Für den Waischenfelder Kirchenpfleger ist die umfassende Sanierung der Stadtkapelle St. Michael und St. Laurentius in der Sutte fast täglich eine große Herausforderung. Die prunkvolle Kirche mit Ursprung aus dem 15. Jahrhundert wird seit Wochen umfassend restauriert.

Vor allem das Kirchendach musste komplett neu gemacht werden, an dem auch marode Balken ausgetauscht werden mussten. 555 000 Euro sind für die Kirchensanierung veranschlagt, von denen die katholische Kirchenstiftung Waischenfeld 60 000 Euro selbst aufbringen muss. Es ist die größte kirchliche Baumaßnahme seit Jahrzehnten in Waischenfeld.

Mit den ersten Planungen hatte noch Kirchenpfleger Stephan Kellers Vorgänger Baptist Knörl begonnen, der damals die ersten Verhandlungen führte. Für Keller und Lothar Mai, den Bautechniker der Kirchenverwaltung, war dies dringend erforderlich, weil sonst irgendwann das Dach eingestürzt wäre.

Würde Keller als Kriminalbeamter nicht schon in Pension sein, hätte er dies nicht übernehmen können - und auch nicht ohne den Ingenieur Stefan Stenglein vom Kulmbacher Ingenieurbüro Burges und Döring. Wie Keller betont, hätte er ohne diesen Planer, der ständig erreichbar und immer vor Ort sei, wenn er gebraucht werde, wohl schon längst das Handtuch als Kirchenpfleger geschmissen. Stenglein betont, dass er lieber im Hintergrund arbeite und nur seine Arbeit mache.

Zwei Bauabschnitte

Die Instandsetzung der Stadtkapelle in der Sutte gliedert sich in zwei Bauabschnitte, das Langhaus und den Chor mit Dachreiter. Die Arbeiten am Langhaus waren für das zweite Halbjahr 2020 vorgesehen, die Arbeiten am Chor und dem Dachreiter folgen im ersten Halbjahr 2021. Während der Arbeiten, die gut im Zeitplan liegen, erfolgt die Instandsetzung aller geschädigten Holzbauteile der Dachstühle, die Neudeckung aller Dachflächen mit Biberschwanzziegeln und Schiefer, die Erneuerung aller Bleche und sonstige Klempnerarbeiten, Natursteinarbeiten in geringem Umfang, Bohr- und Pressarbeiten sowie der Neuanstrich und die Putzausbesserung im Außenbereich.

Risse in der Stuckdecke

Weiterhin werden die Elektroleitungen im Dach sowie der Schallluken am Dachreiter erneuert. Im Kircheninneren muss die Stuckdecke, die einige Risse aufweist, teilweise ausgebessert werden. Außerdem sind kleinere Maurer- und Malerarbeiten nötig wie das Neueinputzen und Sichern der Außentüren.

Drei prunkvolle Altäre

Die drei prunkvollen Altäre werden von Stephan Keller und seinen Helfern in Eigenregie gereinigt. Um die 60  000 Euro Eigenleistung der Kirchenstiftung stemmen zu können, sind auch weitere Spenden erforderlich. Bisher spendeten die örtlichen Banken Sparkasse und Raiffeisenbank jeweils 1000 Euro. Den Hauptanteil der Sanierungskosten trägt das Erzbistum Bamberg. Weitere Fördergeber sind das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Bayerische Landesstiftung, die Oberfrankenstiftung, der Landkreis Bayreuth und die Stadt Waischenfeld. In der Klärung ist noch, ob die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auch etwas dazugibt.

Aus der Geschichte

Aus der Geschichte geht hervor, dass die Kirche als Dank dafür errichtet wurde, dass Waischenfeld von der Pest verschont blieb. 1482 wird die Stadtkapelle, die von den Ausmaßen her eher als Stadtkirche bezeichnet werden könnte, erstmals erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) soll sie total ruiniert dagestanden haben. 1632 wurde die Kirche bis auf den Chor zerstört, im 17. Jahrhundert dann wieder errichtet, der Westgiebel 1701.

Bis auf den dreiseitig geschlossenen Chor (um 1641 erbaut) errichtete man die Kapelle in jetziger Form von 1699 bis 1701 unter Leitung von Pfarrer Kohler mit Unterstützung des Bürgermeisters Michael Hofmann und Hilfe der Waischenfelder Bürger. Die stimmungsvolle Ausstattung stammt in der Hauptsache aus der Werkstatt des Oberpfälzer Kunstschreiners und Bildhauers Johann Michael Doser (1678 bis 1756). Unter Leitung von Pfarrer Pieger ist die Kapelle 1939 restauriert und die doppelstöckige Empore gegen die jetzige ausgetauscht worden. In den 1970er Jahren bekam das Gotteshaus einen neuen Anstrich, und nun wird es generalsaniert.