Keller-Saison in Forchheim steht in den Starlöchern: Schon bald könnten auf den Forchheimer Kellern die ersten Gäste für dieses Jahr sitzen. Die von der Politik beschlossenen Corona-Lockerungen freuen viele Wirte sehr. "Es ist toll, eine Aussicht zu haben", sagt beispielsweise Matthias Erlwein vom Glocken-Keller im Forchheimer Kellerwald. Die neuen Corona-Regeln im Freistaat Bayern gelten ab kommenden Montag (10. Mai 2021). Für die Gastronomie heißt es dann: Sofern die Inzidenz stabil bei unter 100 liegt, dürfen in der Außengastronomie bis 22 Uhr Personen mit negativem Test oder vollständig erfolgter Impfung empfangen werden. 

Stabil bedeutet aktuell, dass eine Inzidenz von 100 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten werden muss. Dann können die jeweiligen Landratsämter die Lockerungen verkünden, die dann am übernächsten darauffolgenden Tag - also am siebten Tag nach der ersten Unterschreitung des Inzidenzwertes - greifen. Wird der Wert von 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten, gelten ab dem übernächsten Tag wieder verschärfte Maßnahmen, wie das Bayerische Staatsministerium erklärt und es in der Zwölften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung festgehalten ist.

Kellerwald Forchheim: So stehen die Wirte zu den möglichen Öffnungen

Die Inzidenz in Forchheim lag am Donnerstag (6. Mai 2021) mit 87,8 seit längerer Zeit erstmalig wieder unter 100. Die Lockerungen könnten, sofern der Wert die nächsten vier Tage ebenfalls unter 100 liegt, also frühestens am Donnerstag (13. Mai 2021) in Kraft treten. Am Freitag (7. Mai 2021) weist der Landkreis Forchheim einen Corona-Wert von 86,1 auf. 

Ob die Keller wirklich öffnen, obliegt letzten Endes jedem Wirt persönlich.

Die Freude der Bierkeller-Inhaber über die kurzfristige Öffnungserlaubnis wird gleichwohl auch von Unsicherheiten begleitet. Gegenüber inFranken.de haben sich fünf Forchheimer Kellerbetreiber zu den möglichen Öffnungen geäußert. Die Wirte verraten, ob sie schon bald wieder Gäste empfangen werden.

Glocken-Keller-Pächter: "Ich habe spontan einen riesigen Fragenkatalog im Kopf"

"Generell freuen wir uns natürlich, dass es zumindest mal eine Aussicht gibt", erklärt Matthias Erlwein vom Forchheimer  Glocken-Keller. Es gebe endlich eine Perspektive. "Das Problem dabei ist nur: Aktuell kann keiner sagen, wie das funktionieren soll." Wie allein der organisatorische Aufwand bewältigt werden soll, kann sich Erlwein noch nicht so recht vorstellen. "Da kommen dann Gäste, die sind vielleicht genesen und geheilt, geimpft oder getestet." Wie Kontrolle und Datenerfassung funktionieren sollen, ob man zum Beispiel auf die Luca-App zurückgreifen könne, erschließt sich ihm noch nicht genau.

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"Ich habe spontan schon einen riesigen Fragenkatalog im Kopf - mit bestimmt 30 bis 40 Fragen", meint Erlwein. Ob sein Personal sich dann auch täglich testen lassen müsse, sei eine weitere davon. "Diese Fragen kann mir aktuell keiner beantworten. Aber man will ja auch nichts falsch machen." Er habe seine ausgearbeiteten Konzepte aus dem vergangenem Jahr noch bereit. "Aber ob wir die einfach so übernehmen dürfen, wissen wir auch noch nicht."

Trotz all der offenen Fragen und Unsicherheiten freut sich Erlwein über die mögliche Öffnung seines Glockenkellers. "Es ist toll, eine Aussicht zu haben", erklärt er. Ihm ist klar: "Wenn wir dürfen, machen wir den Keller auf - die Voraussetzungen sind eben wichtig." Seine Mitarbeiter stünden jedenfalls bereits in den Startlöchern.

Schindler-Keller: Betreiberin fordert "Teststation vor Ort"

Birigt Hempel vom Schindler-Keller ist sich ebenfalls ganz sicher: "Wenn möglich, werde ich öffnen!" Auch sie freue sich insgesamt natürlich sehr - "immerhin waren wir jetzt ein halbes Jahr sozusagen im Ruhestand." Trotzdem hat auch sie Zweifel: "Im Moment bin ich mehr verunsichert als sicher, weil trotzdem alles noch nicht so richtig klar ist." Auch sie stellt sich vor allem Fragen zum allgemeinen Corona-Konzept und dessen Umsetzung.

Was ihr aber ebenfalls große Sorgen bereite, sei die Unterscheidung in Geimpfte und noch nicht geimpfte Personen. "Vor allem viele junge Leute hatten noch gar nicht die Chance, sich impfen zu lassen, weil sie einfach noch nicht dran sind." Ein Besuch auf dem Bierkeller erfolge oft spontan, vielleicht auch an einen Ausflug in die Umgebung geknüpft. Dass dann jemand extra davor noch zu den Forchheimer Testzentren fahre, bezweifelt sie.

