Der Friseur, der den Frauen moderne Kurzhaarfrisuren verpasste, und die immer sportlicher geschnittenen Autos versetzten dem Hut, der Kopfbedeckung jeder Berufsklasse und gesellschaftlicher Schicht, beinahe den Todesstoß und den Beruf des Hutmachers ins Museum. Stars und Modedesigner aber versuchen verzweifelt, sich von anderen abzuheben, wie Videoclips, Zeitschriften und Modekataloge zeigen, und die Menschen suchen einen Schutz vor den aggressiven Sonnenstrahlen: Der Hut ist er wieder im Kommen und verhilft auch einer rar gewordenen Berufsgruppe zur Renaissance.

Eine der wenigen, die in Deutschland den Beruf der Putzmacherin ausübt, ist Stefanie Schneider de Weber aus Weißenohe. "Modistin", korrigiert sie lachend, während sie verschiedene Stoffarten begutachtet und die Unterschiede erklärt. Der Beruf des Hutmachers, der früher nur Männerhüte herstellte, erforderte viel Kraft, denn die Kaninchenhaare, die in den Filz eingearbeitet wurden, mussten gewalkt werden. Als Maschinen diese Aufgabe erledigten, ging das in die Hände der Industrie über. Nur wenige überlebten, um ihr Wissen zu vermitteln.

Ihre Hochblüte hatte die Putzmacherin um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert. Jede Saison einen anderen Hut tragen konnten nur wenige Frauen. "Er wurde umdekoriert. Aufgeputzt, daher auch Putzmacherin. Landschaftsbilder oder ausgestopfte Vögel zierten die Hüte. Auch die Kleider wurden umgearbeitet. Mit Rüschen und Spitzen, damit es zum Hut passte", weiß Stefanie Schneider. Sie hält verschieden farbige Bordüren an den eben gefertigten Hut, probiert auch Farbspiele.

Stefanie Schneider lernt den Beruf 1983 im Hutsalon Josefine Fink. Die Modistin, ein Ausbildungsberuf, musste von allem etwas lernen. Wie man Filzhüte zieht, Strohhüte näht und auch aufputzt. "Mit einem Hut kann man das Gesicht betonen, man läuft aufrechter und es ist das i-Tüpfelchen der Kleidung. Das Komplettbild stimmt. Die Fingernägel sind lackiert, man achtet mehr auf sich", sagt Stefanie Schneider.

Jeder Stand hat seinen Hut

"Es gibt für jede Frau einen Hut, aber nicht jede Frau kann jeden Hut tragen", fügt sie hinzu und zeigt auf die verschiedenen Modelle, die in ihrer Hutmacherwerkstatt ausgestellt sind. Atelier passt nicht, denn hier wird gearbeitet und es wirkt eher rustikal. Sie fertigt die Hüte nicht nur selbst an, sondern berät auch über Form und Farbe der Hüte, die früher eher eine praktische und zugleich standesgemäße Kopfbedeckung waren. Der gesellschaftliche Stand war hier genau geregelt und man durfte nicht davon abweichen. "Die Zimmerleute, Bäcker, Händler oder Gelehrte, sogar der Henker, der sein Gesicht nicht zeigen durfte, zeigten so, wer er sie sind. Die Farbe Purpur war den höheren Ständen vorbehalten, das einfache Volk färbte Stoffe mit Eierschalen, Birkenrinde und anderen Naturfarbstoffen ein", weiß die Putzmacherin, die auch Hüte für kleine Kunsttheater anfertigt.

Ein gutes Versteck

Das bäuerliche Volk trug meist Strohhüte als Sonnenschutz oder die einfachen Filzhüte, als "Steinklopfer" bekannt, um sich vor dem Staub auf den Feldern zu schützen. Haare waschen war nicht so schnell und einfach möglich. Abgenommen wurde der Hut auch bei den feineren Damen nur selten. Sie behielten ihn im Café und in der Kirche auf dem Kopf. Denn ein Hut ruinierte die Frisur und zugleich musste man sich nicht aufwendig frisieren. "Hut auf und man war angezogen", erklärt Stefanie Schneider diesen Ausflug in die Geschichte des Huts. Auch Männer poussierten, wenn sie ihren Hut zum Gruß schwenkten. Auf diesen Mann schaute man. Die Damen hingegen nutzten den Hut durchaus zum Kokettieren oder wollten sich, einem grauen Mäuschen ähnlich, unter ihrem Hut verstecken.

Ein kleines Stück in diese Zeit zurück gehen die Menschen auch heute wieder. Verlangt werden Hüte für die Hochzeit, aber auch die wasserabweisenden Filzhüte, wenn Mann mit Hund durch Wald und Flur läuft, oder um die kahlen Stellen am Kopf elegant, sportlich oder leger zu verstecken. Je nach Persönlichkeit.

Nie wirklich auf diese Kopfbedeckung verzichtet haben Frauen. Zur Hochzeit, zum Abendkleid oder zum einfachen Spaziergang haben vor allem Fascinators den Hut abgelöst. das war ein mit Klammern oder Reif befestigter Kopfschmuck aus Federn, Bändern oder Schleifen, um denselben Effekt wie der Hut auszuüben: Proportionen zu verschieben oder keck zu wirken. In Ascot, in Großbritannien, wurden diese Fascinators wieder verboten. Nur mit Hut darf Frau dort erscheinen. Die Queen selbst wurde nun öfters mit einem Hut aus hellblauen Cinnamay gesehen. Ein wunderbarer Stoff, sagt die Modistin Stefanie Weber über das eingefärbte und gewebte chinesische Gras. Doch egal, wie ein Hut aussieht, er muss vor allem eines: gut sitzen.