Der April 2015 markiert für Rocco Göller einen radikalen Einschnitt in sein Leben. Damals wurde er von der Forchheimer Amtsrichterin Silke Schneider wegen Drogenbesitz und Drogenhandel verurteilt. Der 36-Jährige lebt seit vier Jahren in einer Sozialwohnung in Eggolsheim. Er kiffte, konsumierte Crystal Meth und handelte auch damit. Der Zustand der Wohnung war ihm nicht so wichtig: Er beschäftigte sich mit anderen Dingen. Seit er im vergangenen Jahr verurteilt wurde, hat sich das geändert, sagt er. Doch die Gemeinde, die Besitzer des Hauses ist, kann einen Lebenswandel bei Göller nicht erkennen.

Daniel Jere, der für die Liegenschaften der Gemeinde Eggolsheim zuständig ist, kennt den Fall gut. "Er mag mich nicht, weil ich auch mal klare Worte finde", erklärt Jere, "zuletzt am 20. Januar, als ich wegen einer Ruhestörung hinzu gerufen wurde." Allgemein gebe es in dem Haus Probleme, sagt Jere.
Er betont, dass seit dem Einzug von Göller im Jahr 2011 ständig Streit und Unzufriedenheit geherrscht habe. Der letzte große Zwischenfall war im August 2015.


Kaputte Decke und kein Wasser

"Ich lag in der Badewanne, als ich den Krach gehört habe", erzählt Göller, "da bin ich dann aufgestanden und habe das Chaos in der Küche gesehen." Das Chaos, von dem Göller erzählt, ist heute noch sichtbar: Die Decke war herab gefallen. Kurze Zeit zuvor war ihm bereits das Wasser in der Küche abgedreht worden. "Sie haben gesagt, dass es einen Rohrbruch gegeben habe und sie deshalb abdrehen müssen", sagt Göller. Nun, über ein halbes Jahr später, hat sich immer noch nichts getan. Die Decke ist von einem großen Loch gekennzeichnet und in der Küche läuft immer noch kein Wasser. "Ich muss das Wasser aus dem Badezimmer in die Küche tragen, wenn ich abspülen will", erzählt er, "oder ich spüle direkt in der Badewanne ab."

Dass die Decke noch nicht gemacht wurde, räumt Jere ein. "Das ist unser letztes Druckmittel", sagt er. Einen Rohrbruch habe es nicht gegeben. Probleme mit den Leitungen schon, sagt Jere, das habe aber daran gelegen, dass der Mieter alles Mögliche runterspülen wollte. Jere und seine Kollegen wissen nicht mehr weiter, erklärt er, und auch die Nachbarn seien genervt von dem Verhalten des 36-Jährigen. Deshalb werde nun auch nichts mehr gemacht.

Katja Lipp (Name geändert) wohnt im selben Haus. Sie sagt, sie habe nie Probleme mit der Gemeinde gehabt. "Es ist ein Geben und Nehmen", sagt Lipp. Auch sie sei obdachlos geworden, nachdem sie, wie sie sagt, "abgerutscht" war. Die Gemeinde Eggolsheim habe sich dann aber gut um sie gekümmert und ihr beigestanden, damit sie ihr Leben wieder in geregelte Bahnen bekommt. Sie engagiert sich ehrenamtlich und versucht wieder eine feste Arbeitsstelle zu bekommen. "Man muss einfach Schritt für Schritt vorwärts kommen", sagt Lipp. "Normalerweise sanieren wir die Wohnungen, bevor wir sie wieder vergeben", erklärt Jere, "aber sowohl bei ihr, als auch bei Herrn Göller musste es schnell gehen und der Einzug erfolgte vor einer Sanierung." Das Angebot, die Wohnungen im Laufe des Mietverhältnisses zu renovieren stehe aber. "Ich habe von der Gemeinde Putz gestellt bekommen", sagt Lipp, "und auch immer wenn ich Rechnungen für Renovierungsbedarf eingereicht habe, habe ich das Geld wieder bekommen." Sie habe dann viel in Eigenleistung gemacht, die Wohnung so hergerichtet, wie sie sie wollte. Die Gemeinde habe zudem zugepackt und zum Beispiel ihren Balkon gemacht. Über ihren Nachbarn sagt Lipp: "Er will sich nicht anpassen."

Holger Arneth, Geschäftsleiter des Marktes Eggolsheim, betont: "Wir sind selbst daran interessiert, den Wert unserer Gebäude zu erhalten." Deshalb wolle die Gemeinde die Wohnung von Göller herrichten. "Wenn aber jemand null Engagement zeigt, kann man nicht mehr helfen", sagt Arneth. Sein Kollege Jere fügt an: "Er müsste nur drei einfache Punkte erfüllen, dann wären wir am nächsten Tag da, um die Reparaturen vorzunehmen."


Drei-Punkte-Plan

Als ersten Punkt führt er an, dass Göller den Müll, den er laut Gemeinde und Nachbarn unter anderem auf dem Dachboden hortet, entsorgen muss. Die Gemeinde sei auch bereit ihm zu helfen. "Er muss aber einfach mal selbst Initiative zeigen", betont Jere.

Ein weiterer Punkt, der Jere wichtig ist, ist die Haustüre von Rocco Göller. Diese hat Göller selbst kaputt gemacht und dies auch eingeräumt. Nun fehlt ihm das Geld, eine neue Türe anzuschaffen. "Ein Dauerauftrag würde uns zeigen, dass es ihm Ernst ist", sagt Jere. Dabei müsse es sich auch nicht um viel Geld handeln, 20 Euro würden zeigen, dass er etwas ändern möchte. Und schließlich fordert Jere, dass Göller sich an der Hausordnung beteilige. Göller hingegen sagt, er putze jeden Samstag das Treppenhaus. "Seit ich 2012 hier eingezogen bin, habe ich ihn erst einmal putzen gesehen", sagt Lipp und betont, dass auch der Krach, der von ihrem Nachbarn ausgehe, an ihren Nerven zehre.

Rocco Göller sagt, er verstehe nicht, was mit dem Geld des Landratsamts passiert, schließlich bezahlt dieses die Miete an die Gemeinde. "Für die Unterbringung von Obdachlosen oder davon Bedrohten sind die Gemeinden zuständig", erklärt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamts, "manche Gemeinden halten entsprechende Wohnungen vor, andere mieten im Bedarfsfall Pensionszimmer an." Deshalb gibt es auch keine genaue Anzahl von Wohnungen im Kreis.

Das Landratsamt Forchheim verweist darauf, dass er sich etwas anderes suchen könnte. "Herrn Göller steht es nicht nur frei, sich eine neue Wohnung zu suchen, sondern er sollte es auch tun, um diesen eigentlich vorübergehenden Zustand zu beenden", sagt Strehl, "angemessene Umzugs- und Mietkosten für eine andere Wohnung können beim Landratsamt beantragt werden."

Rocco Göller sieht dies durchaus als Option an. Er betont, dass er nicht an Eggolsheim gebunden sei und sich über ein Wohnangebot freuen würde. Gleiches gilt für eine angemessene Arbeitsstelle, sagt er. Angemessen, weil der 36-Jährige nicht alle Arbeiten ausführen kann. "Ich bin zu 70 Prozent schwerbehindert", erklärt er. Seit Geburt hat er eine starke Sehschwäche. Er war deshalb auch auf der Sonderschule und hat eine Zeitlang in einer Behindertenwerkstätte gearbeitet.

"Am Anfang hatten wir noch den Eindruck, dass er bemüht ist, etwas zu ändern", sagt Arneth, "es war seine erste eigene Wohnung und ich habe sogar über persönliche Kontakte versucht, ihm einen Job zu vermitteln." Mittlerweile machen die Gemeinde-Mitarbeiter einen resignierten Eindruck.

Göller hingegen betont, dass er ein normales Leben möchte und auch, nachdem er seine Sozialstunden abgeleistet hat, bereit ist, einen Job anzunehmen. "Wir würden es ihm wünschen, dass es klappt", sagt Jere. Er meint damit zum einen die drei Punkte einzuhalten, zum anderen aber auch, dass er sein Leben wie Katja Lipp in geregelte Bahnen bringen kann.