"Der alte Ludwig-Donau-Main-Kanal ist ein Kulturdenkmal von europäischem Rang", sagt Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB). Der Kanal verlief von Kelheim bis Bamberg auf einer Strecke von 172 Kilometern und hatte 100 durchnummerierte Schleusen.

Diese waren nötig, weil ein Schiff nur um 3,50 Meter an einer Schleuse angehoben werden konnte. 1950 wurde der Kanal dann trockengelegt. "Unter anderem wurde der Frankenschnellweg auf der Trasse des ehemaligen Kanals angelegt", erzählt Schwarzmann.

Bei Kilometer 153,5 - gleich bei Eggolsheim - lag unter Büschen und Geröll verborgen die Schleuse 94 mit einem etwa 1,5 Kilometer langen Kanalstück. "Es gab früher auch noch ein Schleusenwärterhaus, das jedoch vor meiner Zeit widerrechtlich abgebrochen wurde", erzählt der Bürgermeister und ist froh, dass aktuelle Planungen in der Marktgemeinde nicht mehr auf großflächige Industrieansiedlungen ausgelegt sind, sondern dass auch der Kultur und der Natur Raum gegeben wird. Schwarzmann erinnert sich, dass etwa vor zehn Jahren erste Ideen für eine Sanierung der Schleuse 94 aufkamen: "Doch die Mehrheit im Gemeinderat hat nichts von der Idee gehalten."

Die Räte stimmten dann doch noch zu, allerdings unter der Bedingung, dass für die Marktgemeinde keine Kosten anfallen dürfen. So machte sich der Bürgermeister auf und zapfte jeden nur erdenklichen Fördertopf an. Und was war die Motivation für diesen Aufwand? "Ich halte dieses Kulturprojekt für herausragend. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Gemeinde", schwärmt Schwarzmann.
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege habe eine Förderung über den Entschädigungsfonds befürwortet. Aber auch andere Stiftungen stellten finanzielle Mittel zur Verfügung. Zudem wurde die Sanierung von der "Leader-Aktionsgruppe Handlungsfeld Kultur" als wichtigstes Projekt angesehen. "All dies wäre aber nicht gelungen, wenn sich nicht bürgerschaftliches Engagement formiert hätte in Form eines Fördervereins mit weit über 100 Mitgliedern", so Schwarzmann.


Erhalt der Heimat

Er berichtet darüber, dass die Vereinsmitglieder eine persönliche Spende in Höhe von 25 000 Euro aufgebracht haben. Außerdem packten sie gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofs und Landwirten bei der Entbuschung des Kanals mit an.

Alle seien überzeugt davon gewesen, dass sie etwas Wichtiges leisten für den Erhalt ihrer Heimat. "Ich glaube auch, das war ein wenig Trotzreaktion: Wir schaffen das, trotz der damaligen angespannten politischen Situation", sinniert der Bürgermeister.

Große Unterstützung bekam er von Stefan Pfister und Fritz Sitzmann, die er als "Hauptschleusenwärter" bezeichnet, da er gemeinsam mit ihnen "viele Klippen umfahren musste". Auch Architekt Jürgen Schönfelder wurde vor eine große Aufgabe gestellt, denn die Schleuse sollte hochwertig saniert werden, wobei alte Bauten mit modernen Mitteln angedeutet oder in moderner Form aufgebaut wurden. Zusätzlich werden zwölf Tafeln angebracht werden, die über die Industrialisierung der Region informieren.


"Total begeistert"

"Insgesamt wurden über 800 000 Euro investiert. Wir konnten sogar noch die Elektrifizierung für die spätere Beleuchtung vorsehen", so der Bürgermeister. Das Geld für die Beleuchtung selbst fehlt allerdings noch. Für einen Industriekanal von europäischem Rang interessieren sich Menschen aus der ganzen Welt. Am 8. Juli soll bei einer Festveranstaltung die Schleuse 94 eröffnet werden. Doch schon vorher kamen Kanalliebhaber aus Europa und den Vereinigten Staaten zum Schauen nach Eggolsheim. "Die waren alle total begeistert, weil man einfach die Größe des Bauwerks erkennen kann. Was ja nicht geht, wenn ein Kanal noch Wasser führt", sagt Schwarzmann.

Bei der Sanierung wurde dann auch noch ein 30 Meter langer Tunnel unter dem Kanal entdeckt, der zur Entwässerung dient, jedoch wenig Wasser führt, so dass man diesen ebenfalls durchlaufen kann. "Es ist wichtig, so ein Kulturgut zu haben. Besonders wenn man sieht, wie viele Menschen auf der Suche nach ihren Wurzeln sind, um sich im Leben einordnen zu können", meint Schwarzmann. Er freut sich aber auch darüber, dass ihn frühere Kritiker inzwischen für sein Engagement für die Schleuse 94 loben.