Die Bürgerinitiative (BI) "Standortalternative Funkturm Gößweinstein" läuft weiter Sturm gegen den Funkmaststandort der Telekom am Höhenschwimmbad Gößweinstein. Inzwischen wurden 500 weitere Unterschriften gegen diesen Standort gesammelt, die am Dienstagvormittag zusammen mit einem offenen Brief durch Ferdinand Haselmeier und Martin Redel im "Haus des Gastes" an Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) übergeben wurden.

Ein längeres Gespräch zwischen den Vertretern der BI und dem Bürgermeister fand anschließend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Über dieses Gespräch wurde laut Haselmeier dann Geheimhaltung vereinbart. Bürgermeister Zimmermann war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Aus dem Rathaus verlautete, dass der Bürgermeister zu zahlreichen Terminen außer Haus sei.

"Gemeinde hat sich über die Interessen und das Wohl ihrer Bürger hinweggesetzt"

Der offene Brief richtet sich auch an die Marktgemeinderäte. Zwischenzeitlich, so die Standortgegner, habe die Gemeinde das Grundstück unmittelbar neben dem Freibad bereits an die Telekom verpachtet. Über den Bauantrag für den Funkmast ist offenbar aber vom Bauausschuss noch nicht entschieden worden. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Bauantrag jedoch bereits im Juni eingegangen sein und hätte innerhalb von drei Monaten behandelt werden müssen. Die BI fordert in ihrem offenen Brief nach wie vor eine Standortverschiebung an den Waldrand in nördliche Richtung. Damit sei, so heißt es in dem Brief, eine überwältigende Mehrheit der Bürger einverstanden.

"Das alles wäre vermeidbar gewesen, hätte die Gemeinde vor der Entscheidung die Diskussion mit den Bürgern gesucht. Mit der geheimen und voreiligen Abstimmung über den Standort und die Verpachtung an die Telekom hat sich die Gemeinde über die Interessen und das Wohl ihrer Bürger hinweggesetzt", kritisiert die BI. Und weiter heißt es: "Eine Gemeinde, die gegenüber den betroffenen Bürgern nicht transparent und offen ist, handelt nicht mehr zeitgemäß. Und gerade deshalb entwickeln sich Konflikte und Probleme, die das Vertrauen der Bevölkerung zu ihren gewählten Vertretern beschädigt. Die Hauptaufgabe, einen Kompromiss mit dem Netzbetreiber zu erreichen, liegt allerdings nun bei der Gemeinde, da die Telekom nach unseren Informationen kein Interesse daran hat, die Mehrkosten für die Baustraße zum Alternativstandort zu tragen. Diese Mehrkosten liegen ursächlich in der oben genannten unverantwortlichen Vorgehensweise der Gemeinde."

Die Bürger führen die Gesundheit und das Ortsbild als Gründe gegen den vorgesehenen Standort an. Denn die Folgen einer gepulsten Dauerbestrahlung durch Elektrowellen" würden erst in ferner Zukunft und dann nur schleichend erkennbar sein. So jedenfalls die Meinung der Standortgegner. Das Ortsbild von Gößweinstein ist neben der herrlichen Landschaft geprägt von ihren Wahrzeichen, der Burg und der Basilika. Mit der Errichtung eines 45 Meter hohen Funkturmes würde die Harmonie des Landschaftsbildes um Gößweinstein erheblich gestört und beeinträchtigt, und das auf viele Jahrzehnte, meint die BI. Es verstehe sich daher von selbst, dass dieses für den Tourismus so attraktive Erscheinungsbild nicht beschädigt werden dürfe.

Negativbeispiel aus Pretzfeld

Ein Negativbeispiel, wie man ein Ortsbild dauerhaft schädigen könne, sei der zwischenzeitlich abgerissene Baywa-Turm in Pretzfeld gewesen. "Es ist befremdlich, dass die mit der Verpachtung verbundenen Einnahmen im Vordergrund stehen und über die Gesundheit und schädliche Einflüsse - insbesondere für Kinder im Freibad, Kindergarten und unmittelbare Anwohner - nicht ein Wort verloren und der Standort stillschweigend in Kauf genommen wird", schreiben die Gegner weiter.

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Außerdem wäre es aus ihrer Sicht fahrlässig, nicht aus den Fehlern zu lernen, eine mögliche und finanzielle überschaubare Alternativlösung nicht zu unterstützen und als Bürgervertreter bewusst die beschriebenen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürger und das Ortsbild zu ignorieren.