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Forchheim
Gastronomie

Franken verliert ein Unikat: "Freddys Bar" schließt für immer

Das coronabedingte Aus für das Annafest vermiest Freddy Winkler die geplante Abschiedsparty. Mit "Freddys Bar" verliert die Veranstaltung im Kellerwald eines ihrer Unikate.
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Nachdenklich sperrt Freddy Winkler das Fachwerkhäuschen von Freddys Bar zu.  Foto: Leo Hühnlein
Nachdenklich sperrt Freddy Winkler das Fachwerkhäuschen von Freddys Bar zu. Foto: Leo Hühnlein
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Pfingstsamstag im Forchheimer Kellerwald, kurz nach 13 Uhr. Das Leben kehrt nach Wochen der Entbehrung langsam auf die Plätze unter dem schattigen Blätterdach zurück. Auf einigen der grün gestrichenen Bänke und Tische prosten sich Besucher zu und stoßen mit den Steinkrügen an, als wäre es immer so gewesen. Freilich unter Einhaltung der Auflagen.

Die Ära begann 1985

Nicht weit davon entfernt, mittig zwischen Eichhorn- und Nederkeller, geht eine Ära zu Ende, die 1985 mit einer Holzbude nahe der "Lützelberger-Kurve" am Aufgang zu den oberen Kellern begann. Nachdenklich sperrt Freddy Winkler das Vorhängeschloss der Tür am Fachwerkhäuschen von "Freddys Bar" gegenüber des Hofmanns-Kellers zu, es wird eines der letzten Male sein.

"Wenn man 35 Jahre ein Teil des Annafestes war und jetzt fast still und leise verschwinden muss, geht einem das schon ein wenig nahe. Die Corona-Krise hat mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht." Am diesjährigen Annafest sollte nach dem Kehraus am Montag für Stammgäste und Geschäftskunden die gesamte Zeche im Rahmen einer Riesenabschiedsparty frei sein. Ein Fest mit Pauken und Trompeten war geplant, so wie es der einstige Party-Löwe schon immer gerne hatte und wodurch er beim Forchheimer Kneipenpublikum Legendenstatus erreichte.

Über die Jahre im Kellerwald seien richtige Fan-Freundschaften gewachsen, erzählt der 62-Jährige stolz: "Aus Frankfurt, Hannover, München und dem restlichen Deutschland kamen inzwischen zu Stammgästen gewordene Besucher. Eine Gruppe feierfester Männer aus Steinheim nahe Augsburg hatte sich für das Annafest 2020 extra signalrote T-Shirts machen lassen, auf deren Ärmel zu lesen steht: Bei Fund dieser Person bitte an Freddys Bar abgeben."

Schon als Freddy Winkler am 2. April 1984 (damals noch im Fachwerkhäuschen in der Eisenbahnstraße) den "Schlawiner" eröffnete, wurde der Slogan "Are you ready for Freddy?" zum geflügelten Wort bei Forchheims Kneipengängern. Bereits zuvor, als Geschäftsführer der Bierkneipen "Légère" und "Biwak", veranstaltete der gewiefte Wirt lange vor anderen Beachpartys mit Sandstrand unter dem aufblasbaren Plastikpool. Als er die Kultkneipe am 28. Februar 2013 nach 29 Jahren schloss, kannte man ihn eigentlich nur noch als "Schlawiner-Freddy".

Nachdem Winkler nach 24 Jahren in der Holzbude am Annafest 2009 in die Hütte neben dem Musikpodium auf den oberen Kellern einzog, hatte das vorwiegend jüngere Annafest-Publikum die Location samt Außengelände schnell als In-Treff ausgemacht. In Stoßzeiten kamen Gäste nur noch mit Eintrittskarten auf das Areal, der (jetzt ehemalige) Chef positionierte schon vor den Anordnungen zu behördlichen Sicherheitsauflagen Türsteher am Treppenaufgang, weil der Andrang manchmal so groß war.

Party für Partner fällt aus

Das ist nun alles vorbei, bilanziert der baldige Ruheständler mit Wehmut: "Mir tut es vor allem in der Seele weh, dass ich vielen meiner Stammgäste nicht mehr persönlich Lebewohl habe sagen können. Auch den Geschäftspartnern, wie Harry Wolf von der Getränkefirma Kistner, wollte ich mit der Party für all die Jahre der Partnerschaft danken." Er habe sogar probiert, den heuer auslaufenden Vertrag mit den Besitzern vom Hofmanns-Keller um ein Jahr zu verlängern, um den verpassten Abschied im kommenden Jahr nachzuholen, doch deren Planungen lassen dies nicht zu, sagt der gebürtige Heroldsbacher:

"Das Kellerhäuschen soll von Grund auf saniert und umgebaut werden. Soweit ich es mitbekam, soll es dann ganzjährig bewirtet werden. Dafür sind schon Termine mit den ausführenden Firmen abgesprochen, deswegen muss ich sofort Schluss machen." Er schiebt nach, dass in seiner Entscheidung auch gesundheitliche Gründe mitspielten: "Im vorigen Herbst bekam ich eine neue Hüfte eingesetzt und jetzt schmerzt schon länger das Knie, so dass mir auch hier eine OP droht."

Achselzuckend geht Winkler die Treppenstufen der Kellerhütte hinab und verabschiedet seine treue Mitarbeiterin Marina Walz, die ihn viele Jahre als Bedienung begleitete. Sie ging ihm auch an diesem Vormittag beim Ausverkauf des Ausschankinventars zur Hand, der in den sozialen Netzwerken angekündigt wurde und ganz gut lief, wie Winkler sagt: "Es standen schon um 11 Uhr einige Leute da, darunter einige meiner Stammgäste. Sie haben sich vor allem Erinnerungsstücke geholt, aber auch die meisten Kühlgeräte sind bis auf eine Kühltruhe weg."

Außer ein paar schmucken Blechschildern, wie sie in Bierkneipen üblich sind, sei nichts mehr da und die können sich Interessierte per Kontakt über seine Facebook-Seite noch holen.