Hempel hat jedoch auch bereits eine mögliche Lösung für dieses Problem im Kopf: "Es ist ganz klar, wir brauchen eine Teststation vor Ort." Möglich sei ein mobiler Testbus für den Kellerwald. "Eine Testmöglichkeit wäre schon wichtig. Die Leute brauchen ja einen negativen Test", erklärt sie. Trotz aller Bedenken besteht in einer Sache aber auch für Hempel kein Zweifel: "Wenn wir öffnen dürfen, dann werden wir öffnen."

Neder-Keller-Betreiberin skeptisch: "Das hat letztes Jahr schon so viel Ärger gegeben"

Auf dem Forchheimer Neder-Keller sieht die Stimmung aktuell etwas anders aus: "Das muss ich mir erst mal anschauen", erklärt Carola Bernklau. Sie könne sich noch nicht vorstellen, wie das alles gehen solle - und dazu noch wirtschaftlich sein könne. "Wir haben letztes Jahr schon wesentlich mehr Personal gebraucht - für die Reinigung, Desinfektion und allein für die Kontaktdatenerfassung." Bei der Erfassung der Daten habe es letztes Jahr auch schon Ärger gegeben: "Leute haben ihre Adresse nicht angeben wollen oder wollten die Masken nicht aufsetzen."

"Ich habe letzten Sommer einfach nichts verdient", sagt Bernklau. "Ich werde mir das jetzt erst mal alles anschauen - auch, wie meine Kollegen das lösen." Auch sie werde zunächst alles ein bisschen austesten. Außerdem plant der Neder-Keller einen Umstieg auf Selbstbedienung. Für die Betreiberin bedeutetet dies Neuland. "Das habe ich auch noch nie gemacht", erklärt Bernklau. "Das alles kam jetzt auch einfach ein bisschen plötzlich."

Von daher könne sie auch aktuell noch gar nicht sagen, ob sie die Gelegenheit nutzen und aufmachen werde. Was Bernklau indes schon weiß, ist Folgendes: Selbst, wenn die Inzidenzen in Forchheim so niedrig bleiben, dass eine Öffnung des Neder-Kellers möglich ist - "nächste Woche werde ich sicher noch nicht aufmachen."

Eichhorn-Keller: Wirt ist dankbar - "Freue mich, wenn ich wieder kochen darf"

Bruno Alberti vom Eichhorn-Keller ist dagegen sehr zuversichtlich: "Ich bereite alles vor. Und wenn alles passt und wir dürfen, machen wir auf!" Er freut sich sehr, dass er dann erstmals seit November seinen Biergarten womöglich endlich wieder aufmachen darf. "Dass ich mein Geschäft betreiben kann. Und kochen. Ich bin gelernter Koch und freue mich, wenn ich wieder kochen darf"

Er warte zwar noch auf ein Konzept, wie man alles umsetzen könne - eigentlich hat Alberti jedoch schon ganz genau im Kopf, wie eine Öffnung aussehen könnte. "Alles schriftlich notieren, Reservierungen annehmen und Plätze verteilen. Wie letztes Jahr eben auch", erzählt er.

Seine Herangehensweise: Man müsse eben die Inzidenzen abwarten. Aber er hoffe sehr und gehe davon aus, dass am Vatertag endlich wieder geöffnet werden kann. "Und wenn wir können, dann ja, dann werden wir den Biergarten endlich wieder aufmachen."

Schlößla-Keller: Planung stellt Gastronomie vor große Herausforderungen

"Grundsätzlich ist es bei den Öffnungen vor allem schwierig, mit dem Essen zu planen", erklärt Ramo Bajric vom Forchheimer Schlößla-Keller. "Du kaufst alles ein. Dann steigt unverhofft die Inzidenz. Und dann müssen wir plötzlich wieder zu machen. Auf dem Essen bleiben wir dann sitzen." Die ganze Planung und Organisation stelle die Gastronomie vor große Herausforderungen. 

Auf die Frage, ob sein Schlößla-Keller bei der nächsten Gelegenheit öffnen werde, fällt seine Antwort trotzdem eindeutig aus: "Selbstverständlich", sagt Bajric. Eine Öffnung für Personen mit negativem Test oder erfolgter Impfung befürworte er auf jeden Fall. Am Tag der Arbeit (1. Mai 2021) sei er auf dem Keller gewesen, um sauberzumachen: "Bestimmt 20 oder 30 Leute haben beim Vorbeigehen nach Bier gefragt."

Deshalb wolle er außerdem am Wochenende einen "Bierverkauf to go" anbieten, auch mit dem Ordnungsamt sei das schon abgesprochen. Auf eine Öffnung mit Sitzgelegenheiten freue er sich jedoch noch mehr: "Vielleicht braucht man durch die Schutzkonzepte dann ein bisschen mehr Zeit und Geduld - aber lieber Geduld, als gar nichts!"

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