Ernst König aus Unterleinleiter ist Gemeinderat mit Leib und Seele und auch der Rechtsexperte, wenn es in den Gemeinderatssitzungen in Unterleinleiter um Bau- und Umweltrecht geht. 2014 zog König erstmals für die DWV in den Gemeinderat ein und wurde in diesem Jahr mit großer Stimmenmehrheit erneut in das Gremium gewählt. König ist auch Vorsitzender Richter der zweiten Kammer des Verwaltungsgerichts Bayreuth. "Die Mitwirkung im Gemeinderat, zu der mich mein verstorbener Nachbar Fritz Trautner motiviert hat und für die mir die ,Laderer' ihr Vertrauen geschenkt haben, eröffnet mir als Privatperson in der kommunalen Selbstverwaltung ein neues Blickfeld, in das ich mein berufliches Wissen gerne einbringe", sagt König. Dass er einer der höchsten Richter am Verwaltungsgericht Bayreuth ist, tut dabei für den verheirateten Familienvater zweier erwachsener Kinder nichts zur Sache. Den gebürtigen Mittelfranken aus dem Landkreis Weißenburg/Gunzenhausen verschlug es einst in das beschauliche Unterleinleiter, weil seine Frau eine waschechte ,Laderin' ist. "Meine Arbeit in unserer kleinen Gemeinde empfinde ich als sachorientiert und wohltuend unpolitisch", meint König, für den auch die Mitarbeit im Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde und im Vorstand des Schulfördervereins eine Herzensangelegenheit ist. "Ich schätze die Vielfalt der Fränkischen Schweiz und lebe gerne in einer Region, in der andere Urlaub machen", bekennt Ernst König. Am 1. Oktober wurde König, der Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof war, zum Vorsitzenden Richter am Verwaltungsgericht Bayreuth ernannt. Die Ernennungsurkunde erhielt er vom Präsidenten des Verwaltungsgerichts, Thomas Boese.

Studium in Erlangen

Nach Studium und der Referendarszeit in Erlangen und Nürnberg trat König 1992 in den bayerischen Staatsdienst ein. Auf seine Zeit als Proberichter am Verwaltungsgericht Ansbach folgten mehrjährige Stationen im Bayerischen Staatsministerium des Innern in München, am Landratsamt Dachau und bei der Autobahndirektion Nordbayern in Nürnberg. 2004 wechselte er an das Verwaltungsgericht Bayreuth und war im kommunalen Abgabenrecht sowie im Bau- und Umweltrecht tätig. 2014 führte ihn der Weg an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, wo er sich in München und Ansbach mit dem Verkehrsrecht und dem Ausländerrecht beschäftigt hat. Als neuer Vorsitzender der zweiten Kammer des Verwaltungsgerichts Bayreuth befasst sich König wieder mit dem Bau-und Umweltrecht sowie dem Asylrecht.

Auch als Güterichter tätig

Gemeinsam mit drei seiner Richterkolleginnen ist er auch als Güterichter tätig. "In speziellen Güterichterverfahren helfen wir, dass die Beteiligten in Gesprächen einvernehmliche Lösungen entwickeln. Mit einer Einigung ist dem Rechtsfrieden häufig mehr gedient als mit einer streitigen Entscheidung. Denn nach einem Urteil liegt die Zufriedenheit zwangsläufig nur bei maximal 50 Prozent. Ich habe meinen Beruf aus nahezu allen Perspektiven kennenlernen dürfen und sehe die Verwaltungsgerichtsbarkeit als Kontrollinstanz zwischen dem Einzelnen und der Verwaltung durch Staat und Kommunen", erläutert König.

Sein ungewöhnlichster Fall

Sein bisher ungewöhnlichster Fall als Verwaltungsrichter noch beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof befasste sich mit einer Ehescheidung aus Indien. Diese konnte der Kläger nur mit einem handgeschriebenen Blatt Papier belegen. In mühevoller Kleinarbeit konnte herausgefunden werden, dass für den Fall indisches Eherecht gilt, eine Ehescheidung nach örtlichem Gewohnheitsrecht vor den Dorfältesten möglich ist und nach indischem Recht auch von der indischen Justiz als wirksam anerkannt wird. Das einfache Papier belegte letztlich eine rechtsgültige Scheidung. "Das kleine Beispiel zeigt, mit welcher Vielfalt an Fragen sich die Bayerische Verwaltungsgerichtsbarkeit zu beschäftigen hat", legt König dar.