Die "Moggaster Bäckn" backen bald zum letzten Mal

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Erhard und Hermine Sponsel stehen in ihrer kleinen Bäckerei, die gleichzeitig ein Tante-Emma-Laden ist. Foto: Mirjam Stumpf
Erhard und Hermine Sponsel  stehen in ihrer kleinen Bäckerei, die gleichzeitig ein Tante-Emma-Laden ist. Foto: Mirjam Stumpf
Eine Postkarte aus den 1940er-Jahren zeigt die Bäckerei. Repro: FT
Eine Postkarte aus den 1940er-Jahren zeigt die Bäckerei. Repro: FT
 
Selbstgemachte Marmelade, Plätzchen, Öl, Konserven: In der Bäckerei Sponsel gibt es mehr als Kuchen und Brötchen. Foto: Mirjam Stumpf
Selbstgemachte Marmelade, Plätzchen, Öl, Konserven: In der Bäckerei Sponsel gibt es mehr als Kuchen und Brötchen. Foto: Mirjam Stumpf
 
Marmelade wird das ganze Jahr über selbst hergestellt. Foto: Mirjam Stumpf
Marmelade wird das ganze Jahr über selbst hergestellt. Foto: Mirjam Stumpf
 

Zum Jahresende schließt das Ehepaar Erhard und Hermine Sponsel aus Moggast aus Altersgründen ihre Tür zur Backstube.

Der Duft nach frischgebackenem Kuchen ist unverkennbar, wenn sich die Eingangstür der Bäckerei Sponsel in Moggast öffnet. Das Aroma kommt allerdings nicht aus der Backstube, sondern aus der angrenzenden Küche der Besitzer. Mehr als 20 Kuchen müssen für den nächsten Tag gebacken werden, dafür steht die ganze Familie in der kleinen Küche und hilft zusammen.

Zum Jahresende werden die "Moggaster Bäckn" allerdings schließen - ein Familienbetrieb in der dritten Generation, denn Bäckermeister Erhard Sponsel und Ehefrau Hermine gehen in den Ruhestand. Eine Nachfolge gibt es nicht. Noch stehen die 69-Jährige und der 72-Jährige jeden Tag um halb zwei selbst in der Backstube, um Moggast und die umliegenden Dörfer mit frischem Gebäck zu versorgen.

Um in Erfahrung zu bringen, in welchem Jahr der Großvater Erhard Sponsels das Geschäft gegründet hat, musste die Familie selbst bei der Handwerkskammer Bayreuth nachrecherchieren. Am Ende waren sie selbst überrascht, dass es bereits 1897 soweit war, erzählt Sohn Christian. 123 Jahre - "eine Schnapszahl", sagt Erhard Sponsel. Er selbst hat die Backstube 1978 übernommen.

Im Wandel der Zeit

Zur Zeit, als Erhard Sponsel seine dreijährige Ausbildung bei der Bäckerei Greif in Forchheim begonnen hat, sah der Arbeitsalltag noch ganz anders aus. "Sonntagabend bin ich hingefahren und Samstagmittag wieder heim", erinnert er sich. Für gerade einmal sieben D-Mark die Woche. Trotzdem habe er es gern gemacht, so der Bäckermeister. Hermine Sponsel ist nach der Hochzeit mit eingestiegen. "Ich wurde gleich mit in die Backstube geworfen", sagt sie.

Zu schaffen bereitet dem Bäckermeister inzwischen aber vor allem auch seine Mehlstauballergie, die er im Laufe der Jahre entwickelt hat. Das Bäckerasthma sei nicht unüblich in diesem Beruf. Deshalb unterstützt den Bäckermeister seit 1985 ein Geselle in der Backstube.

Die drei Kinder sind beruflich zwar anderweitig tätig, helfen heute aber alle nebenbei tatkräftig mit. Den Beruf des Vaters erlernen, um den Betrieb einmal weiterführen zu können, wollte damals keiner von ihnen. Es sei eine Zeit gewesen, in der die Backwarenfächer in großen Supermarktketten begannen, populär zu werden und zunehmend eine Konkurrenz zu den Traditionsbetrieben darstellten. "In letzter Zeit geht die Tendenz aber wieder in Richtung Wertschätzung des Handwerks", meint Christian Sponsel.

Ein Nachfolger kam nicht in Frage

Einen Nachfolger zu suchen, der nicht aus der Familie kommt, kam nicht in Frage. Das ließe schon allein die untrennbare Verbindung zwischen Backstube und Wohnraum nicht zu. "Wer den Schlüssel zur Backstube hat, hat auch den Schlüssel zum Haus", begründet Sohn Christian die bauliche Besonderheit im Haus.

Nach so vielen Jahren die Tätigkeit ruhen zu lassen, falle allen nicht leicht. Schließlich sei die ganze Familie mit dem Bäckeralltag aufgewachsen. Auch für die Dorfbewohner wird es eine Umstellung werden, wenn die "Moggaster Bäckn" die Türen dicht machen. Die Bäckerei galt auch als Treffpunkt, an dem Neuigkeiten von Ohr zu Ohr getragen wurden. Außerdem umfasst das Sortiment noch deutlich mehr als Kuchen und Brötchen. "Vom Waschmittel bis zur Glühbirne haben wir alles", sagt Erhard Sponsel.

Im Sommer habe die Familie nahezu jedes Wochenende für verschiedene Feste frische Brötchen gebacken, erzählt Tochter Ulrike. "Wir haben die ganze Fläche auf dem Berg abgedeckt", so Christian Sponsel.

Wie es im neuen Jahr weitergeht, wissen sie noch nicht. Privat will die Familie vielleicht noch für den eigenen Bedarf weiterbacken, bis die Vorräte aufgebraucht sind. Was dann kommt? Vielleicht Urlaub. Denn der sei in den vergangenen Jahrzehnten viel zu kurz gekommen.

Fragen nach einer Übergabe stehen für Bernhard und Ute Löw noch nicht im Vordergrund. "Mein Mann und ich arbeiten noch mit, wo wir können", sagt die 63-Jährige Inhaberin. Personal hätten sie für die Bäckerei in Hagenbach und eine zweite Filiale im Netto-Markt in Ebermannstadt ausreichend. Seit welchem Jahr die Familienbäckerei gegründet wurde, muss die Inhaberin kurz mit ihrer Tochter diskutieren. Immerhin war die Gründung bereits im Jahr 1927, ihr Mann führt sie in der dritten Generation. Was danach komme, wissen beide noch nicht. Auch, ob die vier Kinder einmal den Betrieb übernehmen werden, sei unklar, noch arbeiten die drei Töchter und der Sohn in jeweils anderen Berufen. Aber dahin ist auch noch Zeit.

Für das Inhaberpaar Ulrike und Erwin Wirth aus Egloffstein ist die Zukunft gesichert. Der Sohn werde den Betrieb übernehmen, sagt die 58- Jährige, er sei bereits Bäckermeister. Trotzdem haben auch sie gemerkt, wie sich der Alltag in kleinen Landbäckereien verändern, große Supermarktketten in die Region gebaut werden. "Der Kundenstrom geht dahin, wo die Supermärkte sind", sagt sie. Erst kürzlich mussten sie den Laden in Weilersbach, einer von elf Filialen im Landkreis, schließen. Ein neuer hat dafür ein Effeltrich aufgemacht. "Es geht weiter", so die Inhaberin.