Sie bezeichnet sich selber gerne als "verrücktes Huhn" und meint damit, dass sie in vielen Dingen andere Ansichten hat, als der gewöhnliche Durchschnitt. Kein Wunder, Jessica Heid hat einiges von der Welt gesehen und vieles erlebt. Mit ihren gastronomischen Erfahrungen will sie nun das familieneigene Hotel "Zur Post" in Egloffstein modernisieren und für die Zukunft erfolgsversprechend aufstellen.
Vor zehn Jahren hat Jessica Heid noch "glücklich und zufrieden" in Australien und Neuseeland gelebt. Sprachprobleme hatte sie als gelernte Fremdsprachenkorrespondentin natürlich keine. Bei einem Job in einer Kneipe hat sie gemerkt, "dass Gastronomie mein Ding ist".
Jessica Heid absolvierte eine Lehre als Hotelfachfrau in einem renommierten Vier-Sterne-Hotel. In der Hotelfachschule in Pegnitz legte Sie noch den Hotelbetriebswirt drauf. Dort reifte in ihr auch die Erkenntnis, dass man seine Ideen am besten dann umsetzen kann, wenn man selbstständig ist.
Und deshalb kam Sie zu dem Entschluss, den elterlichen Betrieb, den renommierten Gasthof "Zur Post", zu übernehmen. Zur besonderen Freude ihrer Mutter Erika, die schon befürchtet hatte, dass keine ihrer drei Töchter den Gasthof weiterführen will.

Ein uraltes Baurecht

Eine Art "Kommunikationszentrum" schwebt Jessica Heid nun vor. Es sollen sich in der "Post" alle wohlfühlen. Im neuen Biergarten "Heidsgärtlein" genauso wie in den Räumen des historischen Hotelgasthofs. Erlebnisgastronomie spielt dabei eine Rolle und die Erkenntnis, dass Entspannung für die Menschen immer wichtiger wird. Nicht das Essen steht im Mittelpunkt ihrer Philosophie, "obwohl ich voll hinter der Küche meiner Mutter stehe". Noch größere Bedeutung will sie den Gästen selbst einräumen, die sich in der "Post" treffen und ganz sie selbst sein können sollen. Wichtig ist Jessica Heid auch, dass sie von den Egloffsteinern akzeptiert wird, wie sie ist und was sie macht. "Alle sollen auf den neuen Treffpunkt stolz sein können", sagt sie. Jessica Heids neueste Idee: Auf dem Hotelgasthof liegt uraltes Braurecht, das noch von ihrem Urgroßvater wahrgenommen worden ist. Wenn Sie das Bierrezept wiederfindet, so die Jungunternehmerin voller Euphorie, wird Sie vielleicht sogar wieder Egloffsteiner Bier brauen.

Hoffen auf die Pläne der Gemeinde

Ideen hat Jessica Heid viele. Deshalb "muss ich Prioritäten setzen", weiß sie selbst. Eine der ersten Arbeiten ist die Modernisierung des Anwesens und die Einrichtung des Biergartens, der parallel zum Kurpark verläuft. Jessica Heids größte Sorge sind die strengen baulichen Auflagen der Behörden. Sie fürchtet sich ein wenig vor "immensen Investitionen, die einem finanziell gesehen schnell das Wasser abgraben können".
Die 31-Jährige setzt große Hoffnungen auf das Vorhaben der Gemeinde, mit einem Blockheizkraftwerk einerseits billigen Strom zu erzeugen und andererseits mit der Abwärme Schwimmbad, Kindergarten, Schule und eben auch die "Post" anzuschließen.
Mutter Erika bereitet vor allem der Anbau von 1973 ob der schlechten Isolierung Sorgen. Auf der einen Seite freut es sie, dass die jüngste Tochter mit neuen Ideen Schwung in den Betrieb bringt. Andererseits bereitet ihr die Situation "schlaflose Nächte, weil man nicht weiß, ob sich die Investitionen dann auch rechnen".