In Deutschland wird ein Hitzerekord nach dem anderen geknackt. Die Dauerhitze macht sich neben vollen Schwimmbädern und langen Schlangen vor der Eisdiele auch am Arbeitsplatz bemerkbar. Wenn die Temperaturen die 40-Grad-Marke anpeilen, werden im Büro eilig die Jalousien heruntergefahren und die Ventilatoren aufgestellt. Und trotzdem wird dann häufig geschnauft, was für eine Hitze doch herrsche. Darüber können andere Arbeiter wohl nur schmunzeln, weil sie viel extremere Bedingungen gewohnt sind.

Sonnencreme vom Chef gestellt

Für die Arbeiter des Forchheimer Bauhofes gibt es keinen Ventilator, allenfalls weht mit etwas Glück ein laues Lüftchen. Häufig werden bei diesem trockenen und warmen Wetter Asphaltierungsarbeiten durchgeführt. Dann ist es für die Arbeiter extrem fordernd und schweißtreibend, wenn der flüssige Asphalt mit etwa 200 Grad ins Gesicht glüht.

Momentan finden diese Arbeiten zur Freude der Angestellten aber nicht statt: "Viele unserer Bauhofmitarbeiter sind im Bereich Kellerwald bei den Vorbereitungen zum Annafest eingesetzt", sagt Bauhofleiter Klaus Bartosch. "Die armen Kollegen, die sich außerhalb des Waldes aufhalten müssen, schützen sich mit Kopfbedeckungen wie Hüte oder Mützen." Zum Schutz vor der herunter brennenden Sonne wird ihnen Sonnencreme zur Verfügung gestellt, sagt Bartosch.

Damit der Kreislauf bei der körperlich anstrengenden Arbeit nicht schlapp macht, sind flexible Pausen im Schatten und viel Flüssigkeit unerlässlich. "Zum Trinken steht Wasser bereit", versichert er. Bis jetzt haben sich diese Maßnahmen selbst bei großer Hitze stets bewährt. "Wir hatten draußen noch keine gesundheitlichen Probleme", sagt der Bauhofleiter und fügt mit einem Lachen hinzu: "Das sind alles erprobte Open-Air-Arbeiter."

Mit Thermokleidung ins Kühllager

Zu heiß wird es den Lagermitarbeitern der Spedition Pohl in Kersbach im Kühllager gewiss nicht. Statt Sonnenhut gibt es eine Wollmütze, mitsamt dicken Handschuhen und Thermojacke. Dreimal täglich etwa schaut Lagerleiter Ralf Hofmann in den "Kühlschrank", wie er das Lager nennt. Das komplette Sortiment im rund 7000 Quadratmeter großen Lagerraum ist nämlich Kühlware, die mit zwei bis sechs Grad geliefert wird. Damit die Kühlkette bewahrt bleibt, herrschen in der Halle konstant unter sechs Grad und es wird rund um die Uhr gearbeitet.

Temperaturgefälle von 30 Grad

Das Temperaturgefälle von etwa 30 Grad Celsius bereitet den wenigsten Angestellten Sorgen. Ganz im Gegenteil: "Bei diesen Temperaturen freuen sich die meisten schon auf den Schichtbeginn, wenn es drinnen schön kühl ist", sagt Hofmann.

Auch andere Mitarbeiter, beispielsweise aus der Verwaltung, kommen gerne für einen kurzen Frischekick in die Kühlhalle. "Mit Sommerkleidung hält man es aber vielleicht ein bis maximal zwei Stunden aus", erzählt er. "Das wäre ja so, als würde man im Winter mit kurzen Sachen draußen herumlaufen."

Ein regulärer Arbeitstag mit acht Stunden ohne die gestellte Thermokleidung ist für einen Schichtarbeiter nicht machbar. Und wenn doch jemand mit kurzer Hose durch die Lagerhalle läuft, dann ist das garantiert ein Lieferant - oder ein Anfänger. "Gerade die neuen Kollegen unterschätzen die sechs Grad am Anfang", weiß der Lagerleiter.

Besteht ein Hitzeschlag-Risiko?

Aber was ist, wenn es raus in die Pause geht und die Temperaturen von einem Schritt zum anderen schlagartig um 30 Grad steigen? "Die Krankheitsrate in Bezug auf den Temperaturunterschied ist ganz, ganz gering", sagt Hofmann. "Wenn die Arbeiter raus gehen zum Rauchen oder Kaffeetrinken, dann wird die Jacke ja sofort ausgezogen." Zudem stehen für sie auch Umkleiden und Duschen bereit.

Fest steht: Wenn bei diesen Temperaturen keine guten Rahmenbedingungen geschaffen werden, kommt selbst der fitteste Arbeiter an seine Grenzen. Das gilt für alle Arbeitsplätze, ob draußen in der Hitze, im Kühllager - oder auch im Büro.