Wasser und Wassermangel spielen im Jura eine besondere Rolle. Dabei sollte man nicht nur an das Brauchtum der Osterbrunnen denken, sondern auch an Phänomene wie Hungerbrunnen und Hüllen zum Wasser speichern. Seit Erfindung der Druckwasserleitung sind die tradierten Probleme gelöst. Dennoch ist die Trinkwasserversorgung im Marktgemeinderat Wiesenttal ein Dauerthema.

"Demnächst drehen wir den Hahn auf", stellte Bürgermeister Helmut Taut (FWW) positiv fest, dass die Leitungsverbindung zwischen Albertshof und Voigendorf kurz vor der Vollendung steht. Damit sind dann die Gemeindeteile, die von der Aufseßgruppe mit Sitz in Wüstenstein versorgt werden, und die, deren Wasser aus der Quelle bei Streitberg kommt, miteinander verbunden.


Zweites Standbein für Wasserversorgung

Die Wasserversorgung in Wiesenttal hat damit ein zweites Standbein für den Fall, dass aus einer Quelle mal nicht gefördert werden könne oder dürfe. Wäre das bei der Streitberger Quelle der Fall, flösse über die neue Leitung Trinkwasser zum Beispiel nach Muggendorf. Und umgekehrt gilt das gleiche. Wie der tägliche Betrieb ausschauen wird, ist für die neue Leitung noch nicht festgelegt. Sicher ist nur, dass täglich so viel Wasser fließen wird wie dem Leitungsvolumen entspricht, damit kein Wasser "absteht".

"Damit sind wir auf der Wasserlandkarte grün", ergänzte Taut. Hinter dieser Kurzfassung verbirgt sich das Kartenwerk der Wasserwirtschaftsämter, in dem die Versorger mit den Farben grün, gelb und rot gekennzeichnet sind. Grün bedeutet, hier ist alles ok; gelb, dass der Versorger etwas tun muss, vor allem die Versorgungssicherheit gewährleisten. Rot könnte man frech übersetzen: "Trink mer lieber Bier" oder ernsthafter formuliert, dieser Versorger steht kurz vor dem Abschalten.

Zur gelben Fraktion gehört derzeit noch der Ort Aufseß. Auf der Höhe über dem Flusslauf wird eine Leitung gebaut werden, vergleichbar mit der, die die Aufseßgruppe und die Versorgung über die Streitberger Quelle verbinden. Danach hat auch Aufseß die Sicherheit, weiter Trinkwasser liefern zu können, auch wenn die eigenen Quellen ausfallen sollten.

Auch diese Leitung wird gut eine Million Euro kosten. Hier muss Wiesenttal noch auf eine Förderung von 250 000 Euro warten. Weil aber große Rechnungen schon fällig waren, ist der Gemeindesäckel leer. Auch wenn der Tagesordnungspunkt über eine Kreditaufnahme mit "dringliche Anordnung" überschrieben war, war dies Situation schon erwartet und so in den Haushalt 2017 eingearbeitet worden. Die gut 400 000 Euro decken diese Finanzierungslücke und auch die Vorausleistungen für die Straßenbaumaßnahmen in Wüstenstein ab. In einem Jahr wird der Kredit im Ganzen getilgt, wenn die zugesagten Fördermittel eingegangen sind.


Sorge um die Brauerei

Die Aufseßgruppe versorgt auch Breitenlesau , das zur Gemeinde Waischenfeld gehört, und vor allem die dortige Brauerei Krug. Um letztere macht sich Waischenfelds Bürgermeister Edmund Pirkelmann Sorgen, der zugleich der stellvertretende Vorsitzende des Trinkwasserverbands Juragruppe ist. Er möchte es schriftlich von der Aufseßgruppe haben, dass die Versorgung der Brauerei gesichert ist, informierte Taut den Marktgemeinderat auf eine Anfrage von Günter Schürer (CSU) hin. Dazu wird ein Szenario benutzt, dass von Extremsituationen wie dem Ausfall zweier Versorger ausgeht. "Das ist in der Praxis nicht vorstellbar", ist er optimistisch und erteilt dem Ansinnen, auch zwischen Aufseß- und Juragruppe eine Verbindungsleitung zu bauen, eine Absage.

"In zehn bis 20 Jahren" kann er sich diesen weiteren Ringschluss vorstellen. Und das auch unter dem Gesichtspunkt, dass überall die Einwohner mitzahlen müssen, wie bei der Verbindungsleitung Albertshof-Voigendorf. Theoretisch könnte es auch einen Ringschluss mit der Wiesentgruppe mit der Quelle bei der Sachsenmühle geben, den von dort aus wird der Wiesenttaler Ortsteil Wohlmannsgesees mit Trinkwasser versorgt.

Auch zum Leitungsnetz der Ebermannstadter Stadtwerke wäre eine Verbindung im Raum Birkenreuth möglich. Die Entfernungen liegen jeweils bei etwa einen Kilometer.