Forchheim Kunst darf polarisieren, das gehört zu ihren Aufgaben. Dass aber der Zeitbrunnen die Gemüter spaltet, seit er 2002 auf dem Forchheimer Bahnhofsplatz installiert wurde, hat gar nichts mit der inhaltlichen Aussage dieses Kunstwerkes zu tun. Es ist vielmehr die schlecht funktionierende Technik des Brunnens, die im Laufe der Jahre immer wieder zu Debatten geführt hat.

Seit Stadtrat Reinhold Otzelberger (CSU) bei den Etatberatungen vorgeschlagen hat, das Werk des Forchheimer Künstlers Harald Winter mit einer neuen Pumpe und einer neuen Zeitschaltung auszustatten, ist die Debatte wieder entbrannt. Es geht darum, wer für die Finanzierung aufkommt.

Gut 10 000 Euro sind nötig, um den Brunnen am Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) funktionstüchtig zu machen. Da der Heimatverein, der den Brunnen vor 17 Jahren der Stadt geschenkt hatte, die Hälfte der Kosten übernehmen werde, stünde es der Stadt "gut zu Gesichte", 5000 Euro beizusteuern, meint Otzelberger. "Immerhin handelt es sich hier um ein markantes Kunstwerk am Eingang der Stadt."

Für die Wartung und Pflege des Brunnens ist der städtische Bau- und Grünbetrieb zuständig. Walter Mirschberger, Leiter des Grünbetriebs, sagt, die Steuerung des Brunnens sei "in den letzten Jahren komplett ausgefallen". Der Kern des Problems liege in den hochempfindlichen Magnetventilen, meint Klaus Bartosch, der Leiter des Bauhofes. Das kleinste Schmutzteilchen im Wasser führe dazu, dass die Ventile "zumachen".

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), Stefan Schick (FDP) und Gerhard Meixner (FGL) machten vergangene Woche im Finanzausschuss keinen Hehl daraus, dass sie weitere Investitionen in den Brunnen ablehnen. Er sei nur selten gelaufen, sagte Kirschstein und deutete an, dass es ausreiche, wenn der Brunnen-Charakter des Kunstwerkes betont werde und nicht der Zeit-Charakter. Mit anderen Worten: Dem Oberbürgermeister würde es genügen, wenn der Brunnen durch sprudelndes Wasser als Brunnen erkennbar wäre. Die komplexe Technik, die dafür sorgt, dass die 24 unterschiedlich großen Stelen über die Ausschüttung des Wassers die Zeit anzeigen, wäre demnach überflüssig. Insgesamt sechs Monate sei der Brunnen in all den Jahren gelaufen, schätzt Gerhard Meixner. Dieses "Danaergeschenk des Heimatvereins" sei eine "Fehlkonstruktion", die aufzurüsten, er ablehne.

"Der Zeit-Charakter muss in das Kunstwerk mit einfließen", fordert dagegen Ludwig Preusch (FW). Und auch Udo Schönfelder und Hans-Werner Eisen (beide CSU) wollen den Winter-Brunnen in seiner ursprünglichen Idee und Form: Die ablehnenden Argumente seien ein "Armutszeugnis", kritisierte Eisen. Mehrheitlich zeichnet sich eine "ganzheitliche Lösung" (Udo Schönfelder) ab. Letztlich muss der Stadtrat entscheiden, ob er dem Vorschlag des Finanzausschusses folgen will. Demnach würden 13 000 Euro in den Brunnen investiert. 5000 Euro übernähme der Heimatverein. Teil des städtischen Engagements wäre es, den Zeitbrunnen künftig zwei mal pro Jahr warten zu lassen. Die Kosten pro Wartung schätzt Bauhof-Chef Bartosch auf 700 Euro.