-Auswärtsspiel in Freiburg. "Ich muss irgendwem meinen Schlüssel gegeben haben."


Rapid-Anhänger und Club-Fans

Zweimal im Monat sei er in Nürnberg, um zusammen mit den Club-Ultras Spiele anzuschauen oder Geburtstage zu feiern. "Da schlafe ich immer irgendwo anders", berichtete der Wiener, der fünf der sechs Mitangeklagten kannte. "Und diesmal gingen wir eben zusammen aufs Annafest."

Dass er sich im Rahmen dieses Fan-Ausflugs aktiv an den Randalen beteiligt hatte, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Zwar war er auf einem Foto zu sehen, das von der Gruppe an diesem Tag im Neder-Keller aufgenommen wurde. Ob dies jedoch zur Tatzeit oder Stunden vorher entstand, blieb unklar.

Und die beiden Security-Männer, die ihn hätten belasten können, kannten ihn nicht. "Ich müsste lügen, wenn ich ihn belasten würde. Wir hatten anderes zu tun, als uns Gesichter zu merken." Einzelne Personen konnten sie auf den Fotos zwar wieder erkennen, nicht jedoch den Österreicher. Die logische Folge: Die Staatsanwältin beantragte Freispruch mangels Beweisen. Richter Förtsch schloss sich dem an, die Kosten der Angeklagten trägt die Staatskasse.