Mit feinen Bleistift-Strichen hält Akulov Maxim die herbstliche Szene aus der Forchheimer Innenstadt fest: Passanten flanieren vor der Fachwerk-Fassade des Magistratsbaus zwischen historischem Rathaus und Martinskirche. Die Gelegenheit, diesen Anblick zu verewigen, wollte sich der Bamberger Künstler nicht entgehen lassen.

"Auf der Vorderseite des Rathauses ist ja bereits eine Riesenbaustelle, von daher habe ich mir diesen Standort ausgesucht", erklärt Maxim. Dafür war er sich nicht zu schade, die Staffelei unweit der öffentlichen Toiletten aufzubauen. "Wir Künstler sind immer da, wo das Leben spielt", scherzt der akademisch ausgebildete Maler.

Am Montag, 2. November, sollte damit begonnen werden, das Forchheimer Rathaus für die Sanierung einzurüsten, hatte die Stadt Forchheim mitgeteilt. Am Nachmittag war von einer Einrüstung noch nichts zu sehen. Deswegen nutze der Bamberger Maler die Chance, die Fachwerk-Kulisse zu malen, bevor sie verhüllt wird.

Aus Liebe zur Kunst nach Franken

Regelmäßig ist Maxim mit seiner Staffelei samt Malutensilien in Forchheim unterwegs. Der 28-Jährige kommt ursprünglich aus Sibirien. Seine Kunstleidenschaft hat Maxim nach Franken verschlagen. Von 2015 bis Februar 2019 studierte der gebürtige Russe Kunstgeschichte in Bamberg. Der Maler Maxim ist begeistert von den Ansichten fränkischer Städten wie Forchheim. "Ganz Franken gibt tolle Motive ab. Die Innenstädte haben ihr ursprüngliches Aussehen ja fast komplett erhalten nach dem Krieg. Viele Ecken strotzen deshalb vor Mittelalter, Gotik oder Barock. Das ist ein Traum, hier in Franken als Künstler tätig zu sein", schwärmt der Maler.

Der studierte Kunsthistoriker zeigte als Stadtführer mitunter Touristen die schönsten Ecken der Domstadt Bamberg. Heute ist der 28-Jährige hauptsächlich als Kunstdozent tätig. Akulov Maxim unterrichtet nicht nur an der Volkshochschule in Bamberg, sondern auch Schulkinder am Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen und seit diesem Schuljahr auch am Herdergymnasium in Forchheim.

Malen hilft in schwierigen Zeiten

Der Maler meint: "Kunst ist gerade jetzt wichtig. Malen hilft auch auf jeden Fall in schwierigen Zeiten. Es ist eine schöne Ablenkung. Das Wichtigste liegt darin, dass man sich nicht ständig auf die schlechten Gedanken konzentrieren sollte. Ich bin froh, mit meinem Unterricht und meiner Kunst die Leute erfreuen zu dürfen. Sie haben zu Hause genug Probleme. Ein schöner Teil meiner Arbeit ist es, Menschen abzulenken und ihnen dadurch ein bisschen helfen zu können."

Während der Corona-Pandemie habe der Kunstdozent außerdem gemerkt, wie wichtig das Schulwesen sei. Der erste Lockdown sei eine schwierige Zeit gewesen. "Es ist ganz wichtig, dass auch die Kinder immer etwas zu tun haben", appelliert der 28-Jährige.

Nachdem Maxim die Forchheimer Rathaus-Szene mit Bleistift vorgezeichnet hat, wird er sein Kunstwerk mit Wasserfarben kolorieren. Die unterrichtsfreie Zeit während der Herbstferien nutzt der Maler derzeit, um die schönen Ecken Frankens künstlerisch festzuhalten.