WillersdorfWer coacht hier, Melanie oder Mira? Die 41-Jährige oder die Sechsjährige? Die Geschäftsfrau oder ihre Labradorhündin? Wer sich dem Coaching von Melanie Ebert und ihrer vierbeinigen Begleiterin anvertraut, wird auf jeden Fall diese Erfahrung machen: Die bessere Spürnase für die Aufmerksamkeit und vor allem für die Unaufmerksamkeit des Klienten - hat Mira.

"Coaching by dogs" nennt die Willersdorferin (Gemeinde Hallerndorf) ihr Geschäftsmodell. Die Hunde Mira und Maggy übernehmen in diesem Training die Rolle des Arbeitnehmers. Ein Selbstversuch zeigt: Wer seine Fähigkeit als Führungspersönlichkeit ausloten will, kann von den beiden Labradorhunden rasch lernen. Mit oder ohne Leine: Die Tiere an begehrten Gegenständen vorbeizuführen, erfordert präzise Hinwendung. Ein Moment der Unaufmerksamkeit - und schon macht Mira, was sie will und tobt unkontrolliert durch den Garten.

Ellenbogen statt Freundlichkeit

Das ist es, was Melanie Ebert den WAU-Effekt nennt. W stehe für Wertschätzung, A für Achtsamkeit und U für Umdenken steht. "Der Hund spiegelt diese Fähigkeiten." 20 Jahre hat die 41-Jährige als Führungskraft im Vertrieb gearbeitet. Sie ist um die Welt gereist, um Künstlerfarben zu verkaufen. Dabei hat sie etwas Grundsätzliches beobachtet: "Überall im Ausland habe ich mehr Herzlichkeit gespürt als in Deutschland."

Als sie dann 2017 ihre Coach-Ausbildungen beendet, und ihren Arbeitsplatz in Hallerndorf hinter sich gelassen hatte, um Coach zu werden, verschrieb sich Melanie Ebert der Idee, mehr Herzlichkeit und Wertschätzung in die Arbeitswelt zu bringen. "In Deutschland herrscht immer noch in vielen Firmen die Ellenbogen-Mentalität."

Aber warum mit Hunden coachen? Weil sie ein "wertfreies Feedback" geben, erklärt Melanie Ebert: "Der Hund spiegelt die Kommunikation, Haltung, Wirkung und die Führungsfähigkeiten des Menschen." Es sei kein Unterschied, ob jemand Mitarbeiter oder Hunde führen wolle.

Am Anfang der Übung gibt der Coach dem Gecoachten die Leine in die Hand und sagt: "Das ist jetzt dein Mitarbeiter." Nach der Arbeit mit Mira oder Nachwuchscoach Maggy wird die Führung analysiert. WAU-Effekte klingen dann so: "Der Erfolg entsteht zwischen den Ohren." Oder: "Teamarbeit gelingt nicht durch Zerren an der Leine."

Sie wolle Führungskräfte "von Dompteuren zu Animateuren machen, damit Mitarbeiter zu Mitdenkern werden", sagt Melanie Ebert. Auf dem Weg dahin stellt sie ihren Klienten verblüffende Fragen: Wie ist deine Haltung, dass der Hund macht, was er will? Hast du den Mitarbeiter im Auge? Bellst du noch oder kommunizierst du schon?

Oft werde sie mit ihren Hunden erst dann in eine Firma geholt, "wenn es im Team kracht", erzählt Melanie Ebert. Die Probleme seien immer wieder ähnlich: Die Kommunikation ist mangelhaft. "Manche müssen üben, Ja oder Nein zu sagen - und oft ist es Angst vor Ablehnung, die Führungskräfte unfähig macht, Grenzen zu setzen."

Schöner Nebeneffekt des Coachings mit Tieren: "Die Gecoachten erzielen rasche Erfolge." Denn, weiß Melanie Ebert: "Vom Hund nehmen die Menschen leichter etwas an, als wenn andere Menschen es sagen. Es ist ein Lerneffekt durch Rückkopplung. Ich coache auch ohne Hund, es macht nur halb so viel Spaß. Mit Hund ist es nachhaltiger und effektiver."

Schon eine Übungsrunde mit mit Mira und Maggy kann genügen, um vermeintliche Leadership-Ansprüche zu relativieren.

"Führungskräfte in unserer Gesellschaft sind meist Männer. Viele denken, sie führen, doch sie managen nur", sagt Melanie Ebert. "Oft hakt es da an der Ehrlichkeit und daran, dass versucht wird, von oben nach unten zu führen." Dabei wäre alles so einfach: "Führung ist Dienstleistung", sagt Melanie Ebert - und kommt auf ihr Lieblingsthema Freundlichkeit zurück. "In vielen Unternehmen wäre ein entscheidender Schritt schon dann getan, wenn die Chefs ihren Mitarbeitern zum Geburtstag gratulieren. Es geht um Wertschätzung. Und was ich da mit Kleinigkeiten erreichen kann - unglaublich."