In ihrer Handtasche trägt Ulrike Martin stets einen Meldeempfänger mit sich. Im Katastrophenfall schlägt das Funkgerät Alarm. Zuletzt geschah das am 13. April 2013. Die stellvertretende Leiterin der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung eilte in das Katastrophenschutz-Zentrum des Landratsamtes in Ebermannstadt. Glücklicherweise entpuppte sich das gemeldete Schreckens-Szenario in Kersbach - "Zugunglück mit Gefahrstoff" - als Übung.

Auch dieser Tage beschäftigen sich die Sicherheitsexperten wieder mit möglichen Katastrophenlagen. Denn alle fünf Jahre wird das Entwicklungskonzept für Brand- und Katastrophenschutz optimiert. Die Hilfsorganisationen sind aufgerufen, Verbesserungen vorzuschlagen.

Bis Oktober sollen die Listen der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung vorliegen, sagt Mitarbeiter Josef Distler. Der 60-Jährige ist seit 30 Jahren im Dienst. Eine Katastrophe blieb ihm in dieser Zeit nicht erspart - der Starkregen und die Überschwemmungen des Jahres 2007, als auch ein Todesopfer im Landkreis zu beklagen war. "Ich wollte sowas nie miterleben", sagt Distler.


Absturz und Gas

Dieses Unglück habe gezeigt, dass man nur bedingt für den Ernstfall gerüstet sein kann. Es gebe einfach zu viele Szenarien, vom Zugunglück über einen Flugzeugabsturz bis hin zu Giftgaswolken oder Hochwasser und Epidemien.

"Hätten wir 2007 die Kommunikationsmöglichkeiten gehabt, die wir jetzt haben, dann hätten wir uns viel leichter getan", sagt Josef Distler. Mit anderen Worten: Der Katastrophenschutz im Landkreis hat aus dem Unglück vieles über die Organisation gelernt. Die Sandsack-Abfüllanlagen in Ebermannstadt und Forchheim gebe es erst seitdem, erinnert Ulrike Martin. Die Zahl der Pumpen und Sandsäcke wurde aufgerüstet. Auch das Atemschutz- und das Katastrophenschutz-Zentrum in Ebermannstadt entstanden erst durch diese Katastrophe.

Was noch entstehen muss, das sei ein Konzept für einen großen Stromausfall, meint Christian Wilfling. Als Ortsbeauftragter des THW Forchheim vertritt er eine Organisation, die in jeder Katastrophenlage "automatisch mit dabei ist". Daher ist er froh, dass der Landkreis jetzt ein Notstromaggregat mit 400 KVA (Kilo-Volt-Ampere) anschafft; es werde im Falle eines flächendeckenden Stromausfalls dringend benötigt.


Grausamer Stromausfall

"Ein wochenlanger Stromausfall wäre das Grausamste, was es gibt", meint Josef Distler. Dafür könne es auch keinen fertigen Plan geben, sagt Ulrike Martin. Das THW besitze zwar "ein Aggregat aus jener Zeit, als 61 KVA noch eine Nummer waren", sagt Wilfling. "Doch mittlerweile brauchst du über 300 KVA. Etwa um für einen Stromausfall gerüstet zu sein, der länger als drei Tage dauert." Dieses Szenario hält der THW-Chef für gar nicht so unwahrscheinlich: "Die Netze werden immer größer und anfälliger und sind europaweit verbunden. Da könnte auch mal großflächig was zusammenbrechen." Daher müsse es auch im Landkreis ein Konzept geben, fordert Christian Wilfling. "Wer macht was nach drei Tagen ohne Strom? Wie muss die Behörde aufgestellt sein? Man muss diese Abläufe üben."


Internes Training

Das Heikle an Unglücksfällen sei ja, dass man nicht in Aktionismus verfallen dürfe und meist "etwas abwarten" müsse, um die Hilfe sinnvoll zu koordinieren, weiß Ulrike Martin. Die richtigen Fachabteilungen einzubeziehen und "die Strukturen herzustellen bis hin zum Ministerium" - diese Kommunikation werde im Landratsamt intern immer wieder geprobt. Schließlich müsse die Behörde nicht nur für die Katastrophe, den "K-Fall", gerüstet sein, betont Ulrike Martin. Sogenannte "koordinierungsbedürftige Ereignisse" - etwa eine Tierseuche - würden mit denselben Strukturen bekämpft, um eben den K-Fall zu vermeiden.