Rote Gewerkschafts-Fahnen vor seinen Toren, das hatte Michael Waasner, Firmenchef der seit 63 Jahren in Forchheim ansässige Elektrotechnische Fabrik der Gebrüder Waasner noch nie erlebt. Doch jetzt folgten erstmals 110 der 400 Mitarbeiter dem Aufruf der IG-Metall zum Warnstreik. Sie stehen damit in einer Reihe mit den Beschäftigten von rund 100 Betrieben in ganz Bayern, die am Dienstag für mehr Lohn die Arbeit nieder legten.


Konzert der Trillerpfeifen

Es geht um eine Lohnerhöhung von fünf Prozent, für die die Gewerkschaft kämpft und 2,1 Prozent, die die Arbeitnehmer entgegenhalten. "Unsere Forderung ist maßvoll und vernünftig", erklärt Gewerkschäftssekretär Benjamin Oster. Die Branche könne es sich leisten: Es werden hohe Renditen und Dividende eingefahren", ruft er ins Konzert der Trillerpfeifen.

Firmenchef Michael Waasner beurteilt die Lage ganz anders: "Wir sind jetzt schon auf einem hohen Kostenniveaus in der Metall-Elektroindustrie", betont er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Der Unternehmer verweist darauf, dass man in einem internationalen Wettbewerb mit Ländern stehe, in denen die Lohnkosten wesentlich niedriger seien. Wachstumsimpulse seien derzeit nicht in Sicht. Die Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren seien deutlich höher gewesen, als der Produktivitätsfortschritt, erklärt Waaasner. Der Warnstreik in seiner Firma mache wenig Sinn, "weil wir nicht Mitglied im VBM (Verband Bayerischer Metallarbeitgeber) sind, der gerade mit der IG-Metall verhandelt", erläutert Waasner. "Wir haben einen Haustarifvertrag". Jedoch seien die gleichen Gehaltsforderungen an sein Unternehmen gestellt worden. Der Firmenchef verweist darauf, dass schon der letzte Tarifabschluss mit 3,4 Prozent Lohnsteigerung hohe Kosten verursacht habe. "Die geforderten fünf Prozent sind sehr viel. Ich hoffe nicht, dass es in der Fläche zu einem Abschluss in dieser Höhe kommt", erklärt Waasner. Er zeigt sich verwundert, dass in seiner Firma zu einem Warnstreik gekommen sei.Der einstündige Ausfall bedeute einen wirtschaftlichen Schaden. Waasner bedauert, dass der bisher nicht ausgeprägte Streikwille jetzt von der IG-Metall in seinen Betrieb reingezogen werde. Gewerkschaftssekretär Benjamin Oster erklärt die Tatsache, dass die Belegschaft von Waasner zum erstem Male protestiere damit, "dass das Angebot des Arbeitgeberverbandes in Bayern viel zu niedrig ist für die Leistungen, die von den Beschäftigten erbracht werden". Für Oster wären nach eigenen Worten" drei Prozent ein kompromissfähiges Ergebnis".