Die einen betrachten die Jagd als notwendige Methode, das natürliche Gleichgewicht im Wald aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen. Forstämter und Jäger sehen sich in der Pflicht, den Wald und Landwirte vor zu großen Schäden durch Wildtiere zu bewahren. Tierschützer fordern dagegen die Abschaffung der Jagd. Sie wollen die Natur sich selbst überlassen und das Töten durch den Menschen stoppen. Ihrer Ansicht nach würden sich die Populationen ohne das Eingreifen des Menschen selbst regulieren. Im Gebiet Untere Mark sowie Adelsdorfer Mark fand nun die revierübergreifende Nikolausjagd statt. Naturschutz oder Tierquälerei?

Nur Jagdhunde statt Treiber

Auf der gesamten Länge des Markwalds, auf einer Fläche von 3000 Hektar, wurde gejagt, wie Revierleiter Erich Daum von den Bayerischen Staatsforsten erklärt. Rund 210 Jäger waren daran beteiligt. Sie agierten nicht nur auf der 2000-Hektar-Fläche im Staatswald Untere Mark, sondern revierübergreifend auf den restlichen 1000 Hektar der Adelsdorfer Mark. Keine Treiber waren im Einsatz, sondern nur Jagdhunde. Freigegeben zum Abschuss waren vom Staatsministerium als Ausnahmegenehmigung nur Rehe und Wildschweine, sagt Daum. Im Staatswald wurden 25 Sauen und 65 Rehe erlegt. Auf den restlichen 1000 Hektar schossen die Nachbarn zwei Sauen und sieben Rehe.

"Wir haben bei dieser Jagd circa die Hälfte des uns gesetzlich vorgeschriebenen Abschusses an Rehen erfüllt und können nun den Tieren dafür die meiste Zeit des Jahres echte Ruhe gönnen, statt Tag für Tag anzusitzen und den Wald zu beunruhigen", erklärte der Revierleiter. Im Gegensatz zur Treibjagd werden die Tiere dabei von Hunden eher langsam in Bewegung gesetzt. "Das Wild kennt ja die Grenzen der Jagdgebiete nicht. Wenn die Jäger also einzelne Bewegungsjagden veranstalten, passiert es oftmals, dass sich die Tiere ins angrenzende Gebiet flüchten, wodurch längst nicht so effektiv gejagt werden kann", führt Daum aus. Für die Tiere sei eine einmalige große Jagd deutlich schonender als sie immer wieder aufzuhetzen.

Jägerin kämpft gegen Vorurteile

Claudia Brandt-Pecher ist eine Jägerin, die an der Nikolausjagd mit ihren Hunden teilnahm. "Die Jagd ist ja manchmal ein heikles Thema", bekennt sie. Seit sie denken könne, sei sie mit ihrem Vater im Wald unterwegs gewesen: Sie ist in einem Försterhaus zusammen mit ihrer Schwester aufgewachsen. Schon als kleines Kind durfte sie den Vater begleiten, wenn er auf die Jagd ging. Stundenlang saßen Tochter und Papa zusammen auf dem Hochsitz. "Es war schon damals etwas ganz Besonderes für mich, die Tiere zu beobachten, und ich habe diese einmaligen Momente sehr genossen", erzählt die 41-jährige alleinerziehende Mutter von zwei Jungen. Seit 2003 hat Claudia Brandt-Pecher den Jagdschein und zieht alleine los in die Wälder. Sie erzählt: "Ich bin mit der Jagd und allen ihren Facetten aufgewachsen, und meine Passion ist bis heute ungebremst. Ich jage, weil ich damit groß geworden bin und gerne Wild esse. Das ist meines Erachtens das beste Fleisch, was man sich gönnen kann." Drückjagden unterstützt sie bei den Bayerischen Staatsforsten, den Thüringer Staatsforsten und gelegentlich auch in weiteren Bundesländern. Dabei bringt sie auch ihre Hunde "Braki" und "Hora", zwei Deutsch-Langhaar, zum Einsatz. "Es ist sehr interessant, den Hunden beim Arbeiten zuzusehen, wie sie ihre Nase und Verstand beim Jagen einsetzen und trotz dieser großen Reize immer wieder zu mir zurückkommen", berichtet Brandt-Pecher, "das nennt man Führerbindung und zeigt, dass wir als Team unterwegs sind." Kritiker der Jagd könne sie verstehen, denn wie in jeder Branche gebe es schwarze Schafe, "die ein Schlechtes auf unser Tun werfen. Ich als Jägerin habe einen Kodex, der besagt, waidmännisch in meinem Jägerleben zu handeln, woran ich mich Konsequent halte. Wir jagen nicht nur, sondern wir hegen auch, denn Jagd ist auch Naturschutz".

Eine ursprüngliche Form

Die Jagd sei eine einfache und ursprüngliche Form der Nahrungsbeschaffung, und sie sei froh, diese noch ausführen zu dürfen. Die Jägerin sagt: "Bevor ich mir ein anonymes Stück Fleisch aus Massentierhaltung kaufe, erlege ich lieber für meine Familie ein Stück Wild und weiß, was ich habe." Gejagt werde grundsätzlich nach Abschussplan, darin wird festgelegt, wie viel Wild in welchem Revier erlegt werden darf. "Man möchte ja nicht den Bestand vernichten, sondern ihn ausgewogen halten, damit die Population sich den Verhältnissen anpasst", legt Brandt-Pecher dar. Zum Thema Selbstregulation sagt sie, dass diese aktuell natürlich feindbedingt nicht gegeben sei. "Ich freue mich auf jeden Tag, den ich auf dem Ansitz verbringen kann", sagt die 41-Jährige. Immer wieder sei sie aufs Neue fasziniert, wie sensibel das Ökosystem im Detail aufeinander abgestimmt sei: "Man bekommt einzigartige Eindrücke von Tieren und der Umwelt."