Friedel Riehlein liebt die Natur. Frühmorgens die Frische und Ruhe im Wald zu spüren und zu genießen, ist ihre große Passion. Deswegen wohnt sie auch in einem kleinen Paradies am Ortsrand neben einem Wald, umgeben von natürlich gewachsenen Hecken und Pflanzen. Und wenn Friedel Riehlein Kraft tanken will, geht sie zu einer bestimmten Buche bei Geschwand, umarmt diese und kann dabei sogar hören "wie das Fruchtwasser im Stamm hochsteigt".

Heute wird Friedel Riehlein für ihr 25 Jahr langes Engagement als "phänologische Beobachterin" mit der Wetterdienstplakette ausgezeichnet. Ihr Sohn Hans Peter ist es gewesen, der Friedel Riehlein zur Natur gebracht hat. Er hat als Schüler 1967 die Aufgabe, über einen längeren Zeitraum Beobachtungen in freier Natur zu machen müssen. Friesel Riehlein begann, sich für Blumen, Pflanten, Bäume zu interessieren.

Riehlein wohnte damals mit ihrem Mann Erich noch in Nürnberg. Dann las sie in der Zeitung von günstigen Bauplätze Affalterthal.

Abschluss mit der Note "gut"

Zwei Wochen später hatte die Familie dort einen Bauplatz gekauft. In dessen Mitte stand bald ein Blockhaus, das die Großstadtfamilie als Wochenendsitz fleißig nutzte. Vier Jahre später wurde aus dem Blockhaus ein richtiges Haus mit offenen Kamin, Hallenbad, Sauna und Backofen im Hof. Die Riehleins zogen endgültig nach Affalterthal.

Aus der Faszination für die Natur entwickelte sich bei Friedel Riehlein mit den Jahren so etwas wie eine Profession: Anfang der 80er-Jahre belegte sie das Fernstudium "Ökologie und ihre biologischen Grundlagen" an der Uni Tübingen. 1987 schloss die das Fernstudium mit der Note "gut" ab.

Auf der Suche nach einer Beschäftigung auf dem Land kam sie nach einem Tipp der Unteren Naturschutzbehörde an den deutschen Wetterdienst, der ihre Kenntnisse und vor allem auch ihr Engagement gern in Anspruch nahm. Seit 1988 ist Friedel Riehlein nun eine "phänologische Beobachterin". Ihre Ergebnisse und Forschungen werden für die Wettervorhersage in Landwirtschaft, Gartenbau und Tourismus genutzt.

Der Zeitpunkt der Blüte

Ihre Tätigkeit besteht darin, die Entwicklungsphasen von mehr als 30 Pflanzenarten - Wildpflanzen, Bäume und Sträucher - im Umkreis von drei Kilometern zu beobachten und zu dokumentieren. Friedel Riehlein notiert sich dann zum Beispiel den Zeitpunkt des Austriebs oder der Blüte.

Und unter dem Begriff "Heuschnitt" hat sie in diesem Jahr bisher folgendes festgehalten: "Beginn der Wiesengrüns (ein Drittel der Wiese muss dann schon richtig grün sein) war am 14. April, der erster Schnitt fürs Silo erfolgte am 14. Juni." In rund sechs Wochen, so folgert Friedel Riehlein auf der Basis ihrer langen Erfahrung, wird es wohl den ersten Heuschnitt geben.

Ihre Daten und Beobachtungen hält Friedel Riehlein in einem Tagebuch fest. Dort steht dann zum Beispiel, wann welche Pflanze wie weit schon blüht. Diese und vergleichbare Informationen überträgt Riehlein am Jahresende in Sammelbögen.
Die gehen dann an das Wetteramt in Weihenstephan, wo die Einträge von einem Großrechner verarbeitet werden. Um vergleichbare Daten zu bekommen, verwendet Friedel Riehlein immer die gleichen Standorte und "Zeigepflanzen".

Der Maikäfer fehlt dem Maulwurf

Ein Vierteljahrhundert schaut Friedel Riehlein nun schon genau hin, welche Botschaften die Natur sendet. Der Klimawandel sei inzwischen stark zu spüren, glaubt sie.

So beginnt die Blühphase ihrem Eindruck nach im Schnitt zwei Wochen früher als noch vor 25 Jahren. Und durch das fast völlige Verschwinden einiger Tierarten - Friedel Riehlein denkt hier unter anderem an den Maikäfer - seien auch jene Arten in ihrem Bestand gefährdet, die in irgendeiner Weise von diesem Tier abhängig sind.
So habe das Ausbleiben der Maikäfer auch negative Folgen für den Maulwurf, der die Engerlinge gern auf dem Speiseteller habe.

Ein anderes Beispiel für den Wandel der Natur und die damit einhergehenden Folgen für die Tierwelt erkennt Friedel Riehlein im Uhu. Der komme immer seltener in unsere Regionen, "weil seine biologische Uhr immer noch so tickt wie vor 25 Jahren.
Aber wenn der Uhu jetzt ankomme, seien die Brutnester schon mit Nachwuchs belegt. " Er kann seine Eier nicht mehr dazu legen, um sie ausbrüten zu lassen", sagt Riehlein.