Der Dorfplatz war von jeher der Mittelpunkt des Geschehens in einem Ort. "Aber die Zeit macht auch vor dem Dorf nicht halt. Es gibt Veränderungen, die solche Verfahren notwendig machen. Das Land braucht Angebote. Idylle alleine reicht nicht mehr", sagte der Gräfenberger Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) am Dorfplatz in Sollenberg, wo die Abschlussfeier der Dorferneuerung in den drei Orten Sollenberg, Lillinger Höhe und Lilling begann. Froh waren alle Beteiligten, dass das langwierige Unterfangen nach 31 Jahren endlich beendet werden konnte. "Bereits in den 80er Jahren gab es keine Bürgerversammlung, in der das Thema Dorferneuerung nicht angesprochen wurde. Dem stetigen Engagement durch die Kreis-und Ortsbäuerin Gunda Pingold war es zu verdanken, dass die Vorphase der Dorferneuerung in den Orten begann", sagte Reinhard Müller, Vorstand der Teilnehmergemeinschaft. 1988 beantragte die Stadt Gräfenberg das Flurbereinigungsverfahren für Sollenberg und Lilling. Zwei Jahre später lautete die Antwort des Amts für Ländliche Entwicklung, aufgrund der Vielzahl der Anträge könnten noch keine Angaben gemacht werden. "Nicht nur Gräfenberg hat Schuld, dass es 31 Jahre dauerte. Auch die anderen Behörden haben es nicht immer dicke", meinte Nekolla. Nach den ersten Präsentationen wurde das Vorhaben zunächst aufgrund Geldmangels der Stadt beiseitegelegt.

2010 ging es los

"2010 war es endlich so weit. Das Verfahren zur Dorferneuerung für Lilling und Sollenberg wurde offiziell eingeleitet, 2013 rollten die ersten Bagger an", betonte Müller, der ein Buch über alle Arbeiten mit Bildern von den Ergebnissen dieser Neugestaltung herausgebracht hat. Dazu gehörte die Privatmaßnahme der Stadt, die Restaurierung des Wegkreuzes im Anwesen Pöhlmann (2011), der Dorfplatz, auf dem früher das Milchhäuschen war und die Kirchweihen stattfanden. "Viel gab es nicht, aber schön war es", erinnerte sich Birgit Mirsberger an das lebendige Dorfleben, bevor die Bürger beider Ortschaften zum "Dreieck", dem Treffpunkt im mittleren Dorf, spazierten. Dort wurde eine nicht mehr benötigte Straße in einen Gehweg zurückgebaut. Die dornigen Berberitzen wurden entfernt, Rosensträucher blühen nun. Zwei Bänke laden zum Verweilen ein. Neu ist auch die Marter, ein christliches Symbol mit einem lehrreichen Spruch von Sokrates. In dessen Zeit führte Dekanin Berthild Sachs, spann dann den Bogen zu Paulus, bevor Pater Jimmy den neuen Platz und die Menschen segnete.

Zur Lillinger Höhe

Der Spaziergang führte zur Lillinger Höhe, wo ein neues barrierefreies Bushäuschen gebaut wurde. Zwei Anwohner warteten dort. Neben dem Bushäuschen ist ein Stein mit einer kleinen Tafel als Gedenken an diese Dorferneuerung aufgestellt worden; ein Stein, der dem an der Kapelle ähnlich ist und der an die Verbindung der beiden Orte Sollenberg und Lilling durch die Lillinger Höhe erinnert, wie Marcus Weber erzählte. Einziger Nachteil: Der Schulbus hält nicht am Buswartehäuschen, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Auf der anderen Seite gibt es kein Bushäuschen. Marcus Weber bat darum, die Politiker mögen sich beim Landratsamt Forchheim für eine Änderung oder Lockerung der Vorschriften einsetzen, so dass der Bus an der Stelle des Wartehäuschens halten darf, um gefahrlos einsteigen zu können.

Linde gepflanzt

Michael Ullwer; Vorsitzender der Teilnehmergesellschaft vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE), und Bürgermeister Nekolla pflanzten eine Linde, bevor der letzte Halt zum Dorfplatz nach Lilling führte. Das Feuerwehrgemeinschaftshaus wurde umgestaltet, ebenso der Dorfplatz erneuert. Auch dort laden Bänke zum Verweilen ein. Musikalisch aufgepeppt wurde die Feier mit den Gesangsdarbietungen des Männergesangvereins Lilling-Sollenberg und "Sing und Swing". In den neuen Dorfplätzen und Gebäuden stecken insgesamt über eine Million Euro, wovon 716.000 Euro bezuschusst wurden, wie Anton Hepple, der ALE-Baudirektor, betonte. "Es ist sehr erfreulich, dass nicht nur öffentliche Dorferneuerungsmaßnahmen ausgeführt wurden, sondern sich die Bürger selbst in ihren privaten Anwesen und Gärten engagiert haben. Die Investitionen der 17 Privatleute haben sich auf 654.000 Euro summiert, wovon 125.000 Euro bezuschusst wurden. Die Dorferneuerung ist nur dann als Erfolg zu werten, wenn sich öffentliches und privates Engagement ergänzen", betonte Hepple